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Jeder kann in der Corona-Krise helfen

Nittenauer Bürger und Mitglieder des Vereins Flying Help nähen Atemmasken für Einrichtungen. Die Anleitung gibt es auf Video.
Von Renate Ahrens

Andrea Goldhahn näht unermüdlich einen Mundschutz nach dem anderen. Foto: Michael Goldhahn
Andrea Goldhahn näht unermüdlich einen Mundschutz nach dem anderen. Foto: Michael Goldhahn

Nittenau.Leise rattert die Nähmaschine, unermüdlich entsteht unter den geschickten Händen von Andrea Goldhahn ein Mundschutz nach dem anderen. „Inzwischen haben wir den Dreh raus“, sagt ihr Mann Michael Goldhahn, der die benötigten Teile nach einem Schnittmuster aus Stoff ausschneidet. Nur zehn Minuten brauchen sie inzwischen für eine Maske.

„Am Anfang dauerte es eine Stunde, außerdem hat der Draht nicht gehalten und die Maske hat sich aufgelöst. Doch nun haben wir eine einfachere und auch bessere Anleitung ohne Draht“, sagt Goldhahn, Gründer und Vorstand des Vereins Flying Help, der Soforthilfe für Flüchtlinge und Menschen in Not bietet.

Die fertig genähten Masken werden an Pflegeeinrichtungen und Katastrophendienste geliefert. Foto: Goldhahn
Die fertig genähten Masken werden an Pflegeeinrichtungen und Katastrophendienste geliefert. Foto: Goldhahn

Und da diese Schutzmasken zurzeit in Kliniken, Arztpraxen oder bei Hilfsaktionen knapp sind und dringend benötigt werden, hat der Verein Flying Help sogar eine Anleitung auf seiner Homepage veröffentlicht – mit der Hoffnung, viele Bürger würden Masken nähen und sie an den Verein schicken. Den Anstoß für die Aktion gab Isabell Goldhahn, eine Nichte des Vereinsgründers und Ärztin in Regensburg. „Sie hat uns die ernste Lage geschildert, sollten die Lieferengpässe länger andauern.“

Die Hilfsbereitschaft ist überwältigend

Und tatsächlich – die Hilfsbereitschaft der Bürger nach einer Woche sei überwältigend. Immer wieder werden Pakete abgegeben – mal mit zehn, mit 50 oder mehr selbstgenähten Masken darin. Alles, was dafür benötigt wird, habe fast jeder Haushalt, ist Goldhahn überzeugt, wie Pappe für die Schablone, Klebeband, Gummiband und Stoff – und eine Nähmaschine. Als Stoff eignen sich alte Laken, Taschentücher oder Tischdecken – am besten kochfest, sagt Goldhahn.

Mit dieser Anleitung können Sie selbst Schutzmasken nähen:

Viele würden die Masken nämlich sogar schon nach Gebrauch waschen und zum Trocknen aufhängen. Nicht nur weiße Masken werden übrigens fertiggestellt, sondern bayerisch-weiß-blaue, bunte mit Sternenmuster oder gestreifte – sie sehen hübsch aus und man ist froh um jede.

Großer Teil bereits gespendet

Nach dem Aufruf bekam Flying Help außerdem spontan 15.000 Einwegmasken gespendet. Ein großer Teil wurde ans Krankenhaus Regensburg geliefert, jeweils 1000 außerdem an die Berufsfeuerwehr Regensburg, an die Bayerische Luftrettungsstaffel und an die Klinik Donaustauf sowie 500 an das BRK-Pflegeheim Hildegard von Bingen in Regensburg. Immer wieder gibt es Anfragen der Hilfsdienste an den Verein – kürzlich auch vom Gesundheitsamt Schwandorf.

Michael Goldhahn betont, die selbst gefertigten, provisorischen Masken können den Träger zwar nicht vor einer Infektion schützen, aber sie verhindern bei einem Virusträger die Weiterverbreitung sehr effektiv. Die Viruspartikel seien so klein, dass diese das Material problemlos durchdringen könnten.

Mundschutz nähen nach Anleitung

  • Bitte:

    Jeder kann genähte Masken an Flying Help, Steinweg 5, 93149 Nittenau schicken, Tel. (0 94 36) 5 60 78 99.

  • Verteilung:

    Die fertig genähten Masken werden an Pflegeeinrichtungen und Katastrophendienste geliefert.

  • Anleitung:

    Auf www.flying-help.de kann sich jeder die Anleitung herunterladen, ein Video erklärt die Schritte.

Nur wenn eine infizierte Person einen Mund-Nasenschutz trage, sei dies sinnvoll, denn so könne zumindest beim Niesen und Husten eine gewisse Menge an Viren zurückgehalten werden, und der Radius des Sprühnebels mit virushaltigen Tröpfchen werde so deutlich verkleinert. „Natürlich kann man die Anleitung auch für den Eigengebrauch verwenden“, versichert Goldhahn.

Verein unterstützt Flüchtlinge auf Kos

Und so ist man sehr froh über die rasche und unkomplizierte Unterstützung des Vereins Flying Help, der sonst vor allem in der Betreuung von Flüchtlingen auf der griechischen Insel Kos aktiv ist. Und diese Hilfsbedürftigen auf Kos vergessen die Mitglieder auch während der Corona-Krise nicht, betont Goldhahn.

Jeder kann genähte Masken an Flying Help schicken. Foto: Goldhahn
Jeder kann genähte Masken an Flying Help schicken. Foto: Goldhahn

Allein Babynahrung werde jeden Monat im Wert von 3000 Euro dort gekauft und verteilt. „Die Lage ist dramatisch.“ Seit Juli 2015 ist bis heute ein ehrenamtliches Team mit zehn Mitgliedern des Vereins vor Ort, um Geflüchteten zu helfen. Für das einzige Krankenhaus in Kos wurden nun auch 5000 Einwegmasken versendet.

Gegründet wurde Flying Help im Jahr 2006 in Nittenau. In Deutschland leistet Flying Help zum Beