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Natur

Eine tödliche Gefahr für Bienenvölker

Bei einem Imker in Fensterbach wurde „Amerikanische Faulbrut“ gefunden. Das Landratsamt hat einen Sperrbezirk eingerichtet.
von Cornelia Lorenz

Gefahr für den Bienen-Nachwuchs: Die Amerikanische Faulbrut zersetzt die Larven im Bienenstock. /ko
Gefahr für den Bienen-Nachwuchs: Die Amerikanische Faulbrut zersetzt die Larven im Bienenstock. /koFoto: Archiv

Fensterbach.Es ist eine Seuche, die dem Bienennachwuchs einen grausigen Tod beschert: Wird ein Volk von der Amerikanischen Faulbrut befallen, löst sich die gesamte Körperstruktur der Larven auf – und in der Wabe bleibt nur eine zähe braune, schleimige Substanz zurück. In der Gemeinde Fensterbach hat es nun wieder ein Bienenvolk erwischt. Um die Ausbreitung der Seuche zu verhindern, hat das Landratsamt als Schutzmaßnahme einen Sperrbezirk rund um den Weiler Weiherhaus eingerichtet.

Schutzmaßnahmen

  • Das Landratsamt

    hat einen Sperrbezirk festgesetzt, der sich mit einem Radius von zwei Kilometern um den Weiler Weiherhaus erstreckt.

  • Bienenhalter im Sperrbezirk

    müssen ihre Völker und Bienenstände unverzüglich von einem Amtstierarzt auf die Krankheit hin untersuchen lassen. Diese Untersuchung muss frühestens zwei und spätestens neun Monate nach der Tötung oder Behandlung der erkrankten Bienenvölker wiederholt werden. Bewegliche Bienenstände dürfen von ihrem Standort nicht entfernt werden.

  • Hinweis des Veterinäramts:

    Bienenvölker, lebende oder tote Bienen, Waben, Wabenteile, Wabenabfälle, Wachs, Honig, Futtervorräte, Bienenwohnungen und benutzte Gerätschaften dürfen nicht aus den Bienenständen entfernt werden. Bienenvölker oder Bienen dürfen nicht in den Sperrbezirk verbracht werden. Die Imker im Sperrbezirk sind verpflichtet, ihre Bienenvölker unter Angabe des Standortes der Bienenstände dem Veterinäramt anzuzeigen.

Betroffen sind nach Angaben der Behörde die Ortschaften Högling, Jeding und Freihöls sowie Teile von Wolfring und Wolfringmühle. Die Rechtsverordnung mit den festgelegten Grenzen des Sperrbezirks wird auch im Amtsblatt des Landkreises veröffentlicht.

„Es kann jeden Imker treffen“

Was in der Pressemitteilung des Landratsamts recht dramatisch klingt, beunruhigt die Imker in der Region nicht allzu sehr. „Ich mache mir keine Sorgen, weil die Bienen nicht so weit fliegen“, sagt Hermann Bronold, Vorsitzender des Imkereivereins Schwarzenfeld. Diesem gehören auch die fünf Imker im Sperrbezirk an. Bei einem von ihnen ist ein Volk von der Faulbrut betroffen. Bronold liegt es am Herzen zu betonen, dass ein Bienenhalter nichts dafür könne, wenn bei ihm die Faulbrut ausbreche. „Es kann jeden Imker treffen. Es hat nichts mit Schlamperei zu tun. Die Bienen fliegen, wie sie wollen“, sagt er. So können sich die Erreger von einem Volk zum nächsten verbreiten.

Erstmals entdeckt wurde der Übeltäter, das Bakterium Paenibacillus larvae, Anfang des 20. Jahrhunderts in Amerika. Damals war es auch in Europa schon zu finden. Die Sporen verbreiten sich hauptsächlich über räubernde Bienen, die fremde Stöcke heimsuchen, oder über mit dem Erreger kontaminierte Waben, Honig und Futter.

