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Interview

„Bedarfsplan kommt noch vor Sommerpause“

Kommandant Wasser und Bauamtschef Schneeberger stellten sich den Fragen der Mittelbayerischen zum Thema Brandschutz.
Von Thomas Rieke

Kommandant Christoph Wasser: „Der Bedarfsplan wird noch vor der Sommerpause dem Stadtrat zur Abstimmung vorgelegt.“  Foto: bjs
Kommandant Christoph Wasser: „Der Bedarfsplan wird noch vor der Sommerpause dem Stadtrat zur Abstimmung vorgelegt.“ Foto: bjs

Burglengenfeld.Das Feuerwehrwesen ist komplex. Deshalb lassen sich selbst Fragen, die auf den ersten Blick simpel erscheinen, oft nicht so leicht beantworten. Das haben wir bei unseren Recherchen zum Thema 10-Minuten-Hilfsfrist/Feuerwehrbedarfsplan erlebt. Kommandant Christoph Wasser und Bauamtschef Gerhard Schneeberger standen dank der Vermittlung durch Pressereferent Michael Hitzek Rede und Antwort.

MZ: Auf wen geht der Feuerwehrbedarfsplan zurück und welchen Sinn hat er?

Kommandant Wasser: Die Erstellung des Feuerwehrbedarfsplans wurde bei der letzten Änderung der Vollzugsbekanntmachung zum Bayerischen Feuerwehrgesetz aufgenommen und den Gemeinden empfohlen. Er dient dazu, dass die Gemeinden prüfen können, ob ihre Feuerwehren in materieller und personeller Hinsicht richtig aufgestellt und ausgerüstet sind.

MZ: Seit wann ist der Feuerwehrbedarfsplan für das Städtedreieck in Arbeit? Und: Sollte das Ergebnis nicht längst vorliegen?


Wasser: Der Plan wurde 2016 durch die drei Städte in Auftrag gegeben. Nachdem alle Daten (Ende 2016) zusammengetragen worden waren, erstellte die Firma IBG einen Projektbericht. Dieser wurde in mehreren Sitzungen überarbeitet bzw. aktualisiert.

Jede Änderung hatte Auswirkungen auf den gesamten Plan, so dass eine Erstellung innerhalb eines kurzen Zeitraums unmöglich war. Wie bereits im Stadtrat angesprochen, soll der Plan noch vor dem Sommer zur Abstimmung vorgelegt werden.

MZ: Hat FWL-Rat Andreas Beer mit seiner Aussage recht, dass eine neue Grundschule am Fuße des Augustenhofs nicht schnell genug, also binnen der Zehn-Minuten-Hilfsfrist, zu erreichen wäre? Und sollte dies tatsächlich zutreffen: Wie löst die Stadt das Dilemma für das Gymnasium, das bekanntlich in derselben Ecke liegt?

Wasser: Für Sonderbauten wie eine Schule ist keine Drehleiter zur Sicherstellung des zweiten Rettungswegs notwendig. Der Personenschutz wird baulich gewährleistet. Der Sachwerteschutz bzw. die wirksamen Löscharbeiten können nur mit einer gewissen Überschreitung der Hilfsfrist erfolgen. Da solche Gebäude aber über gewisse Brandschutzanforderungen verfügen müssen, wird diese Überschreitung keine erheblichen Auswirkungen haben bzw. kein schlagartiger Vollbrand unter normalen Brandbedingungen entstehen.

Ferner stelle ich fest: Die Hilfsfrist spiegelt den aktuellen Stand der Technik und Zeit wieder und ist derzeit in Bayern nicht gesetzlich verankert. Die detaillierte Zusammensetzung der einzelnen Zeiten der Hilfsfrist wird außerdem unterschiedlich betrachtet.

Gilt die gesetzliche Hilfsfrist auch für die Neubausiedlungen am Augustenhof?

Bauamtsleiter Gerhard Schneeberger: „Wir sind ja nicht alleine!“  Foto: ht
Bauamtsleiter Gerhard Schneeberger: „Wir sind ja nicht alleine!“ Foto: ht

Amtsleiter Gerhard Schneeberger: Wie bereits erläutert, ist die Hilfsfrist eine Richtschnur für die Planung in den Gemeinden. Zum aktuellen Zeitpunkt ist diese in Bayern nicht gesetzlich eingeführt.

Unabhängig davon ist der Brandschutz bei jeder Aufstellung eines Bebauungsplans Thema in der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange und der Nachbargemeinden. Darüber hinaus ist er Bestandteil jedes rechtskräftigen Bebauungsplans. Siehe zum Beispiel Bebauungsplan Baugebiet „Augustenhof II Teil A + Teil B“, hier heißt es explizit: „Die Einhaltung der Hilfsfrist nach Nr. 1.1 der Bekanntmachung über den Vollzug des Bayerischen Feuerwehrgesetzes (VollBekBayFwG) ist gewährleistet.“

MZ: Trotzdem und vor dem Hintergrund, dass Burglengenfeld weiter wächst, stellt sich die Frage, ob das erst vor 15 Jahren eingeweihte Gerätehaus Burglengenfeld am richtigen Platz steht.

Schneeberger: Beim Bau des Gerätehauses wurden eigens Gutachten erstellt, waren diverse Fachstellen involviert, unter anderem auch die Regierung der Oberpfalz in Person von Dipl.-Ing. (FH) Herbert Perrey, damals zuständig für Brand- und Katastrophenschutz. Der Standort ist damals von den Beteiligten abgesegnet worden.

MZ: Ist es richtig, dass bei den Gesprächen über den Feuerwehrbedarfsplan auch darüber nachgedacht wurde, einen weiteren Feuerwehrstützpunkt zu schaffen, und zwar zwischen den Städten des Dreiecks für die Neue Mitte?

Wasser: Im Rahmen der Erstellung des Feuerwehrbedarfsplans wurde darüber gesprochen, dass es in Zukunft ein gemeinsames Wartungszentrum und Materiallager in der Neuen Mitte geben sollte. Die dort mit den Wartungs- und Verwaltungsaufgaben betrauten Mitarbeiter könnten während der Arbeitszeit die örtlichen Feuerwehren mit einem eigenen Fahrzeug unterstützen und würden so dem Städtedreieck einen Mehrwert, insbesondere zu den Tageszeiten, bringen. Mit diesem Konzept würde keine der vorhandenen Feuerwehren ersetzt, sondern ein weiterer Standort während der Tageszeit geschaffen werden.

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