mz_logo

Gemeinden
Mittwoch, 23. Mai 2018 25° 8

Hochzeit

Takahiko und Ayumi sagten „Ja“

Verkleidet als Kaiser Franz und Sisi haben zwei Japaner in Burglengenfeld geheiratet – mit Kutsche und jubelnden Untertanen.
Von André Baumgarten

  • Takahiko und Ayumi lebten ihren speziellen Traum: Gekleidet wie Kaiser Franz Joseph I. und Herzogin Elisabeth – besser bekannt als Sisi – gaben sie sich am Samstag das Ja-Wort. Foto: Baumgarten
  • Standesgemäß mit einer offenen Kutsche fuhren Takahiko und Ayumi vom Oberen Marktplatz durch die Stadt zum Rathaus. Foto: Baumgarten
  • Vor dem Rathaus hatten sich mehr als 100 Schaulustige versammelt, um die Hochzeit des Jahres in Burglengenfeld mitzuerleben. Foto: Baumgarten
  • „Leben sie so, dass dieser Schatz erhalten bleibt – durch Liebe, Zuneigung, Ehrlichkeit und Vertrauen“, gab Bürgermeister Thomas Gesche dem Brautpaar mit auf den Weg. Foto: Baumgarten
  • Deutscher Brauch für zwei Japaner: Den ersten Weg in die Ehe mussten sich die Frischvermählten durch ein Leinentuch freischneiden. Foto: Baumgarten
  • Auf dem Rathausvorplatz übernahm das Brautpaar den Taktstock und dirigierte die Burglengenfelder Musikkapelle St. Vitus. Foto: Baumgarten
  • Bayerisch-gemütlich wurde gefeiert: Im Gasthof „3 Kronen“ in Burglengenfeld musste das Brautpaar die üblichen Prüfungen absolvieren; rechts hinten „Wedding-Planerin“ Barbara Moser. Foto: Baumgarten

Burglengenfeld.Das dürfte ganz ohne jeden Zweifel die Hochzeit des Jahres gewesen sein: Um 11.50 Uhr traten Takahiko und Ayumi Tsukuma als Kaiser Franz Joseph I. und seine frisch angetraute Kaiserin Elisabeth durch das Tor des historischen Rathauses in Burglengenfeld. Begleitet vom Applaus, Jubel- und Sisi-Rufen ihrer Untertanen – denn weit mehr als 100 Schaulustige ließen sich dieses einzigartige Spektakel nicht entgehen.

Er standesgemäß mit beiger Uniform, samt rot-weißer Schärpe für die österreichischen Nationalfarben, Kordel und reich behängt mit Orden; sie in einem traumhaften Kleid mit Spitze und Pajetten, silber-glänzendem Collier und feiner Schleier-Krone. Begleitet vom Klicken zahlloser Kameras, Handys und Fotoapparate – typisch japanisch will man sagen, wenn nicht die Mehrzahl der Hobby-Paparazzo Passanten gewesen wären.

Stilecht wurde der Tag zelebriert

Takahiko und Ayumi lebten ihren ganz speziellen Traum – die beiden 28 und 29 Jahre alten Japaner gaben sich am Samstag in Burglengenfeld das Ja-Wort. Gekleidet wie bei der Traumhochzeit des 19. Jahrhunderts am 24. April 1854 in Wien, als Herzogin Elisabeth – besser bekannt als Sisi – dem österreichischen Regenten heiratete. Und mindestens genauso stilecht wurde der große Tag auch in Burglengenfeld zelebriert. In einer blumengeschmückten offenen Kutsche fuhr das Brautpaar dann vor.

„Sie gewinnen beide eine wertvollen Schatz“, sagte Bürgermeister Thomas Gesche bei der einzigartigen Eheschließung. Die geschichtsträchtigen Mauern des Rathauses aus dem 16. Jahrhundert seien ein würdiger Rahmen. Eine gute Ehe müsse man sich selbst erarbeiten: „Leben sie so, dass dieser Schatz erhalten bleibt – durch Liebe, Zuneigung, Ehrlichkeit und Vertrauen“, gab das Stadtoberhaupt dem Brautpaar mit auf den Weg.

Neun Monate lang alles vorbereitet

Während sich das Brautpaar nach ihrem Ja-Wort die Ringe ansteckt, atmet Barbara Moser tief durch. Neun Monate lang organisierte die 47-Jährige an diesem großen Tag. Wenngleich mehr als 9100 Kilometer zwischen Japan und Burglengenfeld liegen – die Distanz kann mit ganz viel Herz überbrückt werden. Das ist jetzt bewiesen. Takahiko hat mit den Mosers „seine deutsche Familie“ gefunden, wie es Bürgermeister Gesche betonte.

