MyMz
Anzeige

Interview

„Es gibt Kollegen, die resignieren“

Landwirt Matthias Irlbacher aus dem Kreis Schwandorf kann wegen der sinkenden Milchpreise nicht in den Betrieb investieren.
Von Cornelia Lorenz

Landwirt Matthias Irlbacher Foto: scl
Landwirt Matthias Irlbacher Foto: scl

Guteneck.Herr Irlbacher, Sie haben 1994 in Unteraich den Hof von Ihren Eltern übernommen. Immer wieder haben Sie in den vergangenen Jahren zusammen mit Ihren Kollegen gegen den niedrigen Milchpreis protestiert. Haben Sie schon einmal ans Aufgeben gedacht?

Es gibt Kollegen, die resignieren. Das ist ja auch das Ziel der Politiker und der Milchindustrie. Ich kann für mich sagen: Aufgeben kommt für mich nicht in Frage. Ich habe den Hof von meinen Eltern übernommen, und mein Traum ist es, ihn irgendwann an einen meiner drei Söhne zu übergeben. Ich würde ihnen derzeit aber dringend zu einer anderen Ausbildung raten, damit sie neben der Landwirtschaft flexibel bleiben können.

Die Milchbauern im ganzen Land beklagen, dass sie von ihren Einnahmen nicht mehr leben können. Wie sieht es bei Ihnen konkret aus?

Seit 2014 habe ich durch den sinkenden Milchpreis jedes Jahr 40000 Euro an Einnahmen verloren. In der Zeit ist ja für mich der Milchpreis von 40 Cent auf inzwischen rund 25 Cent gesunken. Investitionen muss ich deshalb aufschieben. Eigentlich müsste ich einen neuen Stall bauen, der alte ist schon 40 Jahre alt. Ein neuer Laufstall würde mich aber ungefähr eine Million Euro kosten. Das kann ich mir bei dem Milchpreis nicht leisten. Den Lebensunterhalt kann ich damit zwar gerade noch so bestreiten, aber investieren kann ich nicht mehr. Damit bin ich ein Auslaufbetrieb.

Im April 2015 ist in der EU die Milchquote weggefallen. Jeder Landwirt darf seitdem so viel Milch liefern, wie er will. Haben Sie Ihre Menge auch erhöht?

Ja, auch ich habe meine Menge geringfügig ausgeweitet. Man ist einfach gezwungen, mehr zu produzieren, um den Preisverfall irgendwie auszugleichen. Wenn jeder Landwirt in der EU seine Milchmenge um drei Prozent reduzieren würde, könnte man wieder auf einen Milchpreis von 40 Cent zurückkommen.

Mit welchem Gefühl gehen Sie aus den Gesprächen mit der Molkerei wieder nach Hause?

Ich habe bei dem Gespräch herausgehört, dass die Molkerei gewillt ist, uns zu unterstützen und in Sachen Milchpreis das Gespräch mit Politikern auf Bundesebene zu suchen. Wir sind es gewohnt, mit kleinen Schritten vorwärts zu gehen.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht