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Zuerst ziehen die Kanarienvögel ein

Die Höllohe in Teublitz ändert nach der Vogelgrippe ihr Gesicht. Die Verantwortlichen hoffen, das Kinderlachen kehrt zurück.
Von André Baumgarten

  • Wolfgang Grosser vom Landratsamt (rechts) und Höllohe-Geschäftsführer Frank Pabst gewährten der Mittelbayerischen einen Blick in die Höllohe. Foto: ‹Baumgarten
  • Noch gilt der Sperrbezirk für die rund 30 Hektar große Anlage in Teublitz weiter – das Betreten ist verboten. Foto: Baumgarten
  • Alle anderen Tiere im Wild- und Freizeitpark warten schon auf den Frühling. Foto: Baumgarten

Teublitz. Sperrbaken und rot-weißes Drassierband lassen von außen keinen Blick in die Höllohe zu. Das etwa 30 Hektar große Gelände in Teublitz ist noch immer ein Sperrbezirk. Möglicherweise wird der Wild- und Freizeitpark schon Mitte März wieder zugänglich sein und zeitnah mit neuem Leben erfüllt – vorbehaltlich ausstehender Beprobungen. „Erst dann gibt es offiziell grünes Licht“, betonte Wolfgang Grosser vom Landratsamt. Unserem Medienhaus gewährten die Verantwortlichen am Dienstag exklusiv einen Blick hinter die Absperrungen und zugleich in die Zukunft.

Für jeden einzelnen Mitarbeiter waren Anfang Februar die „härtesten Tage“ und „eine extreme Belastung“. Die Anfang Februar angeordnete Keulung von rund 210 Tieren wird allen für immer im Gedächtnis bleiben. „Das ist bis heute ein großer Schockzustand für uns alle“, sagte Frank Pabst im MZ-Gespräch am Dienstag. Wie Grosser und die Mitarbeiter im Wild- und Freizeitpark hatte auch der Höllohe-Geschäftsführer zu einzelnen Tieren eine „ganz persönliche Bindung“. Der Blick nach vorne fällt deshalb keinem von ihnen leicht.

Gegen neue Seuchen wappnen

„Wir müssen den Neuanfang schaffen“, betonte Pabst, „vielleicht etwas schöner, auf jeden Fall aber anders.“ Ein Hauptaugenmerk liegt deshalb darauf, künftig besser gegen Gefahr von Seuchen wie der Vogelgrippe gewappnet zu sein. Dafür rücken in naher Zukunft zunächst Großgeräte an, um die teils schon zurückgebauten Volieren und Gebäude komplett abzubrechen. „Die Vorarbeiten sind erledigt“, erläuterte Grosser im MZ-Gespräch. Das Abbruchmaterial wurde bereits entsorgt oder direkt vor Ort verbrannt.

Das Eulengehege (Baujahr 1972) wurde schon beseitigt; das Holz der Gehege nach Rücksprache mit den Veterinären vor Ort verbrannt.
Das Eulengehege (Baujahr 1972) wurde schon beseitigt; das Holz der Gehege nach Rücksprache mit den Veterinären vor Ort verbrannt. Foto: ba

Denn: Die Volieren waren nah aneinander gebaut, zum Teil auch miteinander verbunden, weshalb eine Ansteckung untereinander nicht vermeidbar wäre. Bis auf die Ziervogel-Voliere, die vor neun Jahren gebaut wurde, hatten alle anderen Gebäude außen keine Fundamente. „Nagetiere lassen sich aber nur so fernhalten“, betonte Grosser. Letztlich ein weiteres Puzzlestück, um potenzielle Erreger und deren Verbreitung besser einzudämmen. Das soll sich in naher Zukunft ändern – „wir müssen daher neue Wege gehen und versuchen alles, uns gegen Seuchen zu wappnen“.