Dass dennoch Kulturen aufeinander prallen, zeigte sich spätestens im formellen Teil, den eine amtlich vereidigte Dolmetscherin zudem auf Japanisch übersetzte. Schließlich muss alles seine Richtigkeit haben – deutsche Gründlichkeit sozusagen. Allein die Verlesung der Personalien samt hoch komplizierter Adresse der beiden Japaner dauerte gut drei Minuten. Was Lacher im Publikum geradezu provozierte.

Ihre Ehe besiegelten Takahiko und Ayumi Tsukuma am Samstag im Burglengenfelder Rathaussaal mit einem zaghaften Küsschen. Foto: Baumgarten

Ihre Ehe besiegeltenTakahiko und Ayumi mit einem recht zaghaften Küsschen, das aber auch Wunsch des eigens engagierten Profi-Videoteams wiederholt werden durfte. Wie tief die Freundschaft zur Familie Moser und Burglengenfeld ist, zeigten nicht nur die Musikstücke, die Vater Günter mit dem Posaunen-Quartett und Tochter Magdalena (16) auf der Querflöte samt Klavierbegleitung spielten. Viel mehr noch waren es die Tränen von Braut und Bräutigam, die flossen, als ihre „Wedding-Planerin“ Barbara als letzte einer langen Schar vorm Rathaus gratulierte.

Und natürlich die Musikkapelle St. Vitus, die auf dem Rathausplatz für die beiden Japaner Spalier standen und Ständchen spielten. Schließlich war Musik die Grundlage dieses Spektakels – das in einer Begegnung des „Hanazono-High-Shool-Orchestra“ mit den Burglengenfelder Musikern in Harrogate (England) vor fast 40 Jahren seinen Ursprung hat. Daraus entstand eine Verbindung, die mit regelmäßigen Besuchen bis heute Bestand hat – und nun mit dieser Hochzeit des Jahres in Burglengenfeld sprichwörtlich endlich seine Krönung fand.

Die Brautschuhe lagen beim Zoll

Bis zuletzt musste Barbara Moser bangen: Denn der Zoll hatte das vorab gesandte Paket mit Hochzeitsutensilien, unter anderem mit den Brautschuhen und den eigens von dem Paar gebastelten Wappen, nicht freigegeben. Am Freitag erst konnte ihr Mann Günter das wichtige Puzzleteil nach Vorlage aller Rechnungen in Regensburg abholen. „Das ist wirklich gerade noch gut gegangen“, sagte er lachend, während in der Wohnung der Mosers am Marktplatz geschäftig die letzten Vorbereitungen getroffen werden.

Zwei Japaner heiraten in Burglengenfeld

Die ganze Familie und viele Freunde der Musikkapelle haben geholfen, diesen Tag zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen, betonte Barbara Moser. Womit sie dem „Voll-Romantiker und Sisi-Fan“ seinen Traum erfüllen konnte. Was mit dem Heiratsantrag beim Tauchen begann, hat seine Vollendung gefunden – perfekt geplant bis ins letzte Detail: Die Ringe reichte Veronika Moser dem Paar in der gleichen Muschel, in der Takahiko für Ayumi vor gut einem Jahr den Verlobungsring versteckt hatte.

Die wohl größte Ehre für Musiker wurde dem 28-Jährigen erst vor dem Rathaus zuteil: Gemeinsam mit seiner Braut durfte er selbst den Taktstock schwingen und dirigierte die international erfolgreiche Burglengenfelder Musikkapelle einmal selbst.

Reiseprogramm mit Abwechslung

  • Gäste:

    Neben den Freunden der Musikkapelle St. Vitus feierten die Eltern sowie Freunde des Brautpaares in Burglengenfeld mit. Sie waren eigens für die Hochzeit aus Japan eingeflogen und bleiben einige Tage hier.

  • Kostüme:

    Die Uniform von Kaiser Franz Joseph I. hatte sich des Bräutigams eigens nach Filmvorlagen in Japan schneidern lassen. Und auch das prachtvolle Kleid seiner Braut ließ Erinnerungen an Sisi und Franz wach werden.

  • Feier:

    Nach dem Mittagessen im Gasthof „3 Kronen“ in Burglengenfeld steht für die Hochzeitsgesellschaft eine Stadtführung auf dem Programm. Am Abend wird im Probensaal des Vereinsheimes dann groß gefeiert.

  • Programm:

    „Bayern in wenigen Tagen“ – Familie Moser hat für die Japaner ein abwechslungsreiches Reiseprogramm parat. Mit Ausflügen nach Regensburg, Nürnberg, München und natürlich Schloss Neuschwanstein.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht