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Bundestagswahl
Mittwoch, 20. Juni 2018 28° 2

Bilanz

FDP im Aufwind, Grüne stagnieren

Die Berliner Koalitionspartner in spe tun sich im ländlichen Wahlkreis schwer. Die FDP kam immerhin auf über sechs Prozent.
Von Reinhold Willfurth

Tina Winklmann (r., mit dem Schwandorfer Grünen-Chef Paul Groß) hat ihr ehrgeiziges Ziel von zehn Prozent der Zweitstimmen verfehlt. Foto: Dietmar Zwick
Tina Winklmann (r., mit dem Schwandorfer Grünen-Chef Paul Groß) hat ihr ehrgeiziges Ziel von zehn Prozent der Zweitstimmen verfehlt. Foto: Dietmar Zwick

Schwandorf.Einen „Schock“ zu verdauen hatte wie wohl viele Wahlbeobachter am Sonntagabend die Grünen-Spitzenkandidatin Tina Winklmann. „Dass die AfD aller Voraussicht nach das zweitstärkste Ergebnis im Landkreis Cham holen wird, sehe ich als Auftrag an alle Parteien an, das bei den nächsten Wahlen zu verhindern,“ lautete die erste Antwort der 37-Jährigen aus Wackersdorf auf die Frage nach ihrer Wahlbilanz.

Dass die Grünen mit ihr als Spitze im Landkreis Cham bei rund vier Prozent der Stimmen etwa auf Niveau vorhergehender Wahlen lägen, sehe sie „nicht himmelhochjauchzend“. Ich gebe zu: „Wir hätten uns mehr erwartet.“ Im Interview mit unserem Medienhaus in Schwandorf hatte sich Winklmann ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Zehn Prozent der Zweitstimmen wollte sie bei der Bundestagswahl für die Ökopartei holen. Doch daraus wurde nichts. Zum Zeitpunkt des Interviews am Wahlabend lagen die Direktkandidaten der Linken und der FDP im Landkreis vor Tina Winklmann.

Das änderte sich im Lauf des Abends dann auch nicht mehr. Tina Winklmann musste sich sogar mit einem sechsten Platz bei den Direktkandidaten zufriedengeben – hinter Karl Holmeier (CSU), Marianne Schieder (SPD), Frank Aumeier (Freie Wähler), Marius Brey (Linke) und Ines Tegtmeier (FDP).

Auch die CSU und SPD waren mit dem Wahlergebnis unzufrieden. In unserem Video sehen Sie die Reaktionen:

Schieder und Holmeier sind enttäuscht. Video: Seitz

Nicht mehr als einen Achtungserfolg konnte Winklmann auch in ihrer Heimatgemeinde Wackersdorf erzielen. Immerhin 5,78 Prozent der Erststimmen sammelte sie dort ein. Aber schon das Zweitstimmenergebnis in Wackersdorf könnte die künftige Regierungspartei das Gruseln lehren: Mehr als 3,8 Prozent waren für die Grünen am Ort des Kampfs gegen die WAA nicht drin. Das sind weniger als im Landkreisdurchschnitt, wo die Grünen 4,7 Prozent der Zweitstimmen erhielten.

Ein ausführliches Fazit über das Ergebnis ihrer Anstrengungen in den vergangenen Wochen werde sie auf der Landesdelegiertenkonferenz in 14 Tagen in Deggendorf ziehen. Stand Sonntagabend stehe ihr weiteres Engagement noch nicht fest. „Meiner momentanen Stimmung nach zu urteilen, bleibe ich kämpferisch.“ Daher laute auch ihr vorläufiges Wahlfazit gerade mit Blick auf das AfD-Ergebnis: „Jetzt erst recht.“ Auch Ines Tegtmeier machte sich Hoffnung, im Aufwind ihrer Partei, der FDP, ein anständiges Ergebnis einzufahren. Diese Hoffnungen wurden nicht ganz erfüllt. Zwar schlug die völlig unbekannte Newcomerin knapp ihre Konkurrentin von den Grünen, sie blieb aber mit ihrem persönlichen Ergebnis von 4,67 Prozent der Erststimmen doch deutlich hinter dem Zweitstimmenergebnis der Liberalen zurück. Knapp drei Prozent der Wähler stärkten bei der letzten Bundestagswahl 2013 der FDP den Rücken. Am Sonntag waren es dann mit über sechs Prozent mehr als doppel so viel.

So reagierten die Vertreter der Parteien auf das Wahlergebnis:

Bundestagswahl: Das sind die Reaktionen. Video: Seitz

Hier finden Sie spannende Fakten rund um die Bundestagswahl:

Weitere Informationen zur Bundestagswahl im Landkreis Schwandorf lesen Sie hier.

Viele gingen wählen

  • Kleine Parteien:

    Die Freien Wähler legten in der Wählergunst gegenüber der Wahl 2013 leicht von 3,5 auf 3,9 Prozent der Zweitstimmen zu. FW-Direktkandidat Frank Aumeier kann seine 7,5 Prozent als persönlichen Erfolg für sich verbuchen, ein Anstieg um 3,4 Prozent. Einen schweren Stand hat die ÖDP bei Bundestagswahlen. Ihr traut man offenbar mehr Kompetenz auf Landes- und lokaler Ebene zu. Mehr als 814 Zweitstimmen (knapp ein Prozent) waren nicht drin im Landkreis Schwandorf. Die Bayernpartei lag diesmal nur knapp hinter der ÖDP. Ihr Stimmenanteil ist weiter geschrumpft.

  • Vollends abgesackt sind die Piraten. Ihr Stimmenanteil fiel von knapp 1200 im Jahr 2013 auf nur mehr 251 – die Spaßpolitiker von der „Partei“ haben die Piraten mit 325 Stimmen noch überholt.

  • Wahlbeteiligung:

    Die Wahlbeteiligung im Landkreis Schwandorf hat sich gegenüber 2013 deutlich verbessert. Waren es vor vier Jahren 66,35 Prozent der Wahlberechtigten, die zur Urne schritten, waren es am Sonntag gut 76 Prozent. Die Zahl der ungültigen Erststimmen (1967 gegenüber 699 vor vier Jahren) legt die Vermutung nahe, dass mehr Wähler damit ihren Protest gegen die Politik im Allgemeinen ausdrücken wollten.

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