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Der unermüdliche Fußballlehrer

Seit Jahrzehnten engagiert sich Jakob Scharf immer da, wo er bei der DJK Steinberg gebraucht wird – vor allem für die Jugend.
Von Alex Huber

Für seine DJK ist Gründungsmitglied Jakob Scharf auch nach jahrzehntelangem Engagement noch immer Feuer und Flamme.
Für seine DJK ist Gründungsmitglied Jakob Scharf auch nach jahrzehntelangem Engagement noch immer Feuer und Flamme. Foto: Huber

Steinberg am See.Im Landkreis Schwandorf gibt es wohl kaum jemanden, der ihn nicht kennt. Egal ob aufgrund seiner langjährigen Amtszeit als Bürgermeister der Gemeinde Steinberg am See oder des Postens als Stellvertreter des Landrats – der Name Jakob Scharf ist in der Region schon nahezu omnipräsent. Doch nicht nur als Politiker erlangte der heute 68-Jährige Bekanntheit, vielmehr machte ihn sein unermüdlicher Einsatz auf den verschiedensten Fußballplätzen der Oberpfalz populär. Scharfs stets währendes ehrenamtliches Engagement hat dabei einen ebenso simplen, wie auch einleuchtenden Grund: „Wer Fußball spielt, der wird kein Lump.“

Mit einer feinen Stoffhose und einem hellblauen Hemd sitzt der ehemalige Gymnasiallehrer in seinem Esszimmer. Darüber trägt er – wie soll es auch anders sein – eine Trainingsjacke seiner DJK Steinberg. „Den Verein gibt es seit 1964 und ich bin eines der Gründungsmitglieder“, blickt Scharf stolz auf die Historie seines Herzensklubs zurück. Während er heute eher hinter den Kulissen die Fäden bei der DJK zieht, lief er früher selbst im Steinberger Trikot auf.

Enkel ist begeisterter Fußballer

Über 600 Partien bestritt er als aktiver Fußballer. „Mein letztes Spiel habe ich mit 60 gegen Pfreimd gemacht“, erinnert sich Scharf mit einem breiten Grinsen im Gesicht. „Jeder Mensch hat einen Spleen, bei mir ist es eben der Fußball.“ Und der lässt den ehemaligen Steinberger Bürgermeister bis heute nicht los. „Eigentlich wollte ich langsam kürzer treten, aber jetzt habe ich einen Enkel, der begeisterter Fußballer ist. Etwas besseres hätte mir nicht passieren können. Jetzt mach ich eben noch ein wenig weiter“, erzählt der 68-Jährige begeistert.

„Eigentlich wollte ich langsam kürzer treten, aber jetzt habe ich einen Enkel, der begeisterter Fußballer ist.“

Jakob Scharf

Gesamtjugendleiter seit 1980, acht Jahre Fußball-Abteilungsleiter, Jugendtrainer seit 1982 und acht Jahre Coach der ersten Mannschaft – an Scharf führt bei der DJK Steinberg kaum ein Weg vorbei. „Ich habe mir vorgenommen, jeden einzelnen Spieler im Verein persönlich zu kennen“, erklärt der pensionierte Lehrer. „Dadurch entwickelt man einen ganz anderen Draht zueinander“, so Scharf weiter. Denn: Seine Aufgabe als Trainer nimmt er enorm ernst. „Man ist in erster Linie Psychologe. Manchen muss man in den Arsch treten, andere muss man aufbauen“, analysiert er schmunzelnd. Der Sport im Verein habe aber auch einen positiven Nebeneffekt: „Im Fußball lernt man sehr viel für das spätere Leben. Man entwickelt Tugenden wie Respekt und Teamfähigkeit. Jugendliche die nicht in Vereinen engagiert sind, sind viel anfälliger für Alkohol und Drogen. Ich sehe das pädagogisch. Man ist einfach gut aufgehoben.“

