MyMz
Anzeige

Lehrplan

Am Ende zählen Noten und nicht Kompetenz

Der neue Lehrplan für die Grundschulen fordert eine neue Lernkultur, die aber aus Sicht des BLLV noch im Widerspruch zur alten Leistungskultur steht.
Von Elisabeth Hirzinger

Es ist nicht vorgesehen, dass die erworbenen Kompetenzen auch in die Noten einfließen. Foto: dpa

Schwandorf.300 Seiten umfasst der neue LehrplanPlus, der ab dem Schuljahr 2014/2015 gilt. Da ist viel von Kompetenzorientierung, Ko-Konstruktion und Partizipation die Rede. „Das klingt alles gut“, findet Maria Karg-Pirzer. Und doch ist die Kreisvorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes skeptisch.

Maria Karg-Pirzer leitet die Telemann Grund- und Mittelschule in Teublitz und hat sich das Reformpapier genau angeschaut. „Tolle neue Lernbegriffe“ hat sie entdeckt und viele gute Ansätze. Doch, „die Realität sieht anders aus“, sagt die stellvertretende BLLV-Bezirksvorsitzende und verweist darauf, dass die moderne Lernkultur im Widerspruch zur alten Leistungskultur steht.

Wenn man schon den Erwerb von Kompetenzen zum zentralen Thema im neuen Lehrplan macht, findet Karg-Pirzer, sollte man, in der logischen Konsequenz, auch den Leistungsbegriff neu definieren – und eben auch persönliche Stärken bewerten, statt, wie gehabt, in den vierten Klassen nach Noten auszusieben.

Die Auslese nach Noten sieht Maria Karg-Pirzer sowieso kritisch. Sie fände es viel besser, wenn die Kinder länger gemeinsam in die Schule gingen. Das würde viel von dem Druck wegnehmen, den die Schüler schon in der dritten Klasse spüren. Ohne den Übertritt vor Augen, könnten die Schüler entspannter lernen. Und sie könnten wieder mit Freude lernen. Nach den Erfahrungen der Schulleiterin sind es vor allem die Eltern, die vor dem Übertritt Druck aufbauen, die nur noch die Noten vor Augen haben und mit allen Mitteln um Punkte feilschen. Erst in der fünften Klasse wird es besser, sagt Maria-Karg-Pirzer. Erst dann könne wieder entspannt gelernt werden.

Aus Sicht der BLLV-Kreisvorsitzenden läuft bei der Einführung des neuen Lehrplans einiges noch nicht ideal. Das beginnt schon damit, dass die Fortbildungen für die Lehrer schon begonnen haben, noch ehe der LehrplanPlus vorlag, geschweige denn abgesegnet war.

Maria Karg-Pirzer findet es auch nicht gut, dass es keinen Probelauf gibt, keinen Modellversuch, und damit auch keine Möglichkeit, nachzubessern. Sie fordert deshalb eine Evaluation, „nach zwei, drei Jahren“. Wichtig fände sie auch ein Feedback der Lehrer.

Grundsätzlich ist Maria Karg-Pirzer ganz angetan von den Inhalten des neuen Lehrplans. Kompetenzorientierung, das sei ein „toller neuer Lernbegriff“, sagt sie. Aber, was ihrer Meinung nach noch fehlt, ist eine Veränderung des Leistungsbegriffs. Denn: Die moderne Lernkultur stehe noch im Widerspruch zur alten Leistungskultur mit Noten- und Zeitdruck. Und das passt, wie Maria Karg-Pirzer findet, nicht zusammen.

Wenn Kompetenzen gefordert und gefördert werden, so die Argumentation der Kreisvorsitzenden, dann müssten sie am Ende auch zählen. Momentan sieht es noch so aus, dass, auch nach dem neuen Lehrplan, nur die Fakten abgefragt und bewertet werden. Dabei wäre es nach Überzeugung der BLLV-Funktionärin kein Problem auch Kompetenzen individuell zu bewerten. Aber das ist vorerst nicht vorgesehen.

Genauso wenig wie kleinere Klassen oder gar mehr Lehrkräfte, zwei Forderungen, für die sich der BLLV schon lange stark macht. Die stellvertretende Bezirksvorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes wäre schon mit kleinen Anfängen zufrieden, mehr Förderstunden und Förderlehrer für Tandem-Unterricht zum Beispiel oder mit der stärkeren Einbindung des Mobilen Sonderpädagogischen Dienstes. Aber dessen Kontingent reicht ebenso wie die Mobilen Reserven jetzt schon hinten und vorne nicht.

Für Maria Karg-Pirzer steht fest: Die Ansätze im neuen Lehrplan sind gut, „nur die Rahmenbedingungen passen noch nicht.“ Da klaffen Ideal und Schulwirklichkeit noch weit auseinander. Und wenn es schon nicht mehr Personal gibt, wären wenigstens zur Einführung des Lehrplans einige Zusatzstunden für eine „kollegiale Hospitation“ wünschenswert, sagt Maria Karg-Pirzer, wohl wissend, dass auch dafür bisher meistens die Zeit fehlt. Wie gut der neuen Lehrplan ist, das muss sich für die Schulleiterin und BLLV-Funktionärin deshalb erst noch zeigen.

An Nachbesserungen führe kein Weg vorbei, glaubt Karg-Pirzer. Evaluation kann ja auch ein fruchtbarer Prozess sein – und „qualitative Veränderungen brauchen Zeit“, sagt Maria Karg-Pirzer, die die Grundschule zumindest auf dem richtigen Weg sieht.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht