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Die Gefahr ist noch nicht gebannt

Die Vogelgrippe hält Behörden und Helfer auf Trab. Immer noch werden tote Vögel gefunden – solange gelten alle Anordnungen.
Von Elisabeth Hirzinger

In Schutzkleidung sammeln die Helfer der Feuerwehr die Kadaver ein. Rund hundert tote Wildvögel hat das Landratsamt Schwandorf bislang registriert. Nicht alle starben an Vogelgrippe.
In Schutzkleidung sammeln die Helfer der Feuerwehr die Kadaver ein. Rund hundert tote Wildvögel hat das Landratsamt Schwandorf bislang registriert. Nicht alle starben an Vogelgrippe. Foto: bat

Schwandorf. Das Thema, das die Medien und sozialen Netzwerke über Wochen beschäftigte, ist in der Öffentlichkeit nicht mehr so präsent. Aber das liege vor allem daran, dass nicht mehr so viel berichtet werde, sagt Hans Prechtl. Tatsächlich ist die Vogelgrippe keineswegs vorbei. „Ständig werden neue tote Wildvögel gemeldet“, teilt der Pressesprecher des Landratsamtes auf Nachfrage der MZ mit. Hans Prechtl muss es wissen. Er ist einer von zehn Mitgliedern des Krisenstabes, der nach dem Ausbruch der Vogelgrippe im Landkreis Schwandorf gebildet wurde.

13 Tiere hat man Ende Januar im Wild- und Freizeitpark Höllohe gefunden. „Damit ging es los“, erinnert sich Prechtl, der die Entwicklung der Vogelgrippe im Landkreis samt Zahlen präsent hat. Der Pressesprecher muss nicht lange überlegen, wie viele Tiere getötet werden mussten. 210 waren es in der Höllohe, und der Aufschrei in den sozialen Netzwerken war groß.

Da half es nichts, dass das Landratsamt immer wieder betonte, dass es keinen Handlungsspielraum gebe und nur veranlasst werde, was unbedingt notwendig sei. An der Keulung von Pfauen, Gänsen, Schwänen, Hühnern, Kanarienvögeln und anderem Getier, das vor allem die kleinen Besucher des Parks ins Herz geschlossen hatten, führte kein Weg vorbei, nachdem der HN-Virus bei den toten Tieren nachgewiesen worden war.

Noch werden tote Tiere gemeldet

Seitdem hat sich die Vogelgrippe weiter ausgebreitet. Betroffen war als nächstes der Geflügelzuchtverein Teublitz. Positiv getestet wurde ein toter Schwan in Schwarzach, ein Tier in Zangenstein und mehrere Schwäne in Nittenau. Und immer noch werden neue tote Wildvögel gemeldet, berichtet Hans Prechtl. Allein 13 waren es am vergangenen Wochenende (18./19. Februar). Rund hundert hat die Behörde bisher registriert und testen lassen.

Fünf Sperrbezirke hat das Landratsamt jeweils im Umkreis von drei Kilometern um den Fundort infizierter Tiere eingerichtet, drei in Höllohe, einen in Schwandorf und einen in Nittenau. Für diese Bezirke gelten strenge Regeln – bis heute. Nach wie vor dürfen dort weder Tiere hinein- noch herausgebracht werden. Auch an der Aufstallungspflicht für Geflügelhalter hat sich nichts geändert. Und Geflügelmärkte und -börsen sind weiter tabu.

Zu früh für Entwarnung

Für eine Entwarnung sei es zu früh, erklärt Hans Prechtl. Diese Einschätzungen teilen auch sämtliche Fachinstitute, die die Gefahr einer weiteren Ausbreitung der Vogelpest noch nicht gebannt sehen. Deshalb behalten sämtliche Anordnungen des Landratsamtes ihre Gültigkeit – solange bis sie, wie Prechtl betont, „ausdrücklich aufgehoben werden“. Aber das würde öffentlich bekannt gemacht werden.

In unserem Spezial lesen Sie alle Meldungen zur Geflügelpest aus den Regionen.

Wann das passieren wird, dazu wagt Prechtl noch keine Prognosen. Experten waren davon ausgegangen, dass sich mit steigenden Temperaturen die Lage entspannen werde. Denn, wenn es wärmer wird, so erklärt es der Pressesprecher, müssten die Vögel nicht mehr so viel Energie darauf verwenden, am Leben zu bleiben. Dann seien sie widerstandsfähiger und damit auch nicht mehr so anfällig für den gefährlichen Virus.

Derweil treffen sich die elf Mitglieder des Krisenstabs, Vertreter aus den Bereichen öffentliche Sicherheit, des Veterinäramtes, des Gundheistamtes, der Pressestelle und der Landrat noch täglich zum Jour Fixe, um sich „auf kurzem Wege auszutauschen“.

Scharfer Ton im sozialen Netzwerk

Manchmal geht es auch nur darum, Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. So hat Hans Prechtl erst kürzlich auf einen Post auf Facebook reagiert. Ein User hatte dort in moderatem Ton kritisiert, dass der Landkreis Aufgaben auf die Kommunen delegiere. Hintergrund war ein Rundschreiben des Landratsamtes, wonach die Kommunen ab sofort das Einsammeln der toten Tiere übernehmen sollten.

In unserem Newsblog halten wir Sie über die aktuelle Situation in Schwandorf auf dem Laufenden.

Doch der Eindruck, das Landratsamt habe damit eine Aufgabe delegiert, war schlicht falsch. Tatsache ist, dass das Auflesen der toten Tiere originär Aufgabe der Kommunen als Sicherheitsbehörde gewesen wäre. Diesen Aufgabe habe das Landratsamt zu Beginn der Vogelgrippe an sich gezogen, „um eine entsprechende Vorarbeit zu leisten“. Nachdem vernünftige Strukturen aufgebaut waren, habe das Landratsamt die Aufgabe wieder an die Gemeinden zurückgegeben, klärt Hans Prechtl den Irrtum auf. Das richtig zu stellen, war dem Pressesprecher „ein Anliegen“.

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Strenge Regeln

  • Bilanz:

    Ausgebrochen ist die Vogelpest im Landkreis Schwandorf Ende Januar. Im Freizeitpark Höllohe wurden am 7. Februar 210 Tiere gekeult. Seitdem werden immer wieder tote Wildvögel gefunden und gemeldet. Bis dato waren es nach Auskunft des Landratsamtes „knapp hundert Tiere“.

  • Sperrbezirk:

    Seit dem Ausbruch der Vogelgrippe im Landkreis Schwandorf haben die Behörden fünf Sperrbezirke eingerichtet – in Teublitz, in Schwandorf und in Nittenau. Die Sperrbezirke gelten jeweils für einen Radius von drei Kilometern um den Fundort eines infizierten Tieres.

  • Verhalten:

    Beim Auffinden von toten Tieren sollte man laut Landratsamt „Vorsicht walten lassen“. Die Tiere dürfen nicht ohne Handschuhe berührt werden. Direkter Kontakt müsse vermieden werden. Außerdem sollte man sofort das Landratsamt, die Polizei oder die Gemeinde informieren.

  • Anordnungen:

    Nach wie vor gelten alle Sperrbezirke genauso wie die Aufstallungspflicht und das Verbot von Geflügelmärkten und -börsen.

  • Bürgertelefon: Unter der Telefonnummer 0 94 31/471-146 erreichen Bürger Ansprechpartner der Landkreisverwaltung.

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