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Spektakel

Viel Spaß mit Timberwalk und Cabertoss

Die zweite Auflage der Highland Games auf Schloss Guteneck verspricht wieder vergnügliche Wettkämpfe nach schottischer Art.
Von Christina Röttenbacher

Beim Gewichtsweitwurf kommt es wie bei den anderen Disziplinen der Games auf Kraft und Geschicklichkeit an.
Beim Gewichtsweitwurf kommt es wie bei den anderen Disziplinen der Games auf Kraft und Geschicklichkeit an. Fotos: Röttenbacher

GUTENECK.Bald ist es so weit, dann wird wieder gestöhnt und geächzt, werden martialische Urschreie ausgestoßen und der Luftraum über Schloss Guteneck ist alles andere als sicher. Männer und Frauen in spezieller Sportkleidung werden wieder die unmöglichsten Sachen – Baumstämme, Stahlkugeln, Hufeisen, Steine und Strohsäcke – durch die Gegend werfen, schleifen, schleppen und rollen.

Eine völlig neue und doch uralte, traditionelle Sportart ist nun endgültig über den Ärmelkanal zu uns in die Oberpfalz geschwappt. Am 4. Juni, am Fronleichnamstag, findet auf Schloss Guteneck die zweite Bayerische Meisterschaft in den schottischen Highland Games statt. So amüsant sich die Sportart anhören mag, so streng sind die Regularien des Deutschen High-land-Games-Verbandes, nach denen die offizielle Bayerische Meisterschaft ausgerichtet wird. Der Wettkampf auf Schloss Guteneck ist der einzige in ganz Bayern, der diesen hohen Anforderungen gerecht wird.

Das beginnt bereits damit, dass zu den zehn Wettkampfdisziplinen nur ein Schottenrock oder Kilt getragen werden darf. Was dieser sportliche Wettkampf mit Jahrhunderte langer Tradition beinhaltet, konnten Medienvertreter, die zu einer Pressekonferenz geladen waren, im Selbstversuch erleben. Das gemeinsame Fazit: Es macht riesig Spaß, mit Baumstämmen, Steinen und Strohsäcken um sich zu werfen oder einen halbierten Baustamm durch einen Parcours zu schleifen. Und selbst zarte Frauen schafften es, eine schwere Stahlkugel über eine imaginäre Ziellinie zu schleudern.

Der Gastgeber und Ausrichter der Meisterschaft, Burkhard Graf Beissel von Gymnich und der Veranstalter Stefan Kolb vom Deutschen Highland Games Verband, führten in die Geschichte der heute weltweit als Breitensport betriebenen Spiele ein. Mit ansteckender Begeisterung erklärte und demonstrierte Kolb die zehn auszutragenden Disziplinen wie „Tossing the Caber“ (Baumstammüberschlag), „Putting the Stone“, das Steinestoßen, und „Throwing the Hammer“, den schottischen Hammerwurf. Insgesamt verbinden die Disziplinen Kraft, Geschicklichkeit und Ausdauer.

Wie schon in den Ursprungszeiten der Games, wird es auch bei der zweiten Bayerischen Meisterschaft ein gesellschaftliches Rahmenprogramm geben, das Graf Beissel von Gymnich vorstellte. Am Vorabend des Wettbewerbs ist zur Einstimmung ein Schottischer Abend mit Whiskyverkostung, Dudelsackmusik, schottischem Essen, einem Auftritt der Band „Drums and Pipes“ mit transatlantischer Musik von Nordamerika bis Irland, einem schottischen Laden, weiteren Verkaufsständen und noch mehr schottischer Livemusik vorgesehen. „Da wird was ganz Besonderes präsentiert, die Games werden sicher bei den Menschen ankommen“, war von Gymnich überzeugt, der „schottisches Flair“ an beiden Tagen versprach.

