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Damit Fremde zu Freunden werden

Freiwillige Helfer im Kreis Schwandorf sind unermüdlich für 1500 Flüchtlinge im Einsatz – und stoßen dabei auch an Grenzen.
Von Cornelia Lorenz

  • Im Café International des Asylhelferkreises im Neunburger Pfarrheim treffen sich zweimal im Monat Neunburger und Flüchtlinge, Essen Kuchen, spielen Gesellschaftsspiele und lernen Deutsch.Foto: gkt
  • Im Café International des Asylhelferkreises im Neunburger Pfarrheim treffen sich zweimal im Monat Neunburger und Flüchtlinge, Essen Kuchen, spielen Gesellschaftsspiele und lernen Deutsch.Foto: gkt

Schwandorf.Sie sind die Wegweiser, die den rund 1500 Flüchtlingen im Landkreis den Einstieg in ihr neues Leben erleichtern: Ehrenamtliche Helfer in der Region sind seit vielen Monaten für die Neuankömmlinge im Einsatz und schauen dabei nicht auf die Uhr oder ihren eigenen Geldbeutel. Trotz mancher Strapazen und bürokratischer Hürden sind die meisten immer noch mit viel Freude bei der Arbeit – und lassen sich auch nicht beirren, wenn sie manchmal dafür belächelt werden oder kritische Kommentare zu hören bekommen.

Ein Paradebeispiel für gelungenes Engagement vor Ort ist die Gruppe „Fremde werden Freunde“ in Dachelhofen. Ein harter Kern von rund zehn Helfern hat es sich zur Aufgabe gemacht, die 55 Bewohner des Übergangswohnheims bei ihren Neustart zu unterstützen. Initiatorin Susanne Welslau und ihre Mitstreiter sind jeden Tag mehrere Stunden vor Ort. Sie schauen im Gebäude nach dem Rechten, betreuen nachmittags die Schulkinder bei den Hausaufgaben, haben eine gut frequentierte Kleiderkammer eingerichtet, helfen bei Behördengängen oder begleiten die Flüchtlinge zum Arzt.

Zusammen Spaß haben

Die Bilanz nach rund drei Monaten fällt durchweg positiv aus. „Im Großen und Ganzen läuft alles gut“, sagt Welslau und freut sich, dass in Dachelhofen auch der Spaß nicht zu kurz kommt. Kürzlich haben die Helfer zusammen mit rund 30 Flüchtlingen den Wildpark Höllohe besucht. Die Stimmung war so ausgelassen, dass man gemeinsam zu kurdischer Musik getanzt habe, sagt Welslau. Auch beim gemeinsamen Kochen geht es lustig zu: Die Helfer haben den Flüchtlingen zum Beispiel gezeigt, wie man Kaiserschmarrn zubereitet. Dafür werden die Flüchtlinge am 7. November nach der Abendmesse bei einem Kennenlernabend die Besucher mit Fingerfood nach arabischen Rezepten bewirten.

Auch in Neunburg kommen sich Einheimische und Flüchtlinge ganz unkompliziert näher: Zweimal im Monat lädt der Helferkreis mittwochs ab 15 Uhr zum „Café International“ ins Pfarrheim St. Josef ein. Den Anfang machten im Juni acht Ehrenamtliche, mittlerweile gehören dem Helferkreis 31 Mitglieder an. „Das Café ist unsere große Stärke, weil sowohl Asylbewerber als auch Neunburger dazu kommen und sich kennenlernen können“, sagt Klara Wagner vom Helferkreis. 30 bis 50 Besucher finden sich regelmäßig im Pfarrheim ein, um miteinander Kuchen zu essen, Gesellschaftsspiele zu spielen und Deutsch zu lernen.

Doch die Helfer stehen nicht nur im Café International zur Verfügung. Sie springen immer dann ein, wenn Not am Mann ist – zum Beispiel wenn eine kranke Frau aus dem Irak, die nur mit Krücken laufen kann, zum Einkaufen gefahren werden muss, weil sie das alleine nicht bewerkstelligen kann. Und auch der Nähservice in der Gemeinschaftsunterkunft hat sich längst zu einer geselligen Runde entwickelt: Immer montags kommt eine Ehrenamtliche zu Besuch, die den Asylbewerbern zum Beispiel dabei hilft, zu lange Hosen zu kürzen. Genug zu tun gibt es für die Helfer immer. Ab und an, so räumt Klara Wagner ein, werde es für die Ehrenamtlichen ein bisschen viel.

Diese Erfahrung hat auch Manfred Pfauntsch vom Helferkreis in Bruck gemacht. Man komme manchmal an die Grenzen der Belastbarkeit, sagt er. Gerade dann, wenn man sich auch noch dafür rechtfertigen müsse, warum man sich überhaupt für die Flüchtlinge engagiere.

Die Ehrenamtlichen machen weiter

Die anfänglich so positive Stimmung gegenüber den Flüchtlingen sei zurzeit am Kippen, befürchtet Pfauntsch. Dennoch: Die rund 20 aktiven Mitglieder des Brucker Helferkreises machen weiter und organisieren für die rund 80 Flüchtlinge in der Marktgemeinde Sprachkurse, begrüßen Neuankömmlinge, führen sie durch den Ort, übernehmen Fahrdienste und zeigen den Flüchtlingen die Angebote der Sportvereine. „Wir versuchen, sie unter Leute zu bringen“, sagt Pfauntsch. Oft sind es bürokratische Hürden, die den Einsatz der Helfer erschweren. „Das ist belastend, weil man gegen Windmühlen kämpft. Aber es ist eine dankbare Arbeit, weil von den Flüchtlingen viel zurückkommt.“

Neue Sprachpaten gesucht

  • Positiver Trend:

    89 Sprachpaten sind derzeit durch die Vermittlung der Freiwilligenagentur im Landkreis Schwandorf im Einsatz. Jeder ehrenamtliche Pate betreut in der Regel eine Flüchtlingsfamilie oder sogar eine ganze Lerngruppe und hilft ihnen dabei, sich im Alltag besser zurecht zu finden.

  • Voraussetzungen:

    Wer als Sprachpate tätig werden möchte, braucht keine besonderen Vorkenntnisse, sollte aber Deutsch als Muttersprache sprechen, Interesse an anderen Kulturen und Freude an der Sprache haben und einmal in der Woche Zeit für das Treffen mit den Sprachschülern haben.

  • Neue Sprachpaten:

    Wer Lust hat, Flüchtlingen beim Erlernen der deutschen Sprache zu unterstützen, kann sich an die Freiwilligenagentur des Landkreises wenden. Besonders für den Raum Oberviechtach werden noch Sprachpaten gesucht. Ansprechpartnerin ist Doris Dürr.

  • Kontakt:

    Sie ist von Dienstag bis Donnerstag je von 9 bis 14 Uhr unter der Telefonnummer (0 94 71) 30 78 40 oder per E-Mail an info@freiwillig-sad.de zu erreichen. Derzeit ist die Agentur dabei, 30 neue Sprachpaten zu vermitteln und bittet um Geduld, weil dieser Prozess eine Zeit lang dauern kann.

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