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Höllohe: Keulung ist bereits beendet

Am Donnerstag rückten im Wild- und Freizeitpark Höllohe Mitarbeiter des Landratsamtes an. Zu Protesten vor Ort kam es nicht.
Von André Baumgarten

  • Aktive der Teublitzer Feuerwehr bauten am Vormittag eine Kontaminationsschleuse am Haupteingang auf. Foto: Baumgarten
  • Feuerwehrkräfte aus dem gesamten Städtedreieck sicherten Absperrungen rund um den Wild- und Freizeitpark. Foto: Baumgarten
  • Ein Lastwagen des Zweckverbands für Tierkörper- und Schlachtabfallbeseitigung lieferte einen Rollcontainer, der im Innenbereich abgestellt wurde. Foto: Artmann

Teublitz.Seit 6.30 Uhr am Donnerstag glich die Höllohe einem Hochsicherheitsbereich. Zahllose Feuerwehrkräfte aus dem gesamten Städtedreieck sicherten die Absperrungen rund um den Wild- und Freizeitpark in Teublitz. Wie berichtet, musste der Geflügelbestand in der Höllohe gekeult werden, da bei 13 verendeten Tieren das H5-Virus nachgewiesen wurde. Seit den Morgenstunden lief nun die Keulung der rund 210 Tiere, die laut einer aktuellen Pressemitteilung gegen 17 Uhr abgeschlossen sein sollte.

Wie der Sprecher des Landratsamtes in einem MZ-Gespräch am Mittag bestätigte, liegen zwischenzeitlich die Ergebnisse des Friedrich-Löffler-Institus in Greifswald vor: „Es wurde bei allen beprobten Tieren der Virusstamm H5N8 festgestellt“, erklärte Hans Prechtl. Damit gebe es „keine Alternative zur Keulung“. Und: „Aufgrund der Aggressivität des Virus greifen keine Ausnahmetatbestände, die von Tierschützern angeführt werden.“ Quarantäne sei nur bei niedrigpathogenen Stammformen möglich; hier aber „weder zulässig noch technisch machbar“. Eine Weiterverbreitung könne damit nicht sicher ausgeschlossen werden, hieß es in einer am späten Nachmittag verbreiteten Pressemitteilung.

Weitere tote Vögel gefunden

Eine Quarantäne scheitere zudem nicht an zu hohen Kosten. „Da kursieren Vorstellungen, die jeder Realität entbehren“, betonte Hans Prechtl. Unterdessen sind dem Landratsamt weitere tote Vögel gemeldet worden. Aktuell würden ein Schwan, eine Ente und ein Bläßhuhn aus Ettmannsdorf, ein bei Klardorf aufgefundener Reiher und eine Ente aus Oberviechtach untersucht. Nach MZ-Informationen soll in Teublitz zudem eine tote Elster gefunden worden sein – nur wenige Hundert Meter von der Höllohe entfernt. Das Landratsamt appellierte erneut an alle Bürger, tote Tiere auf keinen Fall ohne Schutzhandschuhe zu berühren.

„In Teublitz ist das eine andere Ausgangslage.“

Hans Prechtl, Sprecher des Landratsamtes

Nicht nur in sozialen Netzwerken wurde die Notwendigkeit einer Keulung zigfach hinterfragt. Tierschützer argumentieren, dass die Geflügelpestverordnung Ausnahmeregelungen für niedrig- wie auch hochpathogene Fälle vorsieht. Als Beleg wurde auf mindestens vier Fälle, darunter Zoos in Rostock, Schwerin oder bei Frankfurt (Opelzoo) sowie einen Fall im baden-würtembergischen Wörth am Rhein verwiesen, wo die Keulung durch eine Quarantäne ausgesetzt wurde. Der Wille sei eben nicht da gewesen, sagen die Akteure. „In Teublitz ist das eine andere Ausgangslage“, konterte der Sprecher des Landratsamtes.

Geflügelhalter sind gefordert

  • Folgen:

    Das Landratsamt hat einen drei Kilometer Sperrbezirk rund um die Höllohe festgelegt. Zudem ist ein Beobachtungsgebiet (Radius zehn Kilometer) eingerichtet, das auch in den Nachbarlandkreis Regensburg reicht. Betroffen sind Holzheim am Forst, Traidenloh, Kallmünz, Schirndorf und Fischbach, Regenstauf sowie zahlreiche Ortsteile.

