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Dienstag, 14. August 2018 24° 3

Musik

Bläser-Performance der Superlative

Unter dem Motto „da Blechhauf‘n XXL meets Böhmisch & Märisch“ spielten drei Kapellen in der Neunburger Schwarzachtalhalle.
Von Ralf Gohlke

  • Alle drei Orchester kamen am Ende eines grandiosen Blasmusikabends noch einmal zu einer gemeinsamen Session auf der Bühne zusammen. Foto: Gohlke
  • Die Blaskapelle Eudamonia, verstärkt durch Mission Böhmisch. Foto: ggo
  • Tanja Dusel und Daniel Käsbauer gemeinsam in Aktion. Foto: ggo

Neunburg. Erst kürzlich verwies kein geringerer als der Intendant und Chefdirigent der Bayerischen Philharmonie, Mark Mast, in einem Pressegespräch zur Vorbereitung des Jahrtausend-Konzerts in der Pfalzgrafenstadt 2107 auf die besondere Rolle der Oberpfalz in Sachen Blasmusik. Wäre er am Samstag in der Schwarzachtalhalle gewesen, hätte er nicht nur seine Aussage bestätigt bekommen, sondern wäre sicher begeistert gewesen von der Qualität mit der die drei Orchester, einschließlich ihrer Solisten an diesem Abend das Publikum begeisterten. Das kam vor allen am Ende des Konzerts unter dem Motto „da Blechhauf‘n XXL meets Böhmisch & Märisch“ noch einmal besonders zum Ausdruck, als sich alle Musiker zu einer gemeinsamen Session auf der Bühne versammelten.

„Mission Böhmisch“ erfüllt

Den Auftakt gestaltete der Seebarner Daniel Käsbauer mit seiner Formation „Mission Böhmisch ...“, der auch der Initiator für diesen Konzertabend der besonderen Art war. Das Orchester als solches ist noch relativ jung, aber die Musiker spielen zum Teil schon seit vielen Jahren in den verschiedensten Zusammensetzungen, was sich bereits bei den ersten Tönen als großer Vorteil erwies. Schon beim Konzertmarsch „Kaiserin Sissi“ kam der besondere Klang, der von weichen Hörnern, Tuben und Posaunen geprägt ist, zum Ausdruck. Typisch böhmisch halt. Nur gelegentlich traten die drei Klarinettisten als besondere Tonspitzen hörbar in in den Vordergrund. Beim anschließenden „So klingt Blasmusik“ gab Anna Lottner, im Duett mit Patrick Oroudji ihr Gesangsdebüt in der „Mission“.

Neben den meisten Arrangements aus seiner Feder brachte Daniel Käsbauer auch Eigenkompositionen wie die Polka „Freunde für immer“, zu Gehör. Auch von dem gebürtigen Wiener Patrick Oroudji waren Eigenkompositionen wie die Polka „Lust auf Me(e)hr“ zu hören.

Ein Beispiel ihrer solistischen Qualitäten lieferten unter anderem Patrick Oroudji und Pascal Führnrohr beim Stück „Fröhliche Tenoristen“ ab.

„Fröhliche Tenoristen“, ein Solo mit Patrick Oroudji, Pascal Führnrohr.
„Fröhliche Tenoristen“, ein Solo mit Patrick Oroudji, Pascal Führnrohr. Foto: ggo

Mit dem dem Abschluss ihres Parts wollte die „Mission Böhmisch...“ laut Daniel Käsbauer „Ernst Mosch, dem Karajan der Blasmusik, ein Denkmal setzen.“ Entsprechend fassten sie einige seiner oft gespielten Werke in einem Medley zusammen.

