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Natur

Adebar Amadeus – ein Faulpelz?

Der Jungstorch hat überwintert, kommt aber noch nicht als Familiengründer infrage. Die Kameraüberwachung wird verbessert.
Von Thomas Rieke

Amadeus scheint sich am Stangl-Hof auf Dauer eingenistet zu haben.
Amadeus scheint sich am Stangl-Hof auf Dauer eingenistet zu haben.

Nittenau.„Alle Vögel sind schooon da...? Es sieht so aus, als müsste dieses wunderbare Volkslied, das demnächst wieder in allen Kindergärten erklingen dürfte, umgeschrieben werden. Denn: Viele Vögel waren nie weg. Immer mehr Flugkünstler, die früher im Herbst wärmere Gefilde aufsuchten, um dann im März bei uns freudig begrüßt zu werden, bleiben den Winter über hier. So auch ein Teil der Störche, die in Nittenau eine feste Anhängerschar haben.

Adebar „Amadeus“ ist einer der Faulpelze. Im Sommer 2014 war er vermutlich von seinen Geschwistern aus dem Horst am Haus des Gastes verstoßen worden. Feuerwehr und Tierschützer Gunther Stangl retteten ihn mit vereinten Kräften. Dank der Pflege auf der Stangl-Ranch waren die Verletzungen bald ausgeheilt, und „Ziehvater“ Stangl hätte den Storch auch gerne wieder in seine Freiheit entlassen. Doch als sich das Laub der Bäume färbte und es Amadeus’ rabiate Familienmitglieder zusammen mit anderen Artgenossen naturgemäß gen Süden zog, blieb er mit stoischer Ruhe sitzen.

Zu gut schmeckte dem Genesenen offenbar das Futter, das ihm täglich frisch auf die Wiese geworfen wurde, zu gut gefiel ihm der Korb, der ihm als Nest bereitgestellt worden war. Und gibt es da im Stangl-Paradies nicht noch einen Storch, der ebenfalls sesshaft geworden ist (weil er seit einem Strom-Unfall weitgehend flugunfähig ist)?

Zwei Vögel mehr – egal!

Amadeus scheint sich in seiner Rolle als „Nesthocker“ wohl zu fühlen, was Gunther Stangl letztlich nicht unangenehm ist. Längst hat er den Langschnabel in sein Herz geschlossen. Dass er ihn womöglich immer am Hals haben wird, bereitet dem Landschaftsgärtner keinen Kummer. Bei dem Zoo, den er sich im Laufe der Zeit schon zugelegt hat, spielen ein paar Vögel mehr keine Rolle.

Nach seinen Angaben leben derzeit in Nittenau vier Störche; neben den „Pflegekindern“ zwei Altvögel. Möglicherweise schon in zwei Wochen könnten weitere Stelzvögel versuchen, in der Regentalstadt Fuß zu fassen. Kein leichtes Unterfangen. Nicht selten kommt es zu blutigen Kämpfen um die wenigen existierenden Horste. Meist, so wird berichtet, setzten sich die Lokalmatadoren durch, denn die Konkurrenz sei durch die weite Anreise geschwächt. Ob auch Amadeus’ Geschwister wieder im Anflug sind? Stangl hält es für denkbar, doch dass sie ausgerechnet in Nittenau landen, sei nicht zwingend.

Horste müssen gereinigt werden

Ja, die Nestsuche und Paarungszeit ist aufregend – und beschäftigt nicht nur die Vögel selbst. In Nittenau wird demnächst wieder die Drehleiter der Feuerwehr anrücken, damit noch vorher die Horste gereinigt werden können. Nach intensiver Nutzung sind sie meist durch Kot so verdreckt, dass sich Regenwasser sammelt. Dann haben die Störche quasi „Badewannen“, was sie nicht besonders schätzen.

Mit in den Drehleiter-Korb wagt sich vermutlich auch Johann Fünffinger. Der städtische EDV-Experte hat es sich nämlich zur Aufgabe gemacht, das Storchennest am Haus des Gastes (und ebenso das auf dem alten Heizungskamin des Gymnasiums) mit einer Webcam zu überwachen. So hat jeder Nittenauer mit Internetzugang die Möglichkeit, rund um die Uhr zu verfolgen, was sich in den Nestern tut – tagsüber zurzeit meist nichts.

Vielleicht ist er eine Sie

Fünffinger, ein leidenschaftlicher Tüftler, ist laufend bemüht, die Übertragungsqualität der Kameras zu optimieren. Beim Gymnasium möchte er demnächst das Objektiv austauschen, weil die aktuelle Brennweite für die Verhältnisse ungünstig ist, und am Haus des Gastes plant er die Installation eines digitalen IP-Geräts. Nur einmal im Jahr bietet sich dafür die Chance – nämlich jetzt.

Ob Amadeus einmal mithilft, den Störche-Bestand zu vergrößern, ist ungewiss. Bislang steht, so verrät Gunther Stangl, noch nicht einmal das Geschlecht zweifelsfrei fest. Heuer wäre Amadeus für eine Paarung freilich sowieso noch zu jung. Vielleicht begnügt er sich aber auch später mit dem Kameraden auf der Ranch, der sich im ersten Winter immerhin als Leidensgenosse bewährt hat.

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