Neue „Abteilungen“ sind geplant

Dafür sollen die Tiere künftig in „Abteilungen“ gehalten werden. Maximal zwei Volieren sollen direkt nebeneinander entstehen; dazwischen immer ein größerer Abstand. Die Gebäude für Fütterung und Versorgung dahinter erhalten getrennte Zugänge. Maßnahmen, um Kontakt nach außen einzuschränken, sind ebenfalls angedacht. Beispielsweise eine geringere Maschenweite und Bodenplatten, die mit Sand jedoch „eine natürliche Umgebung schaffen soll“, wie Pabst betonte. „Die Planungen dafür laufen an“, ergänzte Grosser. Abwaschbare Farben an Wänden seien ein weiterer Aspekt, der jetzt vorgesehen sei.

Lesen Sie hier auch topaktuell: Das Landratsamt lockerte die Restriktionszonen für den Landkreism wie in einer Pressemitteilung vom 7. März mitgeteilt wurde.

Reinigung und Desinfektion soll ein wichtiger Aspekt der Neuplanung sein. Zudem größere Rückzugsräume, falls erneut eine Seuche im Landkreis Schwandorf um sich greift. Wenngleich das bei einigen Arten nicht viel hilft – Störche beispielsweise würden ohne freien Blick zum Himmel apathisch und verweigerten das Futter. „Dabei wollten wir sie im Winter nur geschützter unterbringen“, so Grosser. Bei allen Tieren gehe das nicht.

Ziervogel-Voliere neu bestücken

Der erste Schritt beim Neubesatz im Wild- und Freizeitpark wird die Ziervogel-Voliere. „Der beliebteste Anlaufpunkt für viele unserer Besucher“, erinnerte sich Pabst. Dafür wurde das Gebäude komplett entkernt, aufwendig mit Ameisensäure (wirksam auch bei niedrigen Temperaturen) desinfiziert und soll neu eingerichtet werden. Sobald die Wände verputzt sind, können hier acht bis zehn Kanarienvogel-Paare einziehen. „Damit im Frühjahr das Kinderlachen in die Höllohe zurückkommt“, hoffte Pabst.

Entkernt wurde auch die Voliere für Ziervögel am Haupteingang; hier sollen so bald wie möglich die ersten neuen Tiere einziehen können.
Entkernt wurde auch die Voliere für Ziervögel am Haupteingang; hier sollen so bald wie möglich die ersten neuen Tiere einziehen können. Foto: ba

Der Förderverein will am Jahresziel für 2017 festhalten, die Eulenvoliere zu erneuern. Künftig sollen aber tagaktive Schnee- statt die nachtaktiven Schleiereulen leben. Das Gehege soll für eine artgerechte Haltung bis zu sieben Meter hoch werden. Für alle Planungen holen sich die Verantwortlichen Anregungen aus Einrichtungen wie dem Tierpark in ’Lohberg. Doch auch für die übrigen Tiere und die Infrastruktur muss einiges investiert werden. „Die Ideen gehen uns nicht so schnell aus“, sagte Grosser.

Dennoch wird es zwei bis drei Jahre dauern, ehe in der Höllohe einigermaßen Normalität einkehrt. „Ich bin da sehr optimistisch“, erzählte Pabst, „und wir sind auf einem guten Weg.“

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Wie geht es weiter?

  • Planungen:

    Am Landratsamt werden laut Grosser aktuell die Ausschreibungen für Abbruch und Neubau der Volieren vorbereitet. Ein großes Augenmerk liege bei der Neuplanung auf vorsorglichen Maßnahmen für weitere, künftige Seuchenfälle. Die Volieren sollen abgetrennt und mit größerem Abstand neu gebaut werden. Rückzugsräume für eine Quarantäne spielen dabei ebenfalls eine Rolle. Wenngleich: „Eine 100prozentige Sicherheit gibt es leider nicht.“

  • Neubesatz:

    Welche Tiere in Zukunft in der Höllohe einen Platz finden werden, steht noch nicht fest. Die Voliere der Ziervögel wird so schnell wie möglich neu bestückt. Angebote von Züchtern (z.B. aus Nittenau) liegen den Verantwortlichen zudem schon vor; unter anderem für seltene Haushuhn-Rassen. Arten von der roten Liste sollen Berücksichtigung finden. Auch die Stadt Teublitz hat laut Pabst bereits angekündigt, sich finanziell zu beteiligen. (ba)

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