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SPD erinnert an Gräuel in der Kuntau

Am 20. April fanden zahllose Häftlinge des Konzentrationslagers Flossenbürg in einem Waldstück bei Schwandorf den Tod.
Von Alfred Merl

  • Zahlreiche Interessierte begaben sich am Sonntag mit der Schwandorfer SPD auf Spurensuche in der Kuntau. Foto: Merl
  • Das Gedenkkreuz in der Kuntau

SCHWANDORF.Der SPD-Stadtverband Schwandorf erinnerte am Sonntag an das Schicksal von 70 Insassen eines Transportzuges von KZ-Häftlingen und begab sich dazu auf Spurensuche in die Kuntau, einem Flurbezirk in der Nähe des Klausensees.

Für Vorsitzenden Andreas Weinmann war die Resonanz der Veranstaltung der Beweis, dass an dem fast vergessenen Vorfall vor 70 Jahren großes Interesse bestehe. Neben der Bundestagsabgeordneten Marianne Schieder, Landtagsabgeordneten Franz Schindler und Alt-Landrat Hans Schuierer nahmen etwa 70 Schwandorfer, darunter auch mehrere Zeitzeugen an der Veranstaltung teil.

„Was sich hier am 20. April 1945 Schreckliches ereignet hat, wurde leider nie in angemessener Weise gewürdigt und geriet nach dem Krieg schnell in Vergessenheit“, berichtete Andreas Weinmann. Zusammen mit Michael Fleischmann, der an einer Dokumentation über die Schwandorfer Gefallenendenkmale arbeitet, erläuterte er, warum hier 70 Opfer des Nationalsozialismus ihr Leben lassen mussten.

Am 19. April 1945 verließ ein Eisenbahnzug mit 1000 Häftlingen Flossenbürg. Wegen des zwei Tage vorher zerstörten Bahnhofs Schwandorf wurde der Zug bereits in Etzenricht gestoppt, konnte aber am nächsten Tag über ein Behelfsgleis weiterfahren. Zeitgleich war ein Flak-Zug in Richtung München unterwegs gewesen, der aber wegen der zerstörten Brücke in Regensburg in der Kuntau halten musste. In Folge kam auch der Evakuierungszug zum Stehen. Ein Tieffliegerangriff auf beide Züge löste unter den KZ-Häftlingen Panik und Ausbruchsversuche aus.

Im Verlauf fanden 29 Menschen den Tod, 41 weitere Tote fand man später im Wald. Über 100 konnten fliehen, die restlichen 800 wurden zu Fuß weitergetrieben, doch in dem mittlerweile herrschenden allgemeinen Chaos war der Zug nicht mehr zu kontrollieren und löste sich nach und nach auf. Einen versperrten Waggon mit Häftlingen ließ die SS zurück; als er am 23. April geöffnet wurde, fand man einen Teil der Häftlinge bereits tot, den anderen Teil „in einem ausgehungerten und hysterischen Zustand“ vor.

Im Beisein seiner Witwe würdigte Weinmann Wolfgang Hirche, der im vergangenen Jahr hier ein Gedenkkreuz aufgestellt und damit die Vorfälle wieder in Erinnerung gerufen hatte. Besondere Eindringlichkeit erhielt die „Spurensuche“ durch die spontanen Beiträge mehrerer Zeitzeugen, die die Ereignisse im Kindesalter in unmittelbarer Nähe miterlebt hatten.

Ergänzend dazu gab Franz Schindler einen Überblick über den historischen Hintergrund: „Aufgrund der herannahenden Front begannen am 16. April 1945 die SS-Wachmannschaften mit der „Evakuierung“ des Konzentrationslager Flossenbürg. Zehntausende wurden – angetrieben von Maschinengewehren und Hunden – zu „Todesmärschen“ gezwungen oder in Eisenbahnwaggons gepfercht Richtung Dachau transportiert. Entlang der Routen, die sich über die ganze Oberpfalz erstrecken, wurden später 5000 Tote gezählt“, so Schindler. Das richtige Maß an Gedenken zu finden, sei schwer, doch Gedenken und Verantwortung gehörten zum moralischen Fundament unserer Demokratie und es sei höchste Zeit, Gedenksteine zum Sprechen zu bringen.

Zaghaftes Gedenken

  • Mahnmal:

    Im Dezember 1950 wurden eingefriedete Gedenksteine in der Kuntau aufgestellt, mit einer Inschrift wurde der „Opfer des Nationalsozialismus“ gedacht. Nachdem die sterblichen Überreste nach Flossenbürg überführt worden waren, gab das damalige Landratsamt Burglengenfeld im Jahr 1957 die Grabsteine „zum Verkauf frei“. Heute sind davon nur noch Fundamentreste zu erkennen.

  • Zweiter Versuch:

    Ein hölzernes Erinnerungskreuz errichtete Wolfgang Hirche (†) im vergangenen Jahr. (sam)

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