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Kultur

Ein musikalischer Bilderbuchstart

Die Smetana Philharmoniker Prag gestalteten bereits zum 5. Mal das Neujahrskonzert in der Schwarzachtalhalle.
Von Ralf Gohlke

  • Maestro und Chefdirigent Hans Richter zog erneut alle Register, um das Publikum zu begeistern. Foto: R. Gohlke
  • Beinahe ein „Heimspiel“ ist die Schwarzachtalhalle für das Orchester. Foto: ggo

Neunburg.Wenn der Dirigent und musikalische Leiter der Smetana Philharmoniker Prag, Hans Richter, seinen Frack anzieht, bedeutet das für seine Geburtsstadt Neunburg immer den Auftakt zu einem Konzertabend der Extraklasse. Zu einer festen Einsrichtung hat sich mittlerweile das Neujahrskonzert in der Schwarzachtalhalle entwickelt. Bereits zum fünften Mal reiste das international agierende Ensemble zu diesem Zweck am Dienstag in die Pfalzgrafenstadt.

„Da geh’ ich zu Maxim“, lautete das Motto für den bunten Melodienreigen bekannter Opern- und Operettentitel. Bereits zum dritten Mal begleitete das Programm der südkoreanische Bariton Kyung Lee als Solist das Konzert. Keineswegs „zweite Wahl“ war die Sopranistin Luminita Andrei, die kurzfristig für die angekündigte Rosa Maria Hernandez einsprang, weil Letztere einer Verpflichtung im Züricher Opernhaus nachkommen musste.

Herausragende Solisten

Als Gastgeber eröffnete Bürgermeister Martin Birner den Abend, von dem er sich „einen musikalischen Bilderbuchstart ins neue Jahr“, versprach. Nach dem großen Stadtjubiläum unterstreiche dieses Konzert noch einmal den Ruf der Schwarzachtalhalle als Hochburg der klassischen Musik in der Region. Auch die fünfte Auflage glänze erneut mit internationaler Sänger- und Musikerklasse. Am Ende ließ er die Frage offen, ob ein Jahr harmonischer beginnen könne.

Der Bariton Kyubong Lee konnte das Neunburger Publikum erneut überzeugen. Foto: ggo

Den musikalischen Auftakt bildete die Ouvertüre zu „Figaros Hochzeit“, von Wolfgang Amadeus Mozart. Sie nahm Dirigent Hans Richter als Moderator zum Anlass, die Irrungen und Wirren der Oper näher zu beleuchten. Dazu sang Kyungbong Lee die Arie des Grafen Almaviva. Mit der Arie der Susanna „Deh vieni, non tardar, o gioia bella“ gab dann Luminita Andrei ihren fulminanten Einstand. Ihr schloss sich Kyugbong Lee mit der berühmten Cavatine des Figaro aus Rossinis „Barbier von Sevilla“ an.

Im Duett sangen Luminita Andrei und Kyubong Lee „Figlia, mio Padre!“ aus Rigoletto. Foto: ggo

Die Smetana Philharmoniker fügten dem das Vorspiel des ersten Aktes aus Verdis „Rigoletto“ hinzu und Hans Richter nahm sich die Zeit, die Karrieren der beiden Solisten, ihre Ausbildung und Erfolge, dem Publikum etwas näher zu bringen. Das erste Duett des Abends bildete „Figlia, mio Padre!“, ebenfalls aus Rigoletto. Mit „Vedrò, mentr’io sospiro“ (Kyubong Lee) sowie der Arie der Susanna aus „Deh vieni, non tardar“ (Luminita Andrei) anstelle der vorgesehenen Sopran-Arie aus Rossinis „Der Barbier von Sevilla“, klang der erste Teil aus.

Die Sopranistin Luminita Andrei begeisterte das Publikum mit ihrer großen Ausstrahlung. Foto: ggo

Schwungvoll startete das Orchester nach der Pause mit der Ouvertüre aus „Die leichte Kavallerie“ von Franz von Suppé. Das bekannte „Lied an den Mond“ aus der Oper „Rusalka“ von Antonin Dv`´orák ließ die herausragende Koloratur der Stimme von Luminita Andrei hervorragend zur Geltung kommen. „Da geh ich zu Maxim“, aus „Die lustige Witwe“ von Franz Lehár , sang im Anschluss Kyungbong Lee. Er versprach den Damen nach der „Annen Polka“ von Johann Strauß dann gleich „dunkelrote Rosen“, ganz im Sinne des „Gasparone“ von Carl Millöcker.

Humorige Moderation

Luminita Andrei hatte es da schon eher mit dem Couplet „Der Herr Marquis“ aus der Operette „Die Fledermaus“ von Johann Strauß, während das Orchester den Johann Strauß-Walzer „An der schönen blauen Donau“ anstimmte.

Dirigent Hans Richter, gelegentlich ganz dicht am Geschehen. Foto: ggo

Hans Richter erwies sich indes an diesem Abend nicht nur als hervorragender Dirigent, sondern auch als ein Moderator mit sehr viel Sinn für Humor. So verriet er, dass der große Gioachino Rossini nach eigenen Angaben nur dreimal in seinem Leben geweint habe. Zum ersten Mal sei dies gewesen, als seine erste Oper beim Publikum durchfiel, danach als er den großen Niccolò Paganini zum ersten mal spielen hörte und schließlich, als ihm ein mit Trüffeln gefüllter Truthahn bei einer Bootsfahrt ins Wasser gefallen sei.

Lesen Sie auch: Das erste Quartal im neuen Jahr beschert dem Publikum in und um Neunburg eine Vielzahl von Veranstaltungen in der Schwarzachtalhalle.

„Kann ein Jahr harmonischer beginnen?“

Martin Birner, 1. Bürgermeister

Anleihen nahm Richter auch bei den großen deutschen Komikern wie Heinz Erhardt mit dem Gedicht vom Geiger und Wilhelm Tell oder Vicco von Bülöw, alias „Loriot“, der von „Rigoletto“ als einem „Operngrusical“ gesprochen und dazu noch eine Wegebeschreibung zum herzöglichen Palast in Mantua geliefert habe.

Gern nahmen Orchester und Solisten den Applaus entgegen. Foto: ggo

Nach dem Donauwalzer brandete natürlich großer Applaus auf, mit dem das Publikum eine Zugabe forderte. Sie gewährten Luminita Andrei und Kyubong Lee mit dem bekannten Duett aus Wolfgang Amadeus Mozarts Oper „Don Giovanni“ mit dem Titel „La ci darem la mano“. Den endgültigen Schlussstrich zog das Orchester schließlich mit dem Radetzky-Marsch von Johann Strauß, der bereits eine gewisse Tradition am Ende des Neujahrskonzerts hat. Bürgermeister Martin Birner, Klassikbeauftragter Karl Stumpfi und Peter Wunder überreichten Präsente an die Solisten, bevor das Publikum sich noch einmal zu stehenden Ovationen erhob.

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