Im Bienenvolk ist das Bakterium zum Glück nur für die ältere Brut gefährlich. Die Larven nehmen die Erreger über ihre Nahrung – den mit Sporen verseuchten Honig – auf und werden von ihnen abgetötet. Für Menschen und andere Tiere ist die Seuche völlig ungefährlich. Auch der Honig aus dem Sperrbezirk kann vom Menschen bedenkenlos verzehrt werden. Die Imker innerhalb des Gebiets können ihren Honig also ganz normal an ihre Kunden abgeben. Er darf allerdings nicht an Bienen verfüttert werden.

Als Schutzmaßnahme hat das Landratsamt einen Sperrbezirk festgelegt. Foto: MZ-Infografik
Als Schutzmaßnahme hat das Landratsamt einen Sperrbezirk festgelegt. Foto: MZ-Infografik

Nichtsdestotrotz ist der Ausbruch der Seuche für die Imker im Sperrbezirk eine ärgerliche Angelegenheit: Sie müssen ihre Bienenvölker vom Amtstierarzt untersuchen lassen. Ingo Schwieder, Vorsitzender des Imkerei-Kreisverbands Schwandorf, rät allen Bienenhaltern im Sperrbezirk, die ihren Bestand bisher nicht, wie eigentlich vorgeschrieben, beim Landratsamt gemeldet haben, dies nun nachzuholen und ihre Völker untersuchen zu lassen, um auch wirklich alle potenziellen Ansteckungsherde aufzuspüren.

Schon der zweite Ausbruch

Das scheint auch dringend nötig zu sein, denn es ist nicht das erste Mal, dass Bienen im Raum Fensterbach von der Seuche befallen werden. Im Jahr 2014 zum Beispiel war die Gemeinde schon einmal von der Faulbrut betroffen. Damals wurde die Krankheit bei einem Bienenvolk im Ortsteil Freihöls entdeckt. Auch damals musste eine Sperrzone errichtet werden. Zuvor war der Landkreis nach Angaben aus dem Landratsamt seit 2007 nicht von der Amerikanischen Faulbrut heimgesucht worden.

Ob zwischen der aktuellen Infektion und dem Ausbruch vor zwei Jahren wegen der örtlichen Nähe ein Zusammenhang besteht, darüber lässt sich nur spekulieren. „Ich glaube nicht, dass damals etwas übersehen wurde. Aber ich finde es schon auffällig und es ist ärgerlich, dass die Krankheit dort nun schon wieder auftritt“, sagt Schwieder. Er ist selbst für das Veterinäramt als Gesundheitswart in Sachen Bienen aktiv und hat dadurch mit der Amerikanischen Faulbrut bereits einige Erfahrung. „Niemand ist vor dieser Krankheit gefeit, egal wie sauber er arbeitet. Sie trifft auch die guten und pflichtbewussten Imker“, sagt er und hofft, dass die Bienenhalter im Sperrbezirk weiter ihre Abnehmer finden.

Den Käufern rät er aber zu einer Vorsichtsmaßnahme, um die weitere Ausbreitung der Seuche zu stoppen: Wer ein Glas Honig leer gegessen habe, solle es dem Imker zurückbringen – und wer es in den Altglascontainer werfen wolle, der solle es vorher im Geschirrspüler heiß auswaschen. So könne man auch den sehr unwahrscheinlichen Fall ausschließen, dass eine Biene auf Futtersuche sich daran anstecke.

Tötung als letzte Maßnahme

Bereis befallene Bienenbestände werden vom Veterinäramt gesperrt und genauestens untersucht. Je nach der Schwere des Befalls kann die Tötung des Volks angeordnet werden. Bei leichterem Befall kommt das Kunstschwarmverfahren in Frage, bei dem die Bienen in einen seuchenfreien neuen Bienenstock umgesiedelt werden.

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