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Windkraft

LfU sieht falschen Schwarzstorch-Alarm

Am Windpark bei Pamsendorf stehen nach zwei Nestfunden die Maschinen still. Laut LfU haben hier Bussard und Habicht gebrütet.
Von Hubert Heinzl

  • Nisten in dem Rodungsgebiet bei Pamsendorf Schwarzstörche? Das Bayerische Landesamt für Umwelt bestreitet dies. Foto: dpa
  • Der erste Horst hat eine Größe von etwa einem Meter, er wurde im Rahmen der Rodungsarbeiten freigelegt. Foto: BI Gegenwind
  • Der zweite Horst befindet sich rund 200 Meter von einem geplanten Windradstandort entfernt. Foto: BI Gegenwind

PFREIMD.Auf dem Großen Kulm bei Pamsendorf überstürzen sich die Ereignisse: Am Wochenende wurden bei Rodungsarbeiten nahe dem Gelände des geplanten Windparks in den Baumkronen zwei große Vogelhorste entdeckt. Mitglieder der BI Gegenwind sahen darin einen Nachweis für eine Schwarzstorch-Population auf dem Höhenzug und schlugen Alarm. Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) hat jedoch inzwischen Proben aus beiden Vogelnestern untersucht und winkt ab: In den Horsten haben nach Einschätzung der Fachleute aus München Bussarde und Habichte gebrütet, geht aus einer ersten E-Mail an das Landratsamt hervor. Bis die abschließende Stellungnahme bei der Schwandorfer Behörde eingetroffen ist, ruhen die Rodungsarbeiten weiter, sagt Franz Pfeffer, der Pressesprecher am Landratsamt.

Maschinen stehen wieder still

Wie die MZ berichtete, will die Weidener Deglmann Windpark Management GmbH auf dem Großen Kulm einen Windpark mit fünf Anlagen errichten und dafür 20 Millionen Euro investieren. Doch vor allem die Anwohner der benachbarten Gemeinde Gleiritsch laufen Sturm gegen das Vorhaben. Eine ganze Reihe von Verfahren ist am Verwaltungsgericht Regensburg anhängig, das aber in seiner vorerst letzten Entscheidung gegen einen Beginn der Rodungsarbeiten nichts einzuwenden hatte. Am Mittwoch vergangener Woche rückten auf dem Höhenzug bei Pamsendorf die Harvester an.

Doch inzwischen stehen die Maschinen schon wieder still. Denn im Zuge der Rodungsarbeiten wurden am Wochenende zwei große Vogelhorste entdeckt, die sich laut Pressesprecher Pfeffer in der Nähe des Windpark-Geländes befinden. Ein Horst mit etwa einem Meter Durchmesser fand sich nach einer Mitteilung des Bayerischen Jagdverbandes (BJV), der ebenfalls gegen die Anlage klagt, auf einer großen Birke in etwa 15 Metern Höhe. Ein zweiter Horst wurde demnach am Sonntag „hinter einer großen, zwischenzeitlich gerodeten Fichte“ entdeckt.

„Es ist schlichtweg die Größe“

„Vermutlich handelt es sich in beiden Fällen um Horste des selten gewordenen Schwarzstorchs“, schreibt der BJV. Gegenüber der MZ musste BVV-Naturschutzbeauftragter Eric Imm allerdings einräumen, dass er dies lediglich aus dem ihm vorliegenden Bildern geschlossen habe. „Es ist schlichtweg die Größe der Horste, die dafür sprechen“, sagte er auf Nachfrage. Auch die Weidener Kanzlei Dr. Burkhard Schulze & Coll., die etliche Windkraftgegner vertritt,schreibt in einer Presseerklärung von einem Horst, „der evident einem Schwarzstorch zuzuordnen ist“. Eine nähere Begründung wird nicht genannt.

Auf einen Hinweis der Polizei hin entsandte das Landratsamt am Montag drei Mitarbeiter an den Ort des Geschehens. Die Behörde verfügte einen mündlichen Rodungsstopp, „bis der Sachverhalt endgültig geklärt ist“, so Sprecher Franz Pfeffer. Im Auftrag des Investors entnahm ein sogenannter „Baumsteiger“ Proben aus den beiden Horsten, die an das Münchner Landesamt für Umwelt zur Begutachtung gesandt wurden.

Eine abschließende Stellungnahme ist laut Pfeffer voraussichtlich erst am Donnerstag zu erwarten. In einer Vorab-E-Mail am Dienstag habe das LfU allerdings mitgeteilt, dass es sich bei den großen Vogelhorsten um Bussard- und Habichtsnester handle. Wenn die Begründung vorliegt, soll der Rodungsstopp deshalb wieder aufgehoben werden.

Chronologie

  • 14. November 2014:

    Das Landratsamt erlässt einen Genehmigungsbescheid für Bau und Betrieb des geplanten Windparks bei Pamsendorf.

  • Dezember 2014:

    Die Gemeinde Gleiritsch und betroffene Bürger aus Gleiritsch, Trefnitz und Fuchsendorf klagen dagegen beim Verwaltungsgericht Regensburg.

  • 11. Dezember:

    Das Landratsamt ordnet die sofortige Vollziehbarkeit des Bescheids vom 14. November an. Auch dagegen reichen die Windpark-Gegner Klage ein.

  • 28. Januar 2015:

    Die Deglmann Windpark Management GmbH beginnt mit den Rodungsarbeiten. Dies ist rechtens, da das Verwaltungsgericht Regensburg darin noch nicht den eigentlichen Baubeginn sieht. (hh)

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