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Angriff auf „letzte Widerstandsnester“

Warum Schwandorf 1945 in den Fokus der Bomber geriet, wirft bis heute Fragen auf. Alfred Wolfsteiner ist dem nachgegangen.
Von Cornelia Lorenz

Alfred Wolfsteiner hat 2005 einen Bildband über die Bombennacht veröffentlicht.
Alfred Wolfsteiner hat 2005 einen Bildband über die Bombennacht veröffentlicht. Foto: Archiv

Schwandorf.Es war einer der schlimmsten Tage in der Geschichte der Stadt: Die Bombennacht vor 70 Jahren kostete rund 1250 Menschen das Leben, 674 Häuser wurden zerstört und weitere 514 beschädigt. Alfred Wolfsteiner, Leiter der Stadtbibliothek, hat 2005 einen Bildband über die Ereignisse veröffentlicht. So einen Schicksalstag habe Schwandorf zuletzt vor rund 500 Jahren erlebt, sagt er. Am 10. August 1505 brannte die Stadt in den Wirren des Landshuter Erbfolgekriegs bis auf fünf einzelne Häuser komplett nieder.

Wie viele Schwandorfer damals den Tod fanden, lässt sich heute nicht mehr rekonstruieren. Wolfsteiner vermutet aber, dass den meisten Bürgern die Flucht gelang, als sich das Feuer über die Stadt ausbreitete. So viel Zeit zur Flucht hatten die Menschen in der Bombennacht 1945 nicht: Sie mussten den Luftangriff der Royal Air Force mit 167 Lancasters und acht Mosquitos über sich ergehen lassen.

Bombenlast von 633 Tonnen

Warum die britisch-kanadischen Flieger so kurz vor Kriegsende Schwandorf mit einer Bombenlast von 633 Tonnen in Schutt und Asche legten, kann sich Wolfsteiner nur so erklären: „Es ging darum, letzte mögliche Widerstandsnester kaputt zu schießen“, vermutet er. Damit hätten die Alliierten den ungehinderten Vormarsch ihrer Bodentruppen sichern wollen. Den häufig genannten Grund, die Briten hätten mit der Bombardierung Schwandorfs einen wichtigen Eisenbahnknotenpunkt zerstören wollen, hält Wolfsteiner aus militärischer Sicht im Nachhinein für weniger sinnvoll.

Die Bombennacht von Schwandorf

Denn im April 1945 habe der Schwandorfer Bahnhof schon längst nicht mehr seine frühere Bedeutung gehabt, sagt Wolfsteiner: Die Eisenbahnlinien in Richtung Amberg und Weiden seien damals schon zerstört gewesen. Auch in Richtung Süden ging zu der Zeit nicht mehr viel: Nach der Bombardierung der Schwabelweiser Brücke in Regensburg sei auch der Bahnverkehr in diese Richtung zum Erliegen gekommen. Deshalb hätten sich im April 1945 die Züge im Schwandorfer Bahnhof richtig gestaut, da in die meisten Richtungen kein Fortkommen mehr möglich war.

Für viele Menschen gab es keine Rettung

Für viele Menschen, die sich in der Bombennacht gezwungenermaßen am Schwandorfer Bahnhof aufhielten, gab es deshalb auch keine Rettung. Besonders dramatisch: Auch ein Zug, der mit Kindern besetzt war, die eigentlich in sichere Gebiete verreisen sollten, wurde im Bombenhagel zerstört.

Warum sich die Bombardierung nicht auf den Schwandorfer Bahnhof beschränkte, sondern auch die benachbarten Areale wie Linden-, Rothlinden- oder Kreuzbergviertel massiv zerstört wurden, lässt sich im Nachhinein schwer beurteilen. Auch Wolfsteiner kann hier nur Vermutungen anstellen. Das Zielgebiet, der Bahnhof, sei eigentlich viel zu klein für einen Pulk von 175 Flugzeugen gewesen. Sein Fazit: „Wenn die Kriegsmaschinerie einmal läuft, dann läuft sie eben.“

Veranstaltungen zum Gedenken

  • Andacht:

    Die Eucharistiefeier zum Gedenken an die Opfer der Bombennacht ist am 17. April um 8 Uhr in der Kreuzbergkirche. Am gleichen Tag erinnert Studiendirektor i. R. Erich Zweck ab 16 Uhr in einem Vortrag im Kulturkeller an der Fronberger Straße an die fürchterlichen Auswirkungen des völlig sinnlosen Bombenangriffs. Dabei werden auch Bilder aus der Zeit vor und nach dem Angriff gezeigt. Anschließend um 16.45 Uhr führt Hans Werner Robold durch die als Luftschutzbunker genutzten Bereiche des Felsenkeller-Labyrinths.

  • Ausstellung:

    Die Sonderausstellung im Stadtmuseum Schwandorf „Wiederaufbau und Wirtschaftswunder – Nachkriegszeiten und 1950er Jahre in Schwandorf aus Schülerperspektive“ beleuchtet die Zeit nach Kriegsende. Die Ausstellung des Stadtmuseums entstand in Zusammenarbeit mit Schülern des Schwandorfer Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasiums. Die Öffnungszeiten des Stadtmuseums sind am Donnerstag von 11 bis 16.30 Uhr, am Sonntag von 14 Uhr bis 17 Uhr oder nach Vereinbarung, Tel. (0 94 31) 4 15 53.

  • Vortrag:

    Am Samstag, um 18.30 Uhr spricht Prof. Dr. Dietmar Süß von der Universität Augsburg über „Luftkrieg und deutsche Gesellschaft – Geschichte und Erinnerung“ in der Stadtbibliothek, Sandstraße 5.

  • Literatur zum Thema Bombenangriff:

    „Das Finale des Zweiten Weltkrieges in Schwandorf“, Dr. Georg Klitta († 26.09.1988) Preis: 25 Euro; „Oberpfälzer Heimatspiegel 2015“, Beitrag von Herrn Hans-Peter Weiß, Preis 7,95 Euro. Beide Publikationen gibt es im Tourismusbüro.

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