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Ausbildung

Eine „weise Entscheidung“ getroffen

Sebastian Ring aus Gleiritsch hat seine Ausbildung zum Verfahrensmechaniker als Drittbester in Deutschland abgeschlossen.
Von Cornelia Lorenz

Ein erfolgreicher Azubi: Sebastian Ring arbeitet an einer Spritzgussmaschine, die Einmalartikel für Labore formt.
Ein erfolgreicher Azubi: Sebastian Ring arbeitet an einer Spritzgussmaschine, die Einmalartikel für Labore formt. Fotos: Lorenz

Wackersdorf. Diesen Erfolg hätte sich Sebastian Ring an seinem ersten Tag als Azubi bei der Gerresheimer Regensburg GmbH in Wackersdorf nicht träumen lassen: Der junge Mann aus Gleiritsch hat seine Ausbildung zum Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik mit so glänzenden Noten abgeschlossen, dass er bundesweit fast alle seine Kollegen abgehängt hat: Er landete im vergangenen Jahr auf Platz drei der besten Azubis aus ganz Deutschland und darf sich nun über den Förderpreis des Gesamtverbands der kunststoffverarbeitenden Industrie freuen. Dahinter verbirgt sich unter anderem ein Scheck über 250 Euro. Und auch von seinem Arbeitgeber gab es für Ring als Belohnung eine Sonderprämie in Höhe von 1250 Euro.

Mittlerweile arbeitet der 22-jährige Gleiritscher, der am Gymnasium Oberviechtach sein Abitur gemacht hat, seit einem knappen Jahr mit einem unbefristeten Vertrag bei Gerresheimer. Aufmerksam wurde er auf seinen Arbeitgeber durch Freunde. Weil er bereits das Abitur in der Tasche gehabt habe, sei ihm die Ausbildung wahrscheinlich leichter gefallen als anderen, vermutet er. Angestrengt habe er sich aber trotzdem. „Ganz leicht war es nämlich nicht“, sagt Ring rückblickend. Sein Ziel für die nächsten Jahre steht bereits fest: Er möchte gern den Abschluss als Techniker dranhängen – und auch danach bei seinem Arbeitgeber bleiben. Zurzeit ist er in der Kleinserienproduktion beschäftigt, wo unter anderem Bauteile entstehen, die für DNA-Tests verwendet werden.

Ein Studium ist kein „Muss“

Viel Lob für Ring gab es von Manfred Baumann, Geschäftsführer bei Gerresheimer. Er empfahl ihm, berufliche Entscheidungen in Zukunft immer „nach dem Herzen“ und dem eigenen Willen zu treffen. „Lassen Sie sich nicht zu einem Studium drängen“, sagte er. Ein Facharbeiter müsse sich heutzutage hinter einem Ingenieur nicht verstecken und verfüge über ein vergleichbares Niveau.

Egal, welchen Weg Ring in den kommenden Jahren beschreiten wird: Mit seiner Entscheidung für die kunststoffverarbeitende Industrie habe er „in frühen Jahren eine sehr kluge und weise Entscheidung“ getroffen, attestierte ihm Ralf Olsen vom Gesamtverband der kunststoffverarbeitenden Industrie. Er überreichte auch Franz Heininger, Ausbildungsleiter bei Gerresheimer, eine Auszeichnung, die das Engagement des Unternehmens für seine Azubis würdigen soll.

Viele offene Stellen im Landkreis

Eine attraktive Ausbildung, die auch von der Öffentlichkeit so wahrgenommen wird, gehört mittlerweile für viele Betriebe auf der Suche nach Lehrlingen zum Pflichtprogramm – zu groß ist auch im Landkreis Schwandorf bereits die Diskrepanz zwischen freien Ausbildungsplätzen und Bewerbern ohne Lehrstelle. Die Lehrstellenbörse der IHK meldet aktuell für die Region noch 468 offene Ausbildungsplätze. „Angebot und Nachfrage passen oft einfach nicht zusammen“, sagt Ralf Kohl, Bereichsleiter Berufsbildung bei der IHK in Regensburg. Deutliche Schwerpunkte seien nicht auszumachen, weil es in sehr vielen Bereichen nicht zum Abschluss eines Ausbildungsvertrags komme, zum Beispiel im Handel oder in der Lagerwirtschaft. Aber auch Bank- und Bürokaufleute in spe würden derzeit im Landkreis Schwandorf gesucht.

Unternehmen, die noch auf der Suche nach Lehrlingen sind, empfiehlt der IHK-Experte, alle denkbaren Marketing-Kanäle zu nutzen. Sinnvoll sei es zum Beispiel, einen Tag der offenen Tür anzubieten oder sich auf regionalen Messen präsentieren. „Man muss heute einfach mehr als früher unterwegs sein“, sagt Kohl. Das gelte auch für die kleinen Unternehmen, die meist nicht so viele Ressourcen in die Ausbildung stecken können wie ihre großen Konkurrenten. Doch auch die kleinen Unternehmen könnten auf einfachem Weg Werbung in eigener Sache machen. „Man muss kein großer Betrieb sein, um einen transparenten Kommunikationsstil mit seinen Azubis zu pflegen oder sie gut anzulernen“, ist Kohl überzeugt.

Für viele junge Menschen auf der Suche nach einer Lehrstelle zähle außerdem am Ende nicht in erster Linie die Zahl auf dem Gehaltszettel, sondern das Gesamtpaket, das die Ausbildung ihnen biete. Hier müssten sich die kleinen Unternehmen keinesfalls vor der Konkurrenz verstecken.

Während so mancher Betrieb trotz aller Bemühungen in diesem Herbst keinen Azubi einstellen kann, hat man sich bei Gerresheimer in Wackersdorf den Nachwuchs für den Ausbildungsstart im Herbst längst gesichert. 26 Lehrlinge werden dann den Standort mit seinen rund 350 Mitarbeitern und seinen Arbeitsabläufen kennen lernen. Dazu gehören auch der jährliche Azubi-Ausflug, gemeinsames Lernen vor Prüfungen oder die Workshops, bei denen die Berufseinsteiger Moderationstechniken und Teamarbeit üben.

Siebter Förderpreis

  • Der Preis:

    Er wurde erstmals im Jahr 2000 verliehen und geht seitdem jährlich an die besten Absolventen der Ausbildung zum Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik. Er ist mit insgesamt 5000 Euro dotiert.

  • Bayern an der Spitze:

    Besonders viele Förderpreisträger stammen aus Bayern – auch wieder im Jahr 2015. Sebastian Ring ist einer von sechs Preisträgern aus Bayern. Drei kommen aus Niedersachsen, einer aus Baden-Württemberg, einer aus Schleswig-Holstein und einer aus Thüringen. Zusammen mit dem DIHK (Deutscher Industrie- und Handelskammertag) hat der Gesamtverband der Kunststoffverarbeitenden Industrie die besten Absolventen ermittelt und ausgezeichnet.

  • Keine Überraschung:

    Sebastian Ring ist bereits der siebte Gerresheimer-Azubi, der den Förderpreis erhalten hat. Von 100 möglichen Punkten erreichte er 95. Der beste Absolvent in Deutschland kam am Ende auf 98 Punkte.

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