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Tatkraft

Nachbarn helfen, wo es Not tut

Die Bürgerhilfe Bodenwöhr ist ein soziales Netzwerk, das den Namen auch verdient. 24 Ehrenamtliche unterstützen Menschen.
Von Renate Ahrens

  • Gerhard Waterloo unterstützt oft Ilona Schwarz mit ihrem Kind. Die Alleinerziehende aus Bodenwöhr hat kein Auto und ist in manchen Situationen auf Hilfe angewiesen. Foto: tre
  • Unbesorgt in Urlaub fahren konnte kürzlich eine Katzenbesitzerin: Schnell und unbürokratisch hat ihr Günter Makolla eine Katzentreppe gebaut. So kann Katze Lilly jetzt immer ein und aus gehen. Ein weiteres Mitglied der Bürgerhilfe sorgte zuverlässig für Lillys Futter.
  • Heidi Pongratz entführte mit ihren frei erzählten Geschichten zugunsten der Bürgerhilfe in die Welt der Märchen.

BODENWÖHR. „Wenn es die Bürgerhilfe nicht gäbe, wusste ich manchmal nicht, wie ich es schaffen sollte.“ Ilona Schwarz nickt dankbar. Mit ihrer zweijährigen Tochter Anastasia wohnt sie seit einem Jahr in Bodenwöhr. Einen Führerschein oder gar ein Auto besitzt die 31-Jährige nicht. Wie alle kleinen Kinder ist Anastasia hin und wieder krank und auch ihre Mutter hatte sich vor einiger Zeit am Knie verletzt und konnte nicht auftreten. „Die Mitglieder der Bürgerhilfe haben mich zum Arzt und Anastasia zur Krabbelgruppe gefahren. Schon oft haben sie mich unterstützt“, erklärt die junge Frau. Größere Einkäufe hätten sie mit ihr zudem gemacht, oder bei der Aufstellung von Möbeln geholfen. Da die Alleinerziehende nur wenig Geld im Monat zur Verfügung hat, bringen die Helfer sie hin und wieder zur Tafel nach Schwandorf. „Ansonsten müsste ich mit Bus oder der Bahn fahren oder eben zu Fuß gehen“, sagt Ilona Schwarz.

24 Ehrenamtlich sind im Einsatz

Zum Glück für viele Bedürftige gibt es diesen Verein. 24 Ehrenamtliche waren im vergangenen Jahr 65 Mal im Einsatz, viele mehrfach. „Es sind meist ältere Menschen, aber auch junge Hilfsbedürftige“, weiß Gerhard Waterloo aus Erfahrung. Das Gründungsmitglied, das seit 14 Jahren in Bodenwöhr lebt, ist oft aktiv im Einsatz – dabei könnte der 72-Jährige doch jetzt seinen Ruhestand genießen. Warum also setzt er sich für andere Menschen ein? „Ich hoffe, dass auch mir geholfen wird, wenn ich einmal nicht mehr alles machen kann“, sagt Waterloo bescheiden. „Außerdem bin ich ein christlicher Mensch.“

„Die Hilfsbedürftigkeit ist außerordentlich groß, nicht nur in Bodenwöhr.“

Günter Makolla

Eigentlich würden viel mehr Menschen Hilfe benötigen, ist sich Günter Makolla, der Koordinator der Bürgerhilfe, sicher. Er ist außerdem der Seniorenbeauftragte der Gemeinde. „Die Dunkelziffer ist hoch.“ Immer mehr ältere Menschen würden allein leben, manchmal ohne Angehörige in der Nähe. Das merke man auch daran, so Makolla, dass professionelle Hausmeisterdienste, die es in der Gegend nur wenig gebe, komplett ausgebucht sind. „Das sind Jobs der Zukunft“, ist er sich sicher. „Jeder will länger zu Hause leben, auch aus finanziellen Gründen. Deshalb brauchen wir Menschen, die sie dabei unterstützen.“ Makollas Aktionen sind manchmal unkonventionell. „Einmal bat ein Ehepaar um Hilfe. Er war 90 Jahre alt und sie 80 Jahre. Da beide längerfristig betreut werden mussten und ich von einer Frau wusste, die einen 450 Euro-Job suchte, habe ich sie einfach zusammengebracht. Darüber waren alle froh und es klappt bis heute wunderbar“, berichtet der ehemalige Maschinenbauingenieur, der seit einigen Jahren in Rente ist.

