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Verbrechen

Hohe Haftstrafe für rasenden Autodieb

Polizisten stoppten nach einer Verfolgungsjagd auf der A 93 bei Schwandorf einen Mann. Jetzt wurde der Täter verurteilt.
Von Reinhold Willfurth

Der silberfarbene BMW der Schleierfahnder rammte den gestohlenen BMW. Archivfoto: Ziegler
Der silberfarbene BMW der Schleierfahnder rammte den gestohlenen BMW. Archivfoto: Ziegler

Schwandorf.Ein Horrorszenario baute sich am Abend des 25. März auf der A 93 bei Schwandorf auf: Ein Autodieb wollte während einer wilden Verfolgungsjagd die Gegenfahrbahn zur Flucht nutzen. Beherzte Polizisten stoppten den Geisterfahrer in einem filmreifen Manöver. Das Landgericht Amberg verhängte jetzt eine Haftstrafe gegen den Dieb.

Der drogensüchtige Mann wurde zu vier Jahren und neun Monaten Gefängnis und zu einer Unterbringung in einer Entziehungsanstalt verurteilt, um seiner Drogensucht Herr zu werden. Gerichtssprecher Uli Hübner zählte auf Anfrage der Mittelbayerischen die Delikte auf, die zur Verurteilung führten: Diebstahl in zwei Fällen, vorsätzliche Gefährdung des Straßenverkehrs, Urkundenfälschung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Unfallflucht und fahrlässige Körperverletzung in zwei Fällen. Dass sein Führerschein für drei Jahre eingezogen wurde, ist für den Verbrecher noch am leichtesten zu verschmerzen.

Drogensucht trieb ihn immer wieder zu Autodiebstählen

Wie der 40-Jährige vor Gericht angab, habe ihn seine Drogensucht immer wieder zu Autodiebstählen verleitet. Auch an diesem Abend hatte der Mann in Leipzig einen 5er BMW Kombi mit dem bei Autodieben beliebten „Keyless Go“-Schloss geknackt. Anschließend riss er in Halle zwei Kennzeichen von einem Auto herunter und montierte sie an dem Diebesgut. Dann wollte er sich wieder in Richtung Heimat aufmachen, wo seine Abnehmer, nach seinen Angaben Drogendealer, schon auf ihn warteten.

Einsatz

Verfolgungsjagd: Stress für Polizisten

Fahnder rammen auf der A 93 bei Schwandorf einen Autodieb. Nach so einem Einsatz sei man nassgeschwitzt, sagt Polizist Hager.

Der gestohlene BMW sandte jedoch Funksignale aus, mit denen sich der Fluchtweg orten ließ. Beim Autobahnkreuz Oberpfälzer Wald hefteten sich Schleierfahnder der Verkehrspolizeiinspektion (VPI) Weiden an die Fersen des Autodiebs. Der beschleunigte den BMW bis zur Höchstgeschwindigkeit. Die Fahnder, zufällig im selben Modell unterwegs, ließen sich nicht abschütteln. Bei der Autobahnausfahrt Schwandorf-Mitte versuchte es der Dieb mit einer Verzweiflungstat: Er wechselte die Straßenseite und wollte in umgekehrter Richtung wieder nach Norden fahren.

Sehen Sie hier ein Video zu dem Vorfall:

Die Verfolgungsjagd endete in der Leitplanke.

Die beiden Polizisten entschlossen sich zu einem „Rammstoß“, dem letzten Mittel, um ein Auto mit einem Flüchtigen zu stoppen. Dabei drängten sie den gestohlenen BMW an die Leitplanke. Damit war die Verfolgungsjagd allerdings noch nicht zu Ende. Mit einem Sprung über die Leitplanke ergriff der Dieb die Flucht in Richtung Wackersdorf. Vier Warnschüsse gaben die leicht verletzten Beamten ab, bis der Ungar schließlich nahe der Autobahn aufgab. Der mit Amphetaminen aufgeputschte Autodieb wurde ebenfalls leicht verletzt.

Falschfahrer

  • Gefahr:

    Erst am 24. September verursachte ein 36-Jähriger, der betrunken auf der falschen Seite der A 93 unterwegs war, einen schweren Unfall. Der 36-Jährige hatte nicht einmal einen Führerschein.

  • Ursachen:

    Neben Unachtsamkeit oder Unübersichtlichkeit bei Baustellen sind Autofahrer immer wieder auch in Selbstmord-Absicht auf der falschen Seite der Autobahn unterwegs.

Seelisch belastend auch für Polizisten trotz spezieller Ausbildung

Dass die beiden Polizisten den Flüchtigen geistesgegenwärtig stoppten, bevor seine Geisterfahrt zu Toten und Verletzten geführt hätte, ist einer speziellen Ausbildung für solche Notfälle zu verdanken. Gefährliche Einsätze wie dieser bleiben auch bei routinierten Beamte nicht ohne Wirkung. Für den Fall, dass Kollegen mit den psychischen Folgen eines extremen Einsatzes zu kämpfen haben, gebe es bei der Polizei ein „enges Netzwerk, um Kollegen bei Bedarf aufzufangen“, sagt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz, von der Präsenz des Vorgesetzten vor Ort über das Gespräch mit Kollegen bis hin zum Einsatz eines externen Psychologen.

Der Schaden an den beiden Fahrzeugen ist hingegen Nebensache, auch wenn sich die Versicherungen mit zwei Totalschäden in Höhe von rund 80 000 Euro beschäftigen müssen.

Mehr Bilder von dem Vorfall auf der A 93 sehen Sie hier:

Schwandorf: Schüsse auf der A 93

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