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Filmfestival

Dokus von der Tiefsee bis zum Büroturm

Im dritten Jahr ist das Schwandorfer Dokumentarfilm-Festival „Zwickl“ so vielfältig wie noch nie – schon allein wegen drei neuer Spielstätten.
Von Daniel Pfeifer, MZ

  • Zum Auftakt des „Zwickl“-Festivals strömten die Besucher ins ehemalige Metropolkino. Foto: Pfeifer
  • Für Anne Schleicher war das „Zwickl“-Festival in den vergangenen drei Monaten ein Fulltime-Job. Foto: Pfeifer
  • Geschenke gab es für die Familie Heinz, die die Räumlichkeiten des gleichnamigen Blumengeschäfts im Alten Metropolkino zur Verfügung stellte. Foto: Pfeifer

Schwandorf.Von den dunklen Abgründen der Tiefsee bis zu den luftigen Büros moderner Firmenhochhäuser, über die endlosen Weiten von Rio de Janeiros Müllkippe bis in die Kabine der deutschen Nationalfußballerinnen: Die Schwandorfer Dokumentarfilmtage, das Zwickl-Filmfestival, sind in ihrem dritten Jahr größer, vielfältiger und spektakulärer denn je. Bis zum 28. September laufen zwei Dutzend handverlesene internationale Dokumentarfilme, zum ersten Mal in drei verschiedenen Spielstätten: im Felsenkeller, in der neuen Leitwarte des Zweckverbandes Müllverwertung Schwandorf und im Alten Metropolkino (jetzt: Blumen Heinz).

Am Samstag feierten die Organisatoren zusammen mit vielen geladenen Gästen in der Sparkasse Schwandorf die Eröffnung des diesjährigen Festivals. Nach einer kurzen Eröffnung von Peter Wild als Repräsentant der Sparkasse ergriff Schwandorfs Oberbürgermeister Andreas Feller das Wort. Er dankte vor allem den vielen Sponsoren, die mit ihrer finanziellen Unterstützung einen großen Anteil daran hätten, dass Schwandorf mit so einem kulturellen Aushängeschild glänzen könne. Besonderen Dank und ein kleines Präsent hatte er zudem für die Familie Heinz vom gleichnamigen Blumengeschäft, das eigentlich im ehemaligen Metropolkino untergebracht ist. Für diese wenigen Tage wurde das Geschäft komplett ausgeräumt, um Platz für die Hauptspielstätte zu machen.

„Wir haben alles gegeben, um eine Kino- und vor allem Festivalatmosphäre zu schaffen“, erklärte Anne Schleicher, die als Letzte am Redepult in der Sparkasse sprach. Sie ist seit der ersten Stunde das Herz der Dokumentarfilmtage, Organisatorin und Filmexpertin. Als Initiatorin ist das Filmfestival, zumindest während der dreimonatigen Vorbereitungsphase, für sie ein Vollzeitjob. Und das, obwohl sie nebenbei ihre Diplomarbeit in Theater-, Film- und Medienwissenschaft in Wien schreibt.

Besonders das begrenzte finanzielle Budget hatte ihr von Zeit zu Zeit Kopfzerbrechen beschert. Trotz der vielen Sponsoren musste sie zusammen mit unzähligen ehrenamtlichen Helfern selbst Hand anlegen, wie beim Möblieren des Kinos und beim Verlegen des roten Teppichs. Auch die Filme hat Anne Schleicher selbst organisiert und ausgewählt.

„Es soll für jeden Bürger mindestens ein Film dabei sein“, erzählt sie der MZ. Die Mischung aus ernsten und lockeren Themen zu finden, die für jede Zielgruppe ansprechend ist, war nicht ganz einfach. „Besonders einen Film für Frauen zu finden, war schwierig. Für Männer haben wir schon Technik, da habe ich noch ‚11 Freundinnen‘ mit ins Programm genommen.“

Anne Schleicher ist vor allem stolz auf den neuen künstlerischen Block der Filmtage. „Ich liebe alle Filme, aber besonders freu ich mich auf ’Die Parallele I bis IV‘.“ Sie war mit dem Regisseur Harun Farocki noch in Gesprächen zur Ausstrahlung des Films in Schwandorf, als er vor zwei Monaten verstarb.

Als Eröffnungsfilm hatte Anne Schleicher die Literaturverfilmung „Deutschboden“ über das kleine Dorf Dehdenick in Ostdeutschland gewählt. Dazu gingen die Gäste nach dem Empfang in der Sparkasse geschlossen in das wenige Meter entfernte Metropolkino. Im Foyer glänzt der Kronleuchter von der stuckbesetzten Decke, während die Besucher über den roten Teppich in den alten Kinosaal strömen. Initiatorin Anne Schleicher lehnt in ihrem roten Cocktailkleid an der Theke und lächelt zufrieden...

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