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Lernen

FOSBOS als digitaler Vorreiter

An der Beruflichen Oberschule in Schwandorf hat die Zukunft begonnen. Tablets und Whiteboards sind aber erst der Anfang.
Von Hubert Heinzl

So sieht smarter Unterricht aus: Lehrer Fabian Schaumberger arbeitet mit dem Laptop. Foto: Heinzl
So sieht smarter Unterricht aus: Lehrer Fabian Schaumberger arbeitet mit dem Laptop. Foto: Heinzl

Schwandorf.Wenn Lehrer Fabian Schaumberger in der Chemiestunde an der Beruflichen Oberschule in Schwandorf über die Wertigkeit von Elementen doziert oder im Porzellantiegel Eisenwolle entzündet, ist ihm die Aufmerksamkeit der 19 Schülerinnen und Schüler gewiss. Der Chemielehrer schreibt nicht mehr an der Tafel, sondern tippt auf seinem Tablet herum. Und die eingebaute Kamera sorgt auf dem Whiteboard für Bilder wie auf der Großleinwand. Keine Frage – so geht smarter Unterricht, auch wenn die Schüler immer noch mitschreiben müssen. Einen pädagogischen Effekt haben die neuen Medien dennoch. „Die Schüler sind motivierter und näher dran. Weil ihnen die Geräte aus ihrer Freizeit vertraut sind“, sagt Lehrer Schaumberger, der seit Anfang des Schuljahres gleichsam mobil unterrichtet. „Die Ersten haben schon gefragt, ob sie ihre Tablets auch mitnehmen dürfen“, erzählt er. Doch noch ist es nicht soweit. Und auch Schaumberger arbeitet mit einem digitalen Helfer, den er von zuhause mitbringt. Das soll sich ändern, und zwar schnell.

Viele Kriterien zu erfüllen

Am 8. Dezember wurden erstmals 20 Schulen in Bayern mit dem Gütesiegel „MINT-freundliche Schule – Digitale Schule“ ausgezeichnet. Das Kultusministerium bescheinigt ihnen damit nicht nur, dass sie den Fokus auf Mathematik und die naturwissenschaftlichen Fächer richten, sondern auch besondere Anstrengungen um die Digitalisierung. Allein drei Schulen aus dem Landkreis Schwandorf dürfen sich mit dem neuen Label schmücken – darunter auch die FOSBOS Schwandorf, als erste Oberschule in ganz Bayern.

Der Kriterienkatalog für die „Digitale Schule“ ist umfangreich. Ausgetüftelte pädagogische Konzepte gehören ebenso dazu wie Maßnahmen, um die Lehrer zu qualifizieren. „Wir müssen das gesamte Kollegium bei diesem Prozess mitnehmen“, formuliert es Ralf Bormann, der Leiter des Beruflichen Schulzentrums in Schwandorf. Aber natürlich sollen auch die Schülerinnen und Schüler profitieren. Mündigkeit ist der Schlüsselbegriff“, so Bormann. Dazu gehört nach seinen Worten zum einen der verantwortungsvolle Umgang mit den neuen Medien, aber natürlich auch die Qualifikation für das, was in Studium und Beruf wirklich gebraucht wird. „Wir werden auch Schüler einladen und abfragen, ob wir sie gut vorbereitet haben und was wir ihnen vielleicht noch hätten vermitteln sollen“, sagt Dr. Michael Völkl, der Leiter der Beruflichen Oberschule.

Für den Schulalltag wird das bedeuten, dass über kurz oder lang die Schülerinnen und Schüler ihr Tablet oder Smartphone auch im Unterricht verwenden werden. W-LAN gibt es bereits in der Oberschule und mit dem Ausbau der Berufsschule dann auch bald im ganzen Berufsschulzentrum. Digitalisierung bedeutet auch, dass die Schule sich um ihre eigene Lern-Software bemüht. Denn längst nicht alle Fachbereiche sind durch die Lernplattform „mebis“ des Kultusministeriums wirklich abgedeckt. „Die Unterrichtsmaterialien für die FOSBOS sind noch ausbaufähig“, weiß Dr. Völkl, der deshalb bereits mit möglichen Anbietern in Kontakt steht. Wenn sich einzelne Mosaiksteine bewähren, kann man die Ergebnisse ja ebenfalls in die Datenbank einstellen und so auch für andere Lehrkräfte oder Schulen verfügbar machen. Aber gerade beim gegenseitigen Austausch ist noch viel Luft nach oben.

Traum vom „digitalen Labor

Kern des Veränderungsprozesses am Beruflichen Schulzentrum und besonders der Oberschule ist der „Digitale Arbeitskreis“. Hier wird sondiert, welche Soft- und Hardware-Lösungen auf dem Markt sind und auch „einen echten Mehrwert versprechen“, wie Bormann sagt. Hier wird auch definiert, welche Interessen und digitalen Anforderungen es in den einzelnen Fachrichtungen überhaupt gibt. Denn die unterscheiden sich deutlich – je nachdem, ob es um das „Internet der Dinge“ in der metallverarbeitenden Industrie geht oder die Auswertung großer Datenmengen in der Wirtschaft.

Langfristig schwebt Schulleiter Bormann eine Einrichtung vor, um diesen Prozess nicht nur am Beruflichen Schulzentrum zu verstetigen. „Wir brauchen ein digitales Labor für alle Schulen im Landkreis“, regt er an. Natürlich weiß Bormann, dass erst kürzlich so etwas Ähnliches in Nabburg eröffnet worden ist: das „BayernLab“, eine Art Schaufenster der digitalen Welt. Doch Bormanns „Labor“ ist eher als Instrument für die Fortbildung gedacht, als „Experimentierfeld“, sagt er, „mit dem die Lehrer digitale Lösungen ausprobieren können und sehen, ob das für ihre Zwecke passt“.

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Die Digitale Schule

  • MINT-freundliche Schule:

    Anfang Dezemberg wurden 76 Schulen in Bayern ausgezeichnet, die in ihrer Ausrichtung einen besonderen Fokus auf Mathematik und die naturwissenschaftlichen Fächer legen.

  • MINT-freundliche Schule – Digitale Schule:

    Dieses Zertifikat wurde erstmals in diesem Jahr verliehen und kennzeichnet Schulen, die bei Mathematik, Naturwissenschaften und Digitalisierung Vorreiter sind.

  • Ausgezeichnete Schulen:

    Im Dezember wurden in Bayern erstmals 20 „Digitale Schulen“ ausgezeichnet, neben dem Beruflichen Schulzentrum auch das Gauß-Gymnasium in Schwandorf und die Realschule Neunburg. (hh)

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