  • Pflichten:

    Im Beobachtungsgebiet dürfen die Bestände nicht verändert werden; es gilt Aufstallungspflicht. Wer hier Geflügel hält, muss das mit Angabe von Nutzungsart, Standort sowie Größe selbst dem Veterinäramt melden. Infos sollen ab Freitag unter www.landkreis-schwandorf.de abrufbar sein. (ba)

Die Aktiven der Teublitzer Feuerwehr, unterstützt von weiteren Ehrenamtlichen und der Landkreis-Feuerwehrführung, hatten gegen 9.30 Uhr mit dem Aufbau einer Dekontaminationsschleuse direkt am Haupteingang zum Wild- und Freizeitpark begonnen. Der Abc-Zug des Landkreises Schwandorf ist in Teublitz stationiert. Doch selbst sie bekamen keinen Zugang zum Gelände. Auf dem Parkplatz wurden eigens Zelte aufgebaut, wo sich die Helfer mit heißen Getränken und Essen versorgen können. Was genau im Inneren der Höllohe vor sich geht, dürfen die Retter nicht sagen – jegliche Kommunikation läuft über die Pressestelle des Landratsamts.

Zu Protesten gegen die Keulung der Tiere kam es vor Ort nicht.
Zu Protesten gegen die Keulung der Tiere kam es vor Ort nicht. Foto: ba

Sprecher Hans Prechtl verwahrte sich gegen teils heftige Unterstellungen und die derbe Wortwahl in sozialen Netzwerken. Vorwürfe auch gegen Landrat Thomas Ebeling persönlich – wer Keulungen anordnet oder sich beteiligt, sei kein Tierfreund – wies er sehr deutlich zurück. Wer so etwas verbreite, fördere ein falsches „Schwarz-Weiß-Denken“. Und: .„Uns so etwas zu unterstellen, ist sehr hart – der Vorwurf trifft jeden von uns persönlich.“ Die Abwägung der weiteren Schritte sei gründlich und die Anordnung zur Keulung alles andere als leichtfertig getroffen worden.

Bis zum Nazivergleich alles dabei

Wilde Spekulationen und auch Unterstellungen schossen im Internet ins Kraut. Dass die Tiere sterben müssen, weil sie „im Unterhalt zu teuer kommen“, weil die Höllohe kein Geld einbringe und „Tötung billiger als Quarantäne“ wäre. Oder, dass die Keulung von Anfang an „beschlossene Sache“ gewesen sei. Und, dass Landrat Thomas Ebeling „auch nur den für sich einfachen Weg“ gehe. Zimperlich sind die Kommentatoren in sozialen Netzwerken nicht. Derartige Kommentare seien aber fast harmlos im Vergleich zu „deftigen E-Mails“, die den Landkreischef erreichten. „Spätestens bei den Nazi-Vergleichen ist für mich die Grenze überschritten.“ Das könne auch er nicht einfach so abstreifen.

„Niemand im Landratsamt – einschließlich mir – trifft solche Entscheidungen leichtfertig oder gerne.“

Landrat Thomas Ebeling

Ebeling betonte: „Niemand im Landratsamt – einschließlich mir – trifft solche Entscheidungen leichtfertig oder gerne.“ Seine Haltung sei von Anfang an gewesen, „nur das zu machen, was absolut notwendig ist“. Jedwede Zusagen, wie sie letztlich im Internet verbreitet wurden, habe er in den „vielen, sehr konstruktiven Telefonaten“ nie gemacht. „Es ist schon erstaunlich, wie sich der Inhalt der Gespräche in den sozialen Netzwerken auf einmal verändert hat.“ Eine Meldung, Ebeling sei „vom Plan der Tötung aller Vögel der Höllohe abgewichen“ wurde am Mittwochabend oft geteilt und machte einigen Hoffnung. Wenngleich das schlicht falsch ist, wie der Landrat unserem Medienhaus sagte.