Als Jugendcoach ist dem Vizelandrat aber vor allem eines wichtig: Die Freude am Sport. „Beim Nachwuchs muss der Spaß im Vordergrund stehen, die Kinder müssen gerne dabei sein“, erklärt Scharf, der sich mittlerweile weitgehend auf das Trainieren der G- und E-Junioren beschränkt hat. Dafür investiert er wöchentlich rund 15 Stunden. Früher, als Scharf aber noch nahezu die gesamte Steinberger Jugend coachte, waren das weit mehr. Erlebt hat der 68-Jährige dabei schon so einige amüsante Geschichten, bei denen er sich auch heute noch nicht das Lachen verkneifen kann. „Einmal, da haben wir 0:1 verloren“, erinnert er sich. „Ich hatte einen richtigen Hals, weil wir so schlecht waren. Da kommt einer der Kleinen vom Spielfeld und sagt mit einem Grinsen zu mir: Gell Jackl, hauptsach‘ Spaß hat‘s gemacht!“, blickt Scharf vergnügt zurück.

„Ich mag Leute wie Jürgen Klopp oder Giovanni Trapattoni. Die sind mit Leib und Seele dabei.“

Jakob Scharf

Doch nicht nur bei der DJK zog der heutige Vizelandrat an der Seitenlinie die Fäden, auch in seinem Beruf verfolgte er seine Leidenschaft und trainierte über 20 Jahre lang die Schulmannschaft des Johann-Michael-Fischer-Gymnasiums in Burglengenfeld. „Und das als Lateinlehrer“, fügt Scharf lachend hinzu. „Ich hatte Fabian Trettenbach, Matthias Graf, Benjamin Karg und Thomas Rachner. Das war eine Bombenmannschaft, da musste ich nicht viel sagen“, blickt der Steinberger zurück. Heute kicken seine ehemaligen Schützlinge allesamt in der Bayern- oder der Landesliga. „Wir sind Oberpfalzmeister geworden und mussten dann gegen die Bertolt-Brecht-Schule ran. Da war der Nachwuchs vom Club und von Greuther Fürth. Die haben uns gezeigt wie Fußballspielen geht“, erinnert sich Scharf.

An ein ganz besonderes Spiel erinnert sich der 68-Jährige auch mit dem Mädchenteam des Gymnasiums: „Wir haben gegen die Amberger Auswahl gespielt und 0:4 verloren. Eine Spielerin hat dabei alle Tore gemacht und ich habe mein Mannschaft gefragt, wie so etwas passieren kann. Sie erwiderten mir, dass das Sara Däbritz gewesen sei und ob ich die denn nicht kennen würde. Ich kannte sie damals tatsächlich nicht und muss noch heute darüber lachen“, gibt Scharf preis.

„Mit dem Alter ruhiger geworden“

Doch ganz egal ob in Steinberg oder am JMF-Gymnasium, eines werde ihm immer fremd vorkommen: „Ich mag keine Coachingzone, da fühle ich mich eingesperrt. Ich war früher bekannt dafür, dass ich immer so rumgeschrien habe, Emotionen gehören im Fußball einfach dazu. Mit dem Alter bin ich aber ruhiger geworden“, gesteht Scharf. „Ich mag Leute wie Jürgen Klopp oder Giovanni Trapattoni. Die sind mit Leib und Seele dabei.“

Sein größtes Vorbild war allerdings ein völlig anderer – und bei Scharf liegt es schließlich auch nahe, dass es sich dabei um einen Steinberger handeln muss. „Zu Pfarrer Michael Gschwendtner habe ich aufgesehen. Er war sozusagen Gründer der DJK und hat viel in Steinberg hinterlassen. Als wir einmal mit unserer ersten Mannschaft Meister wurden, hat er uns mit der Pony-Kutsche durch den Ort gefahren“, erinnert sich Scharf. Trotz mancher Niederlage der Steinberger mit ihm als Coach hätte der 1984 verstorbene Gschwendtner stets nur immer eines gefragt: „Habts g‘stritten? Nein? Dann passt‘s!“

Scharf legt großen Wert auf Kontinuität, „auch, wenn es mit knapp 70 eigentlich an der Zeit wäre, dass ein anderer in meine Fußstapfen tritt“, meint das Urgestein der DJK. Doch auch wenn seine Gattin Anne des Öfteren ein mahnendes Wort über seinen mit Trainingsgeräten vollgeladenen Kofferraum verliert, bleibt für Scharf sicher: „Ich habe bisher 28 Meisterschaften geholt. Die 30 würde ich schon noch gerne voll machen.“

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