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Im Geflügelhof wurde bereits gekeult

Am Mittwoch entscheidet der Krisenstab über das weitere Vorgehen in Teublitz. Für die Tauben wird eine Quarantäne erwogen.
Von André Baumgarten und Werner Artmann

Hinweisschilder an allen Hauptverkehrsstraßen (hier nahe Wölland) weisen auf die aktuellen Gefahren in Sachen Vogelgrippe hin. Im Geflügelhof in Teublitz wurden erste Tiere gekeult.
Hinweisschilder an allen Hauptverkehrsstraßen (hier nahe Wölland) weisen auf die aktuellen Gefahren in Sachen Vogelgrippe hin. Im Geflügelhof in Teublitz wurden erste Tiere gekeult. Foto: ba

Teublitz. Die schlimmsten Befürchtungen des Geflügelzuchtvereins sind noch nicht eingetreten; die Lage in Sachen Vogelgrippe bleibt jedoch ernst: Auf dem Geflügelhof, der unmittelbar an den Wild- und Freizeitpark Höllohe in Teublitz grenzt, wurde der H5-Virus bereits bestätigt – Hühner und Enten wurden am Dienstag bereits gekeult. Das sagte Hans Prechtl vom Landratsamt unserem Medienhaus. Im Lauf des Wochenendes waren auf dem Geflügelhof neun Hühner verendet. Weitere Tiere hätten zudem bereits klinische Anzeichen gezeigt.

„Über das Vorgehen bei den Tauben entscheidet der „Krisenstab am Landratsamt am Mittwochmorgen (8. Februar)“, erklärte Prechtl weiter. Auch hier gelte das bisherige Leitmotto, „nur das zu tun, was zwingend notwendig ist“. Ob eine Quarantäne oder die Keulung angeordnet werde, stehe noch nicht fest (siehe dazu auch Infokasten ganz unten). Im Gegensatz zur Höllohe könnten Tauben zwar „per se nicht erkranken, das Virus aber auch weiter übertragen““. Die Befunde seien zur Untersuchung an das Friedrich-Löffer-Institut geschickt worden.

Das Veterinäramt war vor Ort

Johann Besenhard ist Vorsitzender bei den Geflügelzüchtern.
Johann Besenhard ist Vorsitzender bei den Geflügelzüchtern. Foto: Artmann

Wie Johann Besenhard, Chef der Teublitzer Geflügelzüchter, erklärte, waren am Dienstagmorgen die Mitarbeiter des Schwandorfer Veterinäramtes in der Höllohe, um von den Zuchttauben Rachen- und Kloakenabstriche zu machen. Das bestätigte auch Prechtl. Die toten Hühner hatten die Verantwortlichen umgehend gemeldet, worauf die Kadaver ins Labor geschickt wurden. „Weitere verendete Tiere gab es auf dem Geflügelhof seitdem nicht“, betonte der Vorsitzende des Geflügelzuchtvereins Teublitz.

Für die fast 100 Mitglieder des 1961 gegründeten Vereins hänge alles von den weiteren Untersuchungen der Tiere ab: „Ich hoffe natürlich nicht, dass bei den Hühnern und Tauben die Vogelgrippe vorhanden ist“, sagte Besenhard der MZ. Sollten es so sein, „werden wir keine Chance haben, die Keulung aller Tiere im Geflügelhof zu verhindern“, befürchtet der 56-Jährige. Seit Jahrzehnten steht er den Geflügelzüchtern vor und sieht für genau den Fall „schwarz für den Verein“. Am 31. Januar 2016 war der erste Verdacht auf Vogelgrippe vom Landratsamt öffentlich gemacht worden. Einen Tag später wurde die hochpathogene Form H5N8 festgestellt.

„Zukunft des Vereins in Gefahr“

Der Geflügelzuchtverein in Teublitz hat das Gelände direkt neben der Höllohe vom Landkreis gepachtet.
Der Geflügelzuchtverein in Teublitz hat das Gelände direkt neben der Höllohe vom Landkreis gepachtet. Foto: Artmann

Ein Großteil der 14 Alt- und fünf Jungzüchter hätte schon angekündigt, den Bestand in diesem Fall nicht mehr aufzubauen und das Hobby aufzugeben. Damit sei die Zukunft des Geflügelzuchtvereins Teublitz in Gefahr“. Auf dem Geflügelhof befinden sich laut Besenhard sechs Tauben-Volieren von Züchtern, die alle große Erfolge auf Kreis-, Land- und Bundesebene erzielt hätten. Zudem sind dort vier Stallungen von Hühner- und Entenzüchtern. Das Gelände grenzt direkt an den Wild- und Freizeitpark Höllohe an, wo der Geflügelbestand mit rund 210 Tieren erst am vergangenen Donnerstag gekeult wurde.

