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Geschichte

Erinnerungen an den Krieg in Steinberg

Im Zweiten Weltkrieg starben mehr als 40 Steinberger auf den Schlachtfeldern. Ein Bildvortrag erinnerte an den Kriegsbeginn.
Erika Oberndorfer

Luwig Wagner war mit 30 Jahren der älteste Gefallene, die jüngsten waren 18 und 19 Jahre alt und sahen ihre Heimat Steinberg nie wieder Foto: Jakob Scharf
Luwig Wagner war mit 30 Jahren der älteste Gefallene, die jüngsten waren 18 und 19 Jahre alt und sahen ihre Heimat Steinberg nie wieder Foto: Jakob Scharf

Steinberg.„80 Jahre Beginn 2. Weltkrieg aus Steinberger Sicht“ lautete das Thema eines Bildvortrages beim Heimatkundlichen Arbeitskreis Steinberg seines Vorsitzenden und Ortsheimatpflegers Jakob Scharf. Bei dieser Veranstaltung im Braunkohlemuseum erinnerte der Referent vor allem an die Gefallenen und Vermissten aus Steinberg, Oder und Holzheim.

Zunächst zeigte der Referent die historische Entwicklung in Deutschland auf, als 1932 in freien Wahlen 37 Prozent der Deutschen der undemokratischen Partei NSDAP ihre Stimme gaben, während demokratische Parteien wie die SPD oder das katholische Zentrum zusammen weniger erreichten. Auch die Kommunistische Partei habe über 14 Prozent erreicht. So sei Adolf Hitler durch die Ernennung zum Reichskanzler durch Reichspräsident Hindenburg auf legale Weise an die Macht gekommen, obwohl er von der deutschen Bevölkerung dafür nicht gewählt wurde. Man könne in manchen Landstrichen Deutschlands heute insofern Parallellen zur Zeit vor 1933 ziehen, weil auch dort die etablierten Volksparteien zuletzt weniger Zustimmung fanden „als die rechten und linken Ränder“, deren Parteien nach Ansicht von Scharf trotz totaler ideologischer Gegensätze Ähnlichkeiten zwischen ihren extremistischen Flügeln erkennen lassen.“ Das abgedroschene Wort vom Lernen aus der Geschichte gelte heute mehr denn je, warnte der Kreisheimatpfleger 80 Jahre nach Kriegsbeginn , ehe er konkret auf die Situation in Steinberg im Jahr 1939 einging.

Die Hälfte der Steinberger Soldaten fielen auf dem Schlachtfeld

An einem Septembersonntag traten Schwandorfer Parteifunktionäre plötzlich in das Gasthaus Fenzl, unterbrachen das Kartenspiel und verlasen 20 Namen mit dem Einberufungsbefehl für den Tag darauf. Damit begann auch für die jungen Steinberger der Krieg, an dem über 60 teilnahmen und über die Hälfte davon gefallen sind sowie 16 als Vermisste nicht mehr in ihre Heimat zurückkehrten. Wie überall habe dieser sinnlose hohe Blutzoll viel Leid über den damals rund 700 Einwohner zählenden Ort gebracht, wobei aus einer Familie drei Brüder auf den Schlachtfeldern ihr Leben lassen mussten und deren Schwester beim Bombenangriff auf Nürnberg ums Leben kam.

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Fast alle vom Referenten gezeigten Feldpostbriefe an die Eltern oder die Braut schlossen mit „Auf Wiedersehen“, das es für viele nicht mehr gab. Aber auch im Ort selbst gab es viele Veränderungen: die beiden Radfahrvereine „Solidarität“ und „Concordia“ wurden ebenso aufgelöst wie der Katholische Knappenverein. Benefiziat Alfons Beck wurde wegen einer kritischen Predigt bei der Nazi-Partei denunziert. Hausdurchsuchungen und Verhöre durch die Gestapo brachten aber nichts Belastendes zu Tage.

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