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Gedenken an die Bomben vom 17. April

Vor 71 Jahren wurde Schwandorf in einer Nacht in Schutt und Asche gelegt. Politik und Kirche gedachte am Mahnmal der Opfer.
Von Dietmar Zwick

  • OB Andreas Feller legte mit seinen beiden Vertreterinnen Ulrike Roidl und Martina Englhardt-Kopf einen Kranz nieder. Foto: szd
  • Vertreter beider Konfessionen sowie der Fraktionen im Stadtrat und interessierte Bürger nahmen an der Gedenkfeier teil. Foto:szd

SCHWANDORF.OB Andreas Feller erinnerte bei einer Gedenkfeier in der Fichtlanlage am Samstagabend mit zahlreichen Stadträten und weiteren Vertretern der Pfarreien aus Schwandorf an die Bombardierung Schwandorfs, die sich am 17. April zum 71. Mal jährte. Britische und kanadische Fliegerverbände ließen in der Nacht ab 2.30 Uhr viele Tonnen Bomben innerhalb von 15 Minuten auf die Stadt Schwandorf herabfallen. Dabei wurden 1250 Menschenleben ausgelöscht; der Angriff forderte unzählige Verletzte und die halbe Stadt lag in Schutt und Asche.

Doch die Schwandorfer verzagten nach dieser unfassbaren Katastrophe nicht und in einer großartigen gemeinsamen Aktion bauten sie Schwandorf wieder auf. Dafür gebühre ihnen Dank und Respekt, betonte OB Feller. Der 17. April müsse den Schwandorfern für immer im Gedächtnis bleiben. „Denn nur wenn wir uns mit der Geschichte, mit dem Vergangenen auseinandersetzen, sind wir in der Lage, unsere Gegenwart und unsere Zukunft friedvoll zu gestalten“, so OB Feller.

Feller erinnerte in seiner Ansprache auch an die vielen Toten und Verletzten, die die Attentate in Paris und Brüssel forderten und von denen sich die Menschen nicht verängstigen lassen dürfen. Jeder Einzelne sei gefordert, sich gegen religiöse und rassistische Feindseligkeiten, Intoleranz und Diskriminierung zu stellen, hob OB Feller hervor.

Dekan Hans Amann betonte, dass alle Menschen für den Frieden beten wollen, sollen, dürfen. Dies sei wichtig in einer Zeit, in der dieser in vielfältiger Weise bedroht sei. „Wir wissen alle: Bomben fallen auch heute, an vielen Orten der Erde und bringen Menschen zu Tode oder treiben sie zur Flucht. Dies sei ebenso schrecklich, wie damals vor 71 Jahren und es bleibe weiterhin schrecklich.“ Die Organisatoren des Gedenken hoffen, dass sie einen Beitrag zum Frieden leisten können mit dieser Feier. Sie solle die Teilnehmer motivieren, aus der Erinnerung an dieses schreckliche Geschehen, tatkräftig für den Frieden zu arbeiten „in unserer kleinen, aber auch großen Welt“, führte Dekan Hans Amann aus.

Pfarrer Arne Langbein ging bei einer Rückschau auch mit den Kirchen ins Gericht. Als die Christen auf einmal Machthaber waren, seien sie mit dem Frieden für die Menschen nicht besonders christlich umgegangen. Über Jahrhunderte hinweg hätten sie sich mit dem Bösen eingelassen, wie mit Machstreben, Gier und Krieg. Und trotzdem gab es immer wieder Hoffnung, dass der Mensch einmal dazu lernt.

In Anbetracht der Nachrichten, werde es aber wohl noch eine lange Zeit brauchen, bis Ideen des Friedens durchgesetzt sind. Langbein erinnerte an die Schrift des großen Denkers von 1795, Immanuel Kant, mit dem Titel „Zum ewigen Frieden“. Darin würden Wege aufgezeigt, wie es zum Frieden kommen könne: Dass der ewige Friede, der auf die – fälschlich sogenannten – Friedensschlüsse, die eigentlich eher Waffenstillstände seien, folgt, keine leere Idee, sondern eine Aufgabe sei. Nach und nach solle man sich diesem Ziel nähern, indem die Zeiten in denen die Waffen schweigen, länger werden und in immer kürzeren Abständen aufeinanderfolgen.

Trotz vieler Verträge mit vorübergehenden Waffenstillständen, die es heute gebe, müsse man immer wieder Angst haben, dass die Kämpfe irgendwo wieder losgehen, sagte Pfarrer Arne Langbein. Er, wie auch viele andere, haben die Hoffnung, dass auch diese vorübergehenden Waffenstillstände bei allen Nebenkriegsschauplätzen, doch zu einem Frieden auf der Welt führen können. Im Namen des Friedens unter den Menschen solle man sich die Hände reichen, wo immer es nötig ist, so Langbein.

Alle Berichte zur Bombennacht lesen Sie in unserem Dossier.

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