Der Ursprung der Highland Games liegt im historischen Dunkel und ist wohl im 11. Jahrhundert entstanden. Auslegungen besagen, dass keltische Könige, um junge Männer für einen Kriegszug zu rekrutieren, mit den sportlichen Wettkämpfen die Besten ermittelten. Weil den Schotten durch englische Besatzungstruppen untersagt war, Waffen zu tragen, trainierten die Männer mit Alltagsgegenständen wie Baumstämmen, Steinen und Hufeisen. Eine andere Erklärung besagt, dass sich die jungen Männer der schottischen Clans in den Highlands trafen, um mit ihrem Können die Damenwelt zwecks Heirat zu beeindrucken. Seit 1958 sind die Highland Games auch in Deutschland bekannt und zu einer ernstzunehmenden Breiten-Sportart geworden. Mit den 2. Bayerischen Meisterschaften wollen Stefan Kolb und Graf Beissel von Gymnich den schottischen Sportimport in Bayern etablieren. Der Selbstversuch zeigte, dass sich Sport und Spiele, witziges Gerät und sportlicher Anspruch wunderbar vertragen und für Jedermann und -frau geeignet sind, auch ohne vorhergegangenes Fitnesstraining. Finaler Höhepunkt der Highland Games, so versprachen Veranstalter und Ausrichter, dürfte das abschließende Tauziehen, die „Königsdisziplin“ der Spiele sein, das sich niemand entgehen lassen sollte.

Bitte nur mit Kilt!

  • Das Programm:

    Die Highland Games beginnen am 3. Juni ab 17.30 Uhr mit dem Schottischen Abend, an dem Whisky und schottisches Essen probiert werden können. Am 4. Juni beginnen die Games von 10 Uhr bis 12 Uhr mit der Meldung der Teams. Um 13 Uhr ist feierlicher Einmarsch der Teilnehmer mit Dudelsackmusik. Der Wettkampf beginnt um 13.30 Uhr. Die Siegerehrung wird gegen 18 Uhr vorgenommen. Der Eintritt beträgt vier Euro für Erwachsene, Kinder bis 12 Jahre sind frei. Hunde sind willkommen. Schottische Gerichte und Whiskyverkostungen werden angeboten. Für Kinder ist ein eigenes Programm geboten mit Sackhüpfen, Stelzenlauf, Tauziehen, Steinhalten oder Hufeisenwerfen, zusätzlich wird Specksteinschnitzen, Hau den Bio-Lukas, Nessi-Angeln und Teebeutelweitwurf angeboten. Teilnehmen können alle. Das Mindestalter ist 18 Jahre. In einer Mannschaft müssen mindestens fünf Personen mitmachen. Es können sowohl Damenteams als auch gemischte Teams teilnehmen. Bedingung ist, dass alle Sportler einen Kilt tragen.

  • Die Mannschaftsdisziplinen:

    Stone of Manhood: eine Betonkugel oder Steine müssen auf einem ein Meter hohen Podest abgelegt werden. Strohsack-Hochwurf: ein Strohsack wird mit einer Heugabel über ein hohes Gestell geworfen. Steinwurf: ein bis zu zehn Kilogramm schwerer Stein wird wie beim Kugelstoßen geworfen. Baumstammslalom: Zwischen fünf in den Boden geschlagenen Balken laufen die Teams mit einem Baumstamm auf den Schultern einen Slalom. Gewichtsweitwurf: ein an einer Kette befindliches, 12,7 Kilogramm schweres Gewicht wird aus dem Stand geworfen. Baumstammziehen: Ein halbierter, 70 Kilo schwerer Baumstamm, an dem ein Seil befestigt ist, wird im Staffellauf um einen Rundkurs gezogen. Timberwalk: Zwei 15 Kilo schwere Baumstammteile müssen eine Minute lang um einen Rundkurs getragen werden. Hufeisenwerfen: Aus fünf Meter Entfernung müssen drei Mal je drei Hufeisen möglichst nahe an eine Stange geworfen werden. Cabertoss: der Baumstammwurf mit einer halben Drehung in der Luft. Tauziehen: Die Mannschaften kämpfen im K.O. System gegeneinander. Informationen und Anmeldung unter www.schloss-guteneck.de. (hcr)

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