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Die „Wortschatzkiste“ ist gefragt

Mit „Spielcafé international“ hat der evangelische Pfarrer Tröbs in Burglengenfeld eine Nische belegt, die Menschen hilft.
Von Josef schaller

Roswitha Klaus aus Burglengenfeld ist eine der vielen ehrenamtlichen Helfer – sie kommt regelmäßig ins „Spielcafé international“ der evangelischen Gemeinde: Hier beim Spiel mit den Flüchtlingen.
Roswitha Klaus aus Burglengenfeld ist eine der vielen ehrenamtlichen Helfer – sie kommt regelmäßig ins „Spielcafé international“ der evangelischen Gemeinde: Hier beim Spiel mit den Flüchtlingen. Fotos: Schaller

Burglengenfeld.Memory spielen die Flüchtlinge besonders gerne. Es ist dabei nicht so wichtig, die richtige Karte zu ziehen – es geht darum, sich deutsche Begriffe zu merken und sie richtig auszusprechen. Auch „Einfach alles – die Wortschatzkiste“ zählt zu den Favoriten im „Spielcafé international“. Alle 14 Tage (am morgigen Freitag, 8. Juli erneut) lädt der evangelische Pfarrer Gottfried Tröbs immer an einem Freitagnachmittag dazu ein.

„Einfach alles – die Wortschatzkiste“ ist ein beliebtes Spiel bei den Flüchtlingen. Auf der Vorderseite ist ein Bild und auf der Rückseite der Begriff in unterschiedlichen Sprachen, auch in arabisch und deutsch.
„Einfach alles – die Wortschatzkiste“ ist ein beliebtes Spiel bei den Flüchtlingen. Auf der Vorderseite ist ein Bild und auf der Rückseite der Begriff in unterschiedlichen Sprachen, auch in arabisch und deutsch.

Die „Wortschatzkiste“ hat Ingrid Nörl extra für die Spielenachmittage gespendet. Die Kinderenzyklopädie in Kartenform ist ideal, um spielerisch Grundbegriffe der deutschen Sprache zu lernen. Drei Flüchtlinge schauen sich im Saal des Gemeindezentrums am Bonhoefferplatz gerade einige der Bilder an – und versuchen, die Begriffe dafür zu erraten. Ob sie richtig liegen, finden sie gleich heraus: Die Lösungen stehen in sieben Sprachen auf der Rückseite der Spielkarten, darunter auch in Arabisch.

„Ich hab Zeit und will helfen“

Roswitha Klaus ist eine der ehrenamtlichen Helferinnen und sitzt bei ihnen am Tisch. Man kennt sich, die Burglengenfelderin kommt regelmäßig ins Spielcafé. „Ich habe Zeit und will den Flüchtlingen helfen“, sagt sie. Immer wieder komme es vor, dass sie ihre Mitspieler bei der Aussprache der deutschen Wörter verbessern muss. „Sie bemühen sich sehr. Ich würde das nicht mehr schaffen, eine fremde Sprache zu erlernen“, ist ihr beiläufiger Kommentar.

Engagement seit vielen Jahren

  • Beweggründe:

    Schon als Jugendlicher engagierte sich Gottfried Tröbs und suchte den Kontakt zu Flüchtlingen. Damals hatte er in Weiden mehreren Menschen geholfen, die vor dem Iran-Irak-Krieg geflohen waren, erinnerte sich der evangelische Geistliche im Gespräch mit der MZ. „Berührungsängste gegenüber Flüchtlingen habe ich nicht“, sagt er. Dieses lobenswerte Engagement hat sich der engagierte Pfarrer aus Burglengenfeld erhalten.

  • Kirchenasyl:

    Im Jahr 2014 hatte Tröbs bereits einmal einem tschetschenischen Paar Kirchenasyl gewährt. Da sich das Paar zuvor in Österreich aufgehalten hatte, war ihr in Deutschland gestellter Asylantrag abgelehnt worden. Die Asylgründe wollte Tröbs dabei bewusst nicht beurteilen. „Entscheidend für mich war, dass diese Frau hochschwanger war“, betont er. Zudem sei es aufgrund Krankheit eine Risikoschwangerschaft gewesen. (bjs)

Auch der Syrer Bilal al Homsi – für Gottfried Tröbs ein guter Bekannter – kommt regelmäßig ins evangelische Gemeindehaus. im vergangenen Jahr bekam er hier Kirchenasyl, als ihm die Abschiebung drohte. Inzwischen ist er in Deutschland als Asylberechtigter anerkannt und hat sich bestens integriert. Derzeit bereitet sich der junge Mann auf sein Medizinstudium an der Universität in Regensburg vor. Durch die bereits sehr guten Sprachkenntnisse bietet er sich im Spielcafé als Dolmetscher an und hilft mit bei der Organisation – es ist seine Art, Danke zu sagen, für die Hilfe, die er durch das Kirchenasyl erhalten hatte.

Dr. Friedrich Sauter, der in Koppenlohe ehrenamtlich als Sprachpate hilft, ist ebenfalls ein fleißiger Gast im Spielcafé. Er engagiert sich gerne für Flüchtlinge. „Ich war auch ein Kriegskind und hatte als Siebenjähriger die völlige Zerstörung Würzburgs miterlebt. Damals wäre ich auch gerne geflohen“, sagt er. „Ich weiß, wie es ist, Lebensangst zu haben. Deswegen habe ich ein Herz für Flüchtlinge.“

Erstmals hatte das Spielcafé am 29. April geöffnet: „Damals war der Saal rappelvoll“, erinnert sich Tröbs an die etwa 80 Besucher. Beim zweiten Treffen seien es noch rund 50 gewesen. Inzwischen habe sich die Besucherzahl bei 20 eingependelt. Den entscheidenden Impuls für die Idee erhielt der Geistliche beim „Sonntags-Offen-Gottesdienst“ im Dezember – als das Thema „Ehrenamt“ behandelt wurde. Der Sprachpate Rudolf Meier wies damals auf die Wichtigkeit der Integration hin und forderte Unterstützung.

Berührungsängste damit abbauen

„Dieser Appell hat mich inspiriert, darüber nachzudenken, wie man mit wenig Aufwand und Vorkenntnissen Flüchtlinge und Einheimische zusammenbringen, Berührungsängste abbauen und dabei auch noch den fremden Mitbürgern helfen kann, die deutsche Sprache zu erlernen“, erklärt Pfarrer Tröbs. Die beste Möglichkeit, die Menschen an einen Tisch zu bringen, sei ein Spiel, dachte er sich. Dies war letztlich der gedankliche Anstoß zum „Spielcafé international“.

Bei Sprachkursen im Bürgertreff suchte er mit Flüchtlingen das Gespräch und stellte die Idee vor. Einige seien sofort begeistert gewesen und hätten es geschafft, auch ihre Freunde zum Mitmachen zu überreden. Inzwischen ist sogar eine Facebook-Gruppe dafür gegründet worden, sagt Gottfried Tröbs nicht ohne Stolz.

Der 20 Monate alte Iksander aus Aserbaidschan ist der jüngste Gast im Spielcafé. Er spricht die Begriffe beim Memory auch schon nach. „Au-Do“, „Au-Do“ sagt er vor sich hin. Das Bild des Feuerwehrautos fasziniert ihn offenbar. Sein Vater legt Wert darauf, dass er mitkommt – in jungen Jahren lernt man schließlich leichter …

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