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Mittwoch, 23. Mai 2018 25° 8

Ereignis

Heiraten wie einst Sisi und Franz

Am Samstag geben sich Takahiko und Ayumi in Burglengenfeld das „Ja“-Wort. Die Hochzeit der Japaner hat Familie Moser geplant.
Von André Baumgarten

Das Brautpaar Takahiko (28) und Ayumi (29) aus Kyoto will am Samstag in Burglengenfeld heiraten. Foto: privat

Burglengenfeld. Vor 161 Jahren war es die Traumhochzeit des 19. Jahrhunderts. Eine ganze Woche lang wurden sie damals in Wien gefeiert: Elisabeth, die Kaiserin von Österreich – besser bekannt als Sisi – und Kaiser Franz Joseph I. Statt in der Wiener Augustinerkirche gibt Takahiko seiner Ayumi am Samstag im historischen Rathaussaal in Burglengenfeld das Ja-Wort. Gekleidet wie das Traumpaar!

Als der 28-jährige aus Kyoto Barbara und Günter Moser von den Heiratsplänen erzählt, fühlt sich die Burglengenfelderin geehrt. „Weil ich gemerkt habe, es bedeutet ihm etwas, hier bei uns zu heiraten.“ Dieser Anruf ist gut neun Monate her – seitdem ist viel passiert. Die 47-Jährige wurde „Wedding-Planerin“ und hat die Hochzeit der Japaner organisiert. Heute sagt sie lachend: „Ja, das ist ein Full-Time-Job, was ich da leichtfertig zugesagt habe.“

Seit 2003 siebenmal zu Besuch

Missen will sie diese Erfahrung aber nicht. „Wir hatten viel zu lachen“, erzählt sie rückblickend. Kennengelernt hatte die Burglengenfelder Familie Takahiko vor zwölf Jahren. 2003 war der Japaner zum ersten Mal beim Austausch zwischen der Musikkapelle St. Vitus und dem Hanazono-High-Shool-Orchestra in Deutschland. Daraus wurde eine Freundschaft – sechs weitere Besuche in Burglengenfeld folgen, zweimal waren auch die Moser mit der Musikkapelle in Japan.

„Wedding-Planerin“ Barbara Moser zeigt auf der Einladung für die Freunde des Japaners auf den Ort, wo am Samstag „Ja“ gesagt wird – das Rathaus in Burglengenfeld. Foto: Baumgarten

Dass weder sie Japanisch, noch er besonders gut Englisch oder Deutsch sprechen, ist kein Hindernis. Barbara Moser klopft sich mit der Hand auf die Herzseite ihrer Brust: „Das ist wichtig, darauf kommt es an.“ Der 28-jährige Japaner ist ein „Vollblut-Romantiker“, erzählt sie, zudem „ großer Sisi-Fan mit einem Faible für Weihnachtsmärkte“. Auch ohne die Sprache als Verbindung ist Takahiko der fünfköpfigen Familie längst ans Herz gewachsen. Günter teilt mit ihm seine Eisenbahn-Leidenschaft – der Japaner ist Lokführer – und für die Posaune. „Er ist treu und lustig; einer, den man einfach liebhaben muss“, beschreibt die Ehefrau den 28-Jährigen.

Magdalena (16), Katharina (13) und Veronika (10), die drei Töchter der Mosers, finden die Hochzeit „richtig cool“. Foto: Baumgarten

Auch die Töchter der Familie kennen es nicht anders. Magdalena (16) war beim ersten Treffen vier Jahre alt, ihre Schwester Katharina (12) noch ein Baby. Wenn Takahiko zu Besuch kommt, schläft er im „Veroni-Hof“ – dem Zimmer der Jüngsten der Familie Moser, Veronika (10). Sie finden die Hochzeit alle „richtig cool“. So wie seine ausgefallenen Geschenke: wie den ferngesteuerten Papierkorb, die Zahnpasta-Kollektion für jeden Tag im Monat (mit Lakritz-, Kaffee- oder Cola-Geschmack) oder den Hamster, der alles Vorgesprochene wiederholt.

Viel Bürokratie wurde bewältigt

Dass zwei Japaner in Deutschland heiraten, bedeutet auch viel Bürokratie. Gut zwei Monate vergehen, bis alle Unterlagen zusammen sind, übersetzt und wieder nach Japan geschickt werden. Seitdem weiß die „Wedding-Planerin“, was eine Apostille ist und dass es in Japan keine Geburtsurkunden gibt. Als Takahiko und Ayumi im Dezember im Standesamt das Aufgebot bestellen, fühlt sie sich wie bei Gerhard Polt. „Da haben wir viel lachen müssen“, sagt sie. „Ja, das war richtig spannend“, ergänzt Günter Moser.

Die Mosers bei einem ihrer Besuche in Japan, links im Bild der Bräutigam Takahiko Foto: privat

Für die Hochzeit hat sich der Japaner eigens eine Kaiser-Franz-Uniform schneidern lassen, die künftige Frau ein tolles weißes Kleid im Sisi-Stil. Selbst die Frisur wird dem Vorbild angepasst; ebenso die Rosen. Und dabei muss die Braut Abstriche hinnehmen: Statt rosa Rosen gibt es weiße – so wie bei der Hochzeit im Jahr 1854. Nur der Heiratsantrag war modern: Takahiko präsentiert der ein Jahr älteren Braut beim Tauchen den Ring. Das Unterwasser-Video durften die Moser bei seinem letzten Besuch sehen.

Bei der Hochzeit am Samstag zeigt sich dann, „ob es das war, was er wollte“, lacht die 47-jährige „Wedding-Planerin“. Mit einer Kutsche geht es vom Marktplatz quer durch die Stadt zum Rathaus, wo Bürgermeister Thomas Gesche die Trauung übernimmt – natürlich mit Dolmetscher. Danach Mittagessen im Gasthof „3 Kronen“ und eine Stadtführung, bevor die Party im Probenraum des Vereinsheims der Musikkapelle St. Vitus steigt. Neben den Eltern des Brautpaares werden 14 Leute eigens dafür eingeflogen.

Die Liebe zu Bayern zeigen die beiden Japaner auch in ihrer Heimat – am 8. August wird in Kyoto in Tracht geheiratet. Foto: privat

Mit etwas Glück ist bis zum Samstag auch das Paket mit den Hochzeitsutensilien da. Das kann Günter Moser erst am Freitag holen – der Zoll hatte es nicht freigegeben, weil keine Rechnungen dabei waren. Die bringen die Japaner aber hoffentlich noch mit. Als Dankeschön für die vielen Mühen ist die ganze Familie zudem im Sommer nach Kyoto eingeladen – dort feiert das Paar am 8. August nochmal Hochzeit. Dann auf japanisch –mit der typischen einstündigen Zeremonie und einer Feier von 16 bis 18 Uhr. Denn so feiert man in Japan – strukturiert und mit einem Zeitplan. In Bayern nicht: „Wir machen entweder das gscheit, oder gar nicht“, sagt Barbara Moser.

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