Die Kapelle Blaskapelle Eudamonia unter der Leitung von Tanja Dusel stand heuer im März erstmals auf einer Bühne. „Alles gute Freunde aus dem schönen Frankenland“, erläuterte Florian Forster, der als Moderator durch den Abend führte. Weil einige Mitglieder gesundheitlich etwas angeschlagen waren, sprangen an deren Stelle gern einige Bläser von Mission Böhmisch.., unter ihnen auch Daniel Käsbauer, mit ein. Obwohl auch hier der Einfluss der böhmischen Blasmusik deutlich hervortrat unterschieden sich beide Orchester durch die Auswahl ihrer Stücke. So standen neben Polka und Walzer bei Tanja Dusel zum Beispiel auch Filmmusiken auf dem Programm. Sie selbst outete sich als exzellente Trompeterin unter anderem beim Solo in „Somewhere“, aus dem Musical Westsidestory. Bei „Gabrielas Song“, tat sich Steffi Herold als Sängerin hervor.

Mit A capella ins Konzert gestartet

Schon das professionelle Bühnenequipment ließ erahnen, dass mit „da Blechhauf‘n XXL“ aus Österreich etwas Besonderes auf das Publikum zukommen wird und das sah sich darin nicht getäuscht. Den Auftakt bildete nämlich nicht eine schräge Brass-Nummer, sondern die neun Musiker eröffneten ihren Auftritt mit A capella-Gesang. Dann allerdings ging die Post richtig ab. Die drei Trompeter, drei Posaunisten, der Mann am „Helikon“ (um den Oberkörper liegend gespielte Basstuba) zeigten, verstärkt durch E-Gitarre und Schlagzeug klasse Soloparts vermischt mit einer durchaus auch humorig angehauchten Bühnenshow.

Schon allein die Tatsache, dass diese Band, die in der Zusammensetzung mit E-Gitarre und Schlagzeug seit dem legendären „Woodsstock der Blasmusik“ 2013 in Inzell unterwegs ist, den Weg ins vergleichsweise „kleine Neunburg“ gefunden hat, war schon ein kleine Sensation. Für gewöhnlich sind eher 2000 oder 3000 Zuhörer „Standard“.

Dennoch hatte die Truppe unter Leitung des Posaunisten Reinhold Bieber richtig Spaß an ihrem Gig. Deshalb war für ihn auch klar, dass die Zugabe eine Session mit allen Musikern des Konzertes sein müsste. „Spontan“ hatte Tanja Dusel dafür auch schon die Noten parat und es wurde eine überwältigendes Finale, welches das Publikum mit stehendem Applaus honorierte.

Die Lokalmatadoren

  • Daniel Käsbauer:

    Nicht nur seine musikalischen Wurzeln hat er im Neunburger Ortsteil Seebarn. Nach erfolgreicher Prüfung zum Bachelor in Wirtschaftspädagogik, studiert er mittlerweile Instrumentalpädagogik mit Hauptfach Trompete bei Prof. Malte Burba am Peter-Cornelius-Konservatorium in Mainz. Sein ganzes Leben gehört inzwischen der Musik. Einen Ausgleich findet er in der Natur, bei der Jagd oder beim Angeln. Viel Zeit verbringt er am PC an dem er an Arrangements arbeitet oder komponiert. Seine Kompositionen und Arrangements sind seither unter anderem bei Musikverlagen wie Klarus, Helma oder dem Musikservice Geiger erhältlich.

  • Mission Böhmisch...:

    Vor gut drei Jahren entstand die Idee, aus den anfänglichen losen Treffen von Freunden Böhmischer Blasmusik etwas Festes zu machen. Daniel Käsbauer und Franz Stierstorfer aus Waldsassen gründeten die Kapelle mit dem Ziel, die böhmische Blasmusik dem Publikum wieder näher zu bringen, frei von den modernen Trends, die Musik lauter, höher und schneller zu gestalten. Mit dabei sind namhafte Musiker aus der gesamten Oberpfalz. Stolz ist das Orchester auf sein „Komponisten Viergespann“: Daniel Käsbauer, Patrick Oroudji, Pascal Führnrohr sowie Tubisten Daniel Barth, deren eigene Werke auch Teil des Programms sind.

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