Am Haupteingang zur Höllohe wurde eine Dekontaminationsschleuse aufgebaut.
Am Haupteingang zur Höllohe wurde eine Dekontaminationsschleuse aufgebaut. Foto: bat

Die Veterinäre in Teublitz hatten derweil ihre Arbeit „unproblematisch und ohne Zwischenfälle“ erledigt, hieß es am Nachmittag. Vereinzelt sah man hinter den Absperrungen Mitarbeiter des Landratsamtes in gelben Vollschutzanzügen samt Mundschutz, die weitere Anweisungen für das Vorgehen mit den Einsatzkräften absprachen. Von einem Lastwagen des Zweckverbands für Tierkörper- und Schlachtabfallbeseitigung in Platting wurde ein Rollcontainer geliefert, der im Innenbereich abgestellt war. Von der Keulung selbst war von außen nichts zu sehen. Der Appell, den Prechtl am Mittwoch an die Menschen gerichtet hatte, scheint gewirkt zu haben. Man vertraue auf die Vernunft der Menschen. Nach MZ-Informationen gab es weder in der Nacht, noch seit Beginn der Keulung irgendwelche Zwischenfälle.

„Auffällig aber auch bedenklich“ nannten es einige Einsatzkräfte, dass überhaupt keine Gegner oder Tierschützer den Weg in die Höllohe gefunden hatte. Der Protest habe sich wohl nur auf soziale Medien im Internet beschränkt. Allein auf der Facebook-Seite von Mittelbayerische Schwandorf kommentierten mehr als 1400 Menschen die Berichterstattung bis zum Donnerstagnachmittag, über 800 Mal wurden die Beiträge geteilt. Die meisten der rund 50 E-Mails und Nachrichten an Landrat Ebeling kamen von außerhalb des Landkreises. Er habe durchaus das Gefühl, dass „die Menschen hier verstehen und uns glauben, dass wir anders gehandelt hätten, wenn es möglich gewesen wäre“.

Die bestätigten Vogelgrippe-Fälle in Teublitz waren auch Thema in „Mittelbayerische am Mittag“. Sehen Sie das Video dazu hier:

Aktuellste News werden in der mittäglichen Sendung aufgegriffen.

Zahllose Zuschriften, Anrufe und Mitteilungen von Tierschützern erreichten auch die MZ-Redaktion: Mit Hinweisen, dass eine wissenschaftsbasierte kritische Lösung beim „Vogelgrippe-Wahnsinn“ (wie es ein bundesweit anerkannter Virologe nennt) gefragt wären. Oder der Aufforderung, eine Spendenaktion für die Quarantäne zu initiieren, um den „Stempel des mangelnden Mitgefühls und der Hilfsbereitschaft“ für die Höllohe zu vermeiden. Sowie der Theorie, dass nur im Sinne der Großgeflügelindustrie entschieden worden wäre. Und auch diese stammten allesamt von Akteuren, die aus dem gesamten Bundesgebiet stammten.

Brunner: „Verordnung überholt und überzogen“

Karl-Wolfgang Brunner, Vorsitzender des Kleintierzuchtvereins Nittenau und Umgebung (KZV), übte in einer Stellungnahme Kritik an „überholten und überzogenen Verordnungen“ in Sachen Geflügelpest. Wenn Tiere eingesperrt gehalten werden, was den Infektionsdruck durch Stress erhöhe, könne man keinem normalen Menschen vermitteln, weshalb sie getötet werden müssten. Der Chef eines der größten Kleintierzuchtvereine in ganz Bayern glaubt: „Bei eingesperrten Tieren und dem Absperren des Gehöfts müsste sich die Sache von selbst regeln.“ Befallene Tiere würden rasch verenden und so auch keine Gefahr mehr nach Außen darstellen.

Landrat Thomas Ebeling.
Landrat Thomas Ebeling. Foto: MZ-Archiv

„Das Virus macht nicht vor Zäunen oder Volieregittern Halt, wie die Zahl und Art der Tiere beweist, die in der Höllohe verendet sind“, hielt Prechtl entgegen. Dass der H5N8-Virus nicht auf Singvögel übertragbar ist, wie als Argument gegen eine Tötung zuletzt immer wieder angeführt wurde, ist laut Landrat Ebeling widerlegt. Die Experten vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelüberwachung in Erlangen (LGL) hätten ihm bestätigt, dass „sehr wohl auch schon bei Singvögeln der Nachweis erbracht“ wurde. Die festgestellte Virenkonzentration in den Proben der verendeten Tiere aus dem Teublitzer Wild- und Freizeitpark seien so hoch gewesen, dass es laut Veterinären unverantwortlich gewesen wäre, den Bestand mit rund 210 Tieren in Quarantäne zu nehmen.

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