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Politik

Der Ruhepol verlässt den Rat

Georg Plecher (CSU) legt sein Mandat in Burglengenfeld nieder. Er erlebte drei Bürgermeister. Nachfolger ist Markus Huesmann.
Von Thomas Rieke

Stadtrat Georg Plecher vor dem Burglengenfelder Rathaus. Keiner hat so viele Sitzungen durchgehalten wie der bald 75-jährige Oberstabsfeldwebel a.D.. Foto: Rieke
Stadtrat Georg Plecher vor dem Burglengenfelder Rathaus. Keiner hat so viele Sitzungen durchgehalten wie der bald 75-jährige Oberstabsfeldwebel a.D.. Foto: Rieke

Burglengenfeld.Georg Plecher ist kein Mann, der sich in den Vordergrund drängt und große Reden schwingt. Gleichwohl trägt er gern Verantwortung, gestaltet und entscheidet mit, weil ihm seine Heimat am Herzen liegt. Als junger Mann schon begann Plecher, sich für Politik zu interessieren, wurde Mitglied der Jungen Union. 1962 kam er als Berufssoldat von Neunburg vorm Wald nach Burglengenfeld und war von seinem neuen Wohnort sofort begeistert. „Zwei Kinos, überall Wirtschaften und lauter nette, aufgeschlossene Leute“, da fiel es ihm nicht schwer, Wurzeln zu schlagen und eine Familie zu gründen.

Bereits 1978 heuerte ihn der damalige CSU-Vorsitzende Sepp Fischer an, für den Stadtrat zu kandidieren, und Plecher schaffte es auf Anhieb. Nun, fast vier Jahrzehnte später und kurz vor seinem 75. Geburtstag, zieht er aber einen Schlussstrich, denn: „Irgendwann ist es auch genug!“ Es ist ein Rückzug mit Ansage. Schon vor den letzten Wahlen, 2014, hatte er in der Fraktion angekündigt, nicht bis zum Ende der Periode durchhalten zu wollen.

Wohltuende Weitsicht

Über diese Weitsicht ist Plecher heute besonders froh. „Wenn ich weitermachen würde, würde ich in den nächsten Wahlkampf hineingezogen. Und ich fürchte, der wird nicht angenehm.“ Vor wenigen Wochen reichte er das Gesuch ein, sein Mandat vorzeitig abgeben zu dürfen. Die Zustimmung des Stadtrats am Mittwoch ist Formsache.

„Als Stadtrat muss man stets Farbe bekennen.“

Georg Plecher, CSU-Stadtrat

Die CSU-Fraktion erlebt damit seit 2014 bereits den zweiten Wechsel. 2015, also nach nur einjähriger Amtszeit, schied Cornelia Schindler aus; sie wechselte den Wohnsitz und wurde durch Christine Hofmann ersetzt. Für Plecher wird jetzt Markus Huesmann nachrücken. Der 43-jährige Jurist und zweifache Familienvater hatte zwischen 2015 und 2017 den Ortsverein angeführt und den Vorsitz für viele überraschend dann wieder abgegeben. Nun wird man ihn häufiger auf der kommunalpolitischen Bühne erleben. „Ich bin schon lange ein Schwarzer“, sagt Huesmann über sich. Und: „Ich stehe dazu!“

„Es war immer interessant“

Plecher gehörte dem Rechnungsprüfungs- sowie dem Kultur-, Bildungs-und Sozialausschuss an und hat drei Bürgermeister unter unterschiedlichen Vorzeichen erlebt. Bis 1990 war er unter Stefan Bawidamann (CSU) Mitglied der Mehrheitsfraktion, dann, unter Heinz Karg (SPD), in der Opposition. Seit 2014 gibt es die Konstellation, dass keine Gruppierung alleine etwas durchsetzen könnte.

Weitere Nachrücker

  • Michael Dusch:

    Er rückte 2015 für Oliver Ehrenreich (Die Grünen) nach.

  • Hans Glatzl:

    Er nahm 2015 den Platz von Ulrike Feldmeier (BFB) ein.

  • Christine Hofmann:

    Sie ersetzte 2015 Cornelia Schindler (CSU).

Eine persönliche Bilanz über sein Wirken hält Plecher für überflüssig. Er stellt aber fest: „Es war immer interessant, an der Entwicklung dieser Stadt teilhaben zu dürfen!“ Dabei wurde ihm die ehrenamtliche Arbeit jahrelang erschwert. 1983 wurde er im Zuge von Umstrukturierungen der Bundeswehr zum Großen Arber versetzt. Plecher entschied sich fürs Pendeln, und wenn eine Ratssitzung war, machte er sich in der Kaserne eher auf den Weg, übernachtete in Burglengenfeld und fuhr frühmorgens wieder Richtung Bayerwald. Auch in den 1990er Jahren sollte noch einmal eine solche Periode folgen, als Plecher in Lauda bei Bad Mergentheim stationiert war.

Das bisweilen raue Klima im Stadtrat ist es nicht, das Plecher vorzeitig den Hut nehmen lässt, betont er im MZ-Gespräch mehrfach. Welchen Ton der einzelne wähle, müsse jeder mit sich selbst ausmachen. Er persönlich bevorzuge die Sachlichkeit. Außerdem sollte der Beobachter nicht vergessen, dass trotz der vielen heißen Debatten die weitaus meisten Beschlüsse mit großen Mehrheiten gefasst würden.

„Georg Plecher ist ein leuchtendes Beispiel für das Ehrenamt.“

Thomas Gesche, Bürgermeister

Die MZ hat mehrere Persönlichkeiten um eine Meinung gebeten, welches Zeugnis sie Plecher als „Rekordhalter im Stadtrat“ ausstellen würden. Es gab keine einzige negative Anmerkung. „Im gebührt unser aller Dank. Denn er ist ein leuchtendes Beispiel für das Ehrenamt“, sagt Bürgermeister Thomas Gesche. Plecher habe hunderte Sitzungen miterlebt und geholfen, Burglengenfeld zu einer modernen Stadt zu entwickeln. Dabei habe er viele tausend Stunden Freizeit geopfert.

Dass der Rathauschef, der derselben Partei wie Plecher angehört, so spricht, verwundert wenig. Wir haben aber auch ähnliche positive Bewertungen von völlig unabhängigen Bürgern gehört. „Der Mann strahlte stets große Besonnenheit aus. Im Rat meldete er sich zwar selten zu Wort, aber er war mit Herzblut bei der Sache, und es ist davon auszugehen, dass er in der Fraktion schon Klartext sprach“, sagte uns ein aufmerksamer Beobachter der politischen Szene. Dass Georg Plecher nun den Rat verlässt, sei schade, „denn seine Riesenerfahrung ist von unschätzbarem Wert, und er war immer ein wohltuender, ruhender Pol.“

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