Ein Spaziergänger war am Dienstag trotz Betretungsverbot in der Höllohe gestürzt. Seine Kleidung wurde sichergestellt – er musste im Trainingsanzug nach Hause fahren.
Ein Spaziergänger war am Dienstag trotz Betretungsverbot in der Höllohe gestürzt. Seine Kleidung wurde sichergestellt – er musste im Trainingsanzug nach Hause fahren. Foto: ba

Einen umfangreichen Einsatz hatten die Feuerwehr und das BRK bereits am Dienstag. Trotz Sperrbezirk und Betretungsverbot für die Höllohe war ein 89-Jähriger aus dem Städtedreieck spazieren gegangen und gestürzt. Offenbar war der Senior über einen nicht gesperrten Trampelpfad aufs Gelände gelangt. Ein Mitglied der Wasserwacht fand den 89-Jährigen an einem Weiher. Etwa 15 Ehrenamtliche der Feuerwehr, ein BRK-Rettungswagen, der Einsatzleiter Rettungsdienst und die Polizei rückten an.

Senior musste Bekleidung abgeben

Der Mann wurde von der Feuerwehr nahe dem Badeweiher vollständig neu eingekleidet; seine Wunden desinfizierten die Retter nur notdürftig – der 89-Jährige hatte eine weitere Behandlung im Krankenhaus abgelehnt. Die Bekleidung des Mannes wurde auf Geheiß des Landratsamtes außerdem sichergestellt. Alle Einsatzkräfte, die das Gelände des Wild- und Freizeitparks betreten hatten, mussten ihre Schuhe desinfizieren. Der Spaziergänger war laut Prechtl wohl direkt in Hinterlassenschaften (Kot und Federn) von Enten oder Gänsen hineingestürzt.

Zu ihrem eigenen Schutz trugen die Einsatzkräfte der Feuerwehr Latexhandschuhe.
Zu ihrem eigenen Schutz trugen die Einsatzkräfte der Feuerwehr Latexhandschuhe. Foto: ba

„Das Betretungsverbot ist ernst“, appellierten Aktive der Feuerwehr an die Vernunft der Bürger. Es bedeute genau, was es heißt: Das Betreten der Höllohe ist verboten! Vermutlich hat der Höllohe-Spaziergang für den Mann noch Konsequenzen: Die nicht ganz unerheblichen Kosten für den Einsatz von Feuerwehr und BRK könnten ihm auferlegt werden. Der konkrete Fall wird laut Prechtl „erst noch genauer geprüft“. Nur bei Bränden und Gefahr für Leib und Leben würden laut Gesetz keine Kosten weiterberechnet.

Zahlreiche weitere Funde am Dienstag

Am Dienstag wurde in einem Anwesen an der Naab bei der Premberger Brücke eine Graugans tot geborgen.
Am Dienstag wurde in einem Anwesen an der Naab bei der Premberger Brücke eine Graugans tot geborgen. Foto: Artmann

Im Landkreis, vor allem im Raum Schwandorf sowie rund um Teublitz, sind laut den Angaben des Landratsamtes in Schwandorf wie schon am Montag zehn bis 15 tote Tiere gefunden worden. Die Feuerwehren waren nahezu stündlich zu Kleintierbergungen alarmiert worden, unter anderen Am Brunnfeld oder beim Kanuclub in der Großen Kreisstadt als auch im Teublitzer Ortsteils Premberg sowie bei Bruck. Die verendeten Tiere werden ausnahmslos im Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) untersucht.

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Alle Nachrichten zur Geflügelpest im Landkreis Schwandorf finden Sie in unserem Dossier!

Untersuchungen laufen noch

  • Beurteilung:

    Bei der Entscheidung für den Geflügelhof bleibt „das Landratsamt seiner Linie treu, nur das zu tun, was zwingend notwendig ist“, betonte Sprecher Hans Prechtl. Es seien in dem Fall andere Voraussetzungen. Alle Tiere seien am Dienstag von den Veterinären „betupfert“ worden; die Ergebnisse lägen aber erst am Mittwoch vor. Dann würden die Fachleute im für die Vogelgruppe eingerichteten Krisenstab abwägen, wie verfahren wird.

  • Quarantäne:

    Warum in diesem Fall ein Abschotten des Bestands möglich ist, erklärte Prechtl: Tauben können – im Gegensatz zu den vergangene Woche betroffenen Tieren in der Höllohe – den Virus übertragen, aber nicht selbst erkranken. Im Gegensatz zu Singvögeln, wo bereits Fälle vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit belegt sind. Solange sich die Tauben in einer Quarantäne befänden, werde das Virus so eingedämmt. (ba)

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