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Protest

Tierschützer sorgen sich um Bär Ben

Zum Gastspiel des Zirkus „Louis Knie“ in Burglengenfeld ist am Sonntag eine Demo angekündigt – für den Zirkus eine „Idiotie“.
Von Josef Schaller

  • Ben der Grizzly-Bär: Seine Haltung wird von Tierschützern besonders kritisiert. Am Mittwochnachmittag badete er in einer Wanne auf dem Volksfestplatz. Fotos: bjs
  • Zum Tierbestand des Zirkus „Louis Knie“ gehören auch Wildtiere wie Kamele
  • Das Gehege des Bären umfasst in etwa einen Bereich von 10 x 6 Metern

Burglengenfeld.Fast überall, wo der Zirkus „Louis Knie“ auftritt, kommt es zu Protesten von Tierschützern. Vom 9. bis 12. Oktober hat der „Österreichische National Circus“, wie er sich auch nennt, ein Gastspiel in Burglengenfeld. Und auch hier formiert sich im Vorfeld der fünf geplanten Darbietungen Widerstand. Durch den Tierschutzverein „Animal Revolution e.V.“ und „TierrechteAktiv e.V.“ wurde bereits eine Demonstration am Volksfestplatz angemeldet, wo der Zirkus seine Zelte aufgeschlagen hat.

Auch der Burglengenfelder Gnadenhof M.u.T.i.g will sich am Protest beteiligen, wie Vorsitzende Birgit Buckenleib der MZ sagte. Vor und während der Sonntagsvorstellung, die um 15 Uhr beginnt, wollen sich die Tierschützer vor dem Zirkuszelt formieren und Besucher über die „Missstände“ bei der Tierhaltung aufmerksam machen. „Vielleicht kann man den einen oder anderen noch vom Besuch abhalten“, so Buckenleib. Florian Hübner, der Sprecher von „Animal Revolution“, erklärte gegenüber der Mittelbayerischen Zeitung, er habe den Zirkus „Louis Knie“ bereits seit dem 20. September begleitet und beobachtet.

Der Zeltaufbau dauert eineinhalb Tage. Rechts der Fuhrpark des Zirkus „Alberti“
Der Zeltaufbau dauert eineinhalb Tage. Rechts der Fuhrpark des Zirkus „Alberti“

Dabei habe er insgesamt acht Demonstrationen mit initiiert. Er weist in einer Pressemitteilung darauf hin, dass es sich bei dem Zirkus keineswegs um den österreichischen Nationalzirkus handle, sondern um den umstrittenen Zirkus „Alberti“, der schon mehrmals gegen das Tierschutzgesetz verstoßen haben soll und für seinen schlechten Ruf, was die Tierhaltung betrifft, überall bekannt sei. Er selbst habe recherchiert und festgestellt, dass der österreichische Nationalzirkus zum selben Zeitpunkt in Graz gastiert hat, als „Louis Knie“ unter seinem Namen in Regensburg seine Zelte aufgeschlagen hatte.

Die MZ hat den umstrittenen Zirkus am Mittwochnachmittag besucht und dabei festgestellt, dass der gesamte Fuhrpark das Symbol des Zirkus „Alberti“ trägt. „Personal und Tiere sind vom Zirkus Alberti ausgeliehen“, bestätigt Franco Roberto, der bei „Louis Knie“ unter anderem für den Zeltaufbau zuständig ist. Auf Facebook ist ein dreiminütiges Video des Tierschutzvereins „Animals United“ zu sehen mit dem Titel: „Ben – der traurige Bär im Circus Louis Knie“. Dabei wird das Tier gezeigt, wie es gelangweilt in seinem Käfig seine Kreise zieht.

Der Grizzlybär Ben scheint zumindest am Mittwochnachmittag keine Langeweile gehabt zu haben. Er saß in seiner Riesenbadewanne und amüsierte sich mit einem Ast. 22 Jahre ist der Bär alt. Im Alter von sieben Monaten hat ihn der Zirkus aufgenommen. „Ein Bär, der so lange beim Zirkus ist, ist es nicht gewohnt, wo anders zu sein. Er würde eingehen“, antwortet Franco Roberto auf den Hinweis des MZ-Mitarbeiters, dass Tierschutzorganisationen den Bären gerne freikaufen würden. Seine Kunststücke (Rollerfahren und Purzelbäume) müsse Ben nicht mehr trainieren, sagt er. Das könne er schon von klein auf. Den ganzen Wirbel um den Zirkus könne er nicht verstehen, denn das Tierschutzgesetz werde bei ihnen groß geschrieben. Die Proteste seien eine „Idiotie“. Den „sogenannten Tierschützern“ sei nicht bewusst, was sie tun. Sie seien dabei, die Zirkuskultur kaputtzumachen. „Wir sind selbst Tierschützer“, ergänzt er. „Wieso sollten wir die Tiere quälen, mit denen wir arbeiten? Sie sind doch unser Kapital.“

Ein Interview mit Franco Roberto finden Sie hier.

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