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Kampagne

Verdi fordert Tarifbindung in der Pflege

Die Gewerkschaftsvertreter trafen sich zur Klausurtagung.
Von Rudolf Hirsch

Stellvertretende Geschäftsführerin Manuela Dietz, Geschäftsführer Alexander Gröbner und die Bezirksvorsitzenden Stefan Dietl und Verena Gleißner (von links) setzen sich für ein „soziales Europa“ ein. Foto: xih
Stellvertretende Geschäftsführerin Manuela Dietz, Geschäftsführer Alexander Gröbner und die Bezirksvorsitzenden Stefan Dietl und Verena Gleißner (von links) setzen sich für ein „soziales Europa“ ein. Foto: xih

Fensterbach.Vertreter der elf Gruppierungen des Verdi-Bezirksverbandes trafen sich am Wochenende zur Klausurtagung im Hotel Wolfringmühle und warben für „ein soziales Europa“. Vorsitztender Stefan Dietl warnt vor einem Aufstieg der nationalistischen Kräfte und ist der Überzeugung: „Nur ein soziales Europa kann die Herzen der Bürger gewinnen“. Um das zu erreichen, müssten die Gewerkschaften in den Mitgliedsstaaten stärker zusammenwachsen. In einer Abschottung Deutschlands sieht Dietl keine Alternative, „denn unser Land lebt vom Export“. Der Bezirksvorsitzende sprach sich für eine Stärkung des EU-Parlaments, die Festlegung wirtschaftlicher und sozialpolitischer Standards und einen europäischen Mindestlohn aus, der bei „60 Prozent des Durchschnittslohnes des jeweiligen Landes“ liegen soll. Die Gewerkschaft stellt den 1. Mai diesmal unter das Motto: „Europa. Jetzt aber richtig“.

Stellvertretende Geschäftsführerin Manuela Dietz kritisiert die Arbeitgeber in der Pflegebranche, „weil viele ihren Mitarbeitern den Tariflohn verweigern“. Die Pflege brauche eine Interessensvertretung zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen, so Manuela Dietz. Nur mit höherer Bezahlung und besseren Rahmenbedingungen lasse sich der Pflegenotstand beseitigen.

Verdi-Forderungen

  • Ziele:

    „Europa. Jetzt aber richtig!“ lautet das Motto der Gewerkschaft am 1. Mai. Ihre Forderungen: Die Menschen müssen im Mittelpunkt der europäischen Politik stehen. Verdi fordert Tarifbindung in ganz Europa und armutsfeste Mindestlöhne in jedem EU-Mitgliedsstaat. Eine EU-Gleichstellungsstrategie soll gleiche Chancen für Frauen und Männer sichern.

  • Investitionen:

    Die Gewerkschaft verlangt ein ambitioniertes Programm für Zukunftsinvestitionen, das Wachstum, Arbeitsplätze, Bildung, Infrastruktur und Wohlstand für alle sichert und fördert. Die Menschen sollen erleben, dass die EU ihr Leben nachhaltig und konkret verbessert. (xih)

Bezirksvorsitzender Alexander Gröbner sieht in den Pflegeberufen „keinen Bereich für Arbeitskämpfe“. Es fehle an der Tarifbindung. Viele Kräfte würden an ihren Arbeitgebern festhalten, „weil sie in Teilzeit arbeiten und Betriebstreue beweisen“. Pflegekräfte ließen sich gerne in eine „Opferrolle“ drängen, so der Gewerkschaftsfunktionär. Alexander Gröbner fordert von der Politik eine stärkere Unterstützung, „wenn es um Tarifbindung geht“. Die öffentliche Hand sollte Aufträge nur an Firmen vergeben, „die Tariflöhne bezahlen“. Der Wettbewerb dürfe nicht auf dem Rücken der Arbeitnehmer ausgetragen werden. Bei der Vergabe sollte nicht nur der Angebotspreis zählen.

„Die Rente muss zum Leben reichen“: Mit dieser Kampagne fordert die Gewerkschaft einen Kurswechsel in der gesetzlichen Rente. Stellvertretende Bezirksvorsitzende Verena Gleißner kündigte eine bundesweite Umfrage unter den Beschäftigten an und möchte wissen, wie sich die Mitglieder künftig die Arbeitszeiten vorstellen. Es gehe um Flexibilisierung, Digitalisierung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf, so Gleißner. Nach der Auswertung der Umfrageergebnisse wolle die Gewerkschaft Ziele zur Arbeitszeitregelung formulieren und neue Möglichkeiten einer flexibleren Gestaltung der Arbeit erörtern.

„Wir spüren eine breite Unterstützung bei den Beschäftigten“, erklärt Geschäftsführer Alexander Gröbner. In der Steigerung um 1500 auf 22 446 Mitglieder im vergangenen Jahr sieht der Gewerkschaftsfunktionär den Beweis dafür, „dass wir mit unseren Themen gut ankommen“. Im ersten Quartal 2019 hätten sich schon wieder 500 Arbeitnehmer neu dem Verdi-Bezirksverband angeschlossen, so Gröbner. Sorgen bereitet ihm allerdings die Altersstruktur. Alexander Gröbner weiß: „Viele ältere Kollegen gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand“.

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