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Übung

Das fliegende Auge des Naturschutzes

Ab dem Frühjahr steigt die Waldbrandgefahr. Damit die Luftretter im Ernstfall gerüstet sind, trainieren sie in Schmidgaden.
Von Daniel Pfeifer

Ab dem Frühjahr fliegen die Piloten regelmäßig Beobachtungsflüge.
Ab dem Frühjahr fliegen die Piloten regelmäßig Beobachtungsflüge. Foto: Pfeifer

Schmidgaden.Mit den ersten warmen Sonnenstrahlen erwacht langsam der Frühling im Landkreis Schwandorf. Quer über den strahlend weiß-blauen Oberpfälzer Himmel zieht ein Kleinflugzeug seine Bahnen. Darin sitzen Beobachter der Luftrettungsstaffel Bayern und lassen ihre Blicke über die erblühenden Wiesen und Wälder schweifen, auf der Suche nach verdächtigen Rauchschwaden. Denn mit dem warmen Schein der Frühlingssonne kehrt auch die Waldbrandgefahr zurück.

Neben einem scharfen Blick und Schwindelfreiheit muss ein Luftbeobachter aber noch einiges mehr beherrschen. Um diese verantwortungsvolle Arbeit übernehmen zu können, ist eine ausführliche Grundausbildung und regelmäßige Teilnahme an Übungen Pflicht. Am Samstag kamen deshalb zur Einläutung der neuen Saison 24 Luftbeobachter an den kleinen Flugplatz Schmidgaden zur jährlichen Standortschulung. Eingeteilt in Gruppen und Fluggebiete, frischten sie dort ihre Fähigkeiten im Kartieren, Funken und Koordinieren auf, unter simulierten Bedingungen wie im Ernstfall.

Unter ihnen sind die beiden Förster Hubert Amode, angestellt im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, und Jürgen Färber aus Rieden, von den Bayerischen Staatsforsten. Sie sind bereits einige Jahre dabei und kennen den Ablauf. Als erste Aufgabe arbeiten sie zusammen die Flugrute des heutigen Tages mit Lineal und Kugelschreiber an einer Landkarte aus. Auf dem massiven Holztisch im Fliegerheim zeichnen sie mit sorgfältigem Strich die vorgegebenen Koordinaten ein. „Das, was wir hier machen, ist eigentlich Steinzeit“, meint Jürgen Fäber dazu. Heute arbeite man grundsätzlich mit GPS. „Aber Technik kann eben auch ausfallen,“ fügt er hinzu.

Währenddessen machen die Piloten ihre Maschinen startklar. Nur wenig später stehen Jürgen Färber und Hubert Amode mit ihrem Piloten Horst Hubmann am Anfang der schmalen Startbahn. Ein kurzer Funkspruch aus dem Tower, ein schneller Sprint über den grauen Asphalt, und der rot-metallisch glänzende Vogel hebt ab und gleitet in Richtung Mittagssonne.

Währenddessen, auf der Erde südlich von Amberg, irgendwo zwischen Haselmühl und Köfering, steht ein fünfköpfiger Trupp der Feuerwehr Haselmühl bereit. Leberkässemmel in der einen Hand, Funkgerät in der anderen, warten sie schon zwei Stunden auf Anweisungen. Denn eine der wichtigsten Aufgaben der Luftrettungsstaffel ist im Ernstfall die Navigation von Bodenkräften der Feuerwehr. „Der kürzeste Weg ist nicht unbedingt der beste,“ weist Flugplatzchef Dieter Naber die Gruppen im Vorfeld ein. Wasserentnahmestellen und Schleichwege sollen genauso aus der Luft ausgekundschaftet werden wie eventuelle Gefahren für die Bodenkräfte. Vom Boden aus nicht vorhersehbare Gegenfeuer, die die Feuerwehrleute einschließen, können im Ernstfall fatal sein. Für die Haselmühler ist diese Übung auch ein erstes Mal.

Dann kommt der Funkspruch aus Schmidgaden. Los geht’s. Wenige Minuten später erscheint das Flugzeug mit Amode und Färber zwischen den Schäfchenwolken am Horizont. Fahrer Michael Weber gibt Gas, Michael Reindl am Funkgerät nimmt die Wegbeschreibung aus der Luft an. In einem Wäldchen vor dem Ort Mendorferbuch bricht plötzlich der Sichtkontakt ab, das analoge Funkgerät überträgt nur noch Rauschen. Auf dem Rücksitz klappen Paul Dirschka und Achim Schneck kurzerhand die Karte aus und lotsen blind weiter. Wenig später steht der Kontakt wieder, die restliche Fahrt verläuft problemlos. „Mei san mir guad“: das Fazit aus Haselmühl.

Zurück in Schmidgaden: Alle Flieger sind heil zurück auf dem Boden. Die Schulung war ein voller Erfolg. „Sicherheit ist oberstes Gebot,“ hält Dieter Naber zum Schluss fest, „sonst wären wir nicht so alt geworden“.

Im Frühling wird‘s ernst

  • Die Luftrettungsstaffel Bayern:

    Seit über 45 Jahren ist die Luftrettungsstaffel Bayern bereits das fliegende Auge des Natur- und Katastrophenschutzes. Sie wacht über die ausgedehnten Waldgebiete, dokumentiert Brände oder Unfälle. Die Arbeit der Luftbeobachter ist komplett ehrenamtlich, ebenso wie die Arbeit von Dieter Naber, der sich um den Stützpunkt Schmidgaden kümmert und selbst seit inzwischen 45 Jahren in der Luft ist.

  • Gefährlicher Frühling:

    Nach Einschätzung von Dieter Naber könnten bei einem weiterhin so warmen Wetter bereits in zwei Wochen die ersten Waldbrandflüge des Jahres angesetzt werden. Erfahrungsgemäß ist das Frühjahr oft gefährlicher als der Hochsommer. Zu dieser Zeit fliegen die Luftbeobachter manchmal fast täglich. (mda)

Waldbrände aus der Luft bekämpfen

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