Seit Gründung der Bürgerhilfe trifft man ihn nie ohne sein Handy und sein schwarzes Notizbuch an, in das er die Einsätze und Anfragen sorgfältig notiert. „Es ist wichtig, dass einer die Fäden in der Hand hat.“ Und das hat der 70-Jährige. Der Anfang sei nicht einfach gewesen, die Hemmschwelle, um Hilfe zu bitten, sei oft noch groß. „Alle Nachbarschaftshilfen haben das Problem, an die Bedürftigen heranzukommen. Natürlich besteht Schweigepflicht über die geleisteten Einsätze.“

Gegründet wurde der Verein 2013, Vorsitzender ist seitdem Albert Krieger, zweiter Vorsitzender Pfarrer Johann Trescher. „Später haben wir dann auch Asylsuchenden geholfen. Dadurch ist unser Bekanntheitsgrad gestiegen“, berichtet Makolla weiter. Gefördert wird die Bürgerhilfe vom Sozialministerium; die Helfer sind außerdem bei ihren Einsätzen versichert. „Man braucht ein gutes, funktionierendes Netzwerk, das ist das Wichtigste. Früher nannte man das ja Beziehungen“, sagt Makolla schmunzelnd. Weitere Helfer werden dringend gesucht.

Ihre Tätigkeiten sind vielseitig. Manchmal handelt sich es um Unterstützung beim Ausfüllen von Formularen oder um technische Hilfe am Computer, um eine Begleitung zu den Ämtern oder die Anmeldung bei der Tafel, und natürlich um Fahrdienste. „Wir fahren nicht nur, wir begleiten die Menschen“, betont Makolla. Auch Sprachpaten seien gefragt. Um Geld zu sammeln, verkaufte die Bürgerhilfe im vergangenen Jahr mit 17 Mitgliedern beim Bürgerfest Paella, was zudem auch viel Spaß machte. „Natürlich sind wir auf Spenden angewiesen.“

„Auf der Suche nach dem Glück“

Ein Highlight, um an finanzielle Mittel für Bedürftige zu kommen, fand kürzlich im Pfarrheim statt. Heidi Pongratz nahm die rund 60 Besucher bei einer Benefizveranstaltung mit frei erzählten Märchen auf eine Reise, nämlich auf die Suche nach dem Glück, umrahmt von der Gruppe „Vielsaitig“. Die ausgebildete Märchenpädagogin ließ für zwei Stunden den Alltag vergessen. Man tauchte ein in eine andere Welt. Das Klischee, Märchen seien nur etwas für Kinder, hat die 53-jährige Bodenwöhrerin, selbst Mitglied der Bürgerhilfe, längst widerlegt. „Märchen können auch Erwachsene auf den richtigen Weg bringen.“ Die dabei erhaltenen Spenden werden sinnvoll eingesetzt, um weiterhin Menschen unterstützen zu können.

Die Bürgerhilfe

  • Der Verein versteht

    sich als schneller, unbürokratischer Helfer in Not. Die Helfer können keine professionellen Leistungen wie Pflege oder längerfristigen Haushaltshilfen erbringen. In solchen Fällen wird aber auch geholfen, denn gerne ist die Bürgerhilfe Bindeglied zu entsprechenden Organisationen. Zurzeit besteht der gemeinnützige Verein aus 60 Mitgliedern.

  • Mitglieder werden

    gerne aufgenommen, ebenso benötigt der gemeinnützige Verein weitere Helfer, die der Schweigepflicht unterliegen. Natürlich sind auch Spenden willkommen. Hilfsbedürftige können sich an den Koordinator Günter Makolla wenden. Infos bekommt man auf www.buergerhilfe-bodenwoehr.de und bei Günter Makolla unter Telefon (01 75) 4 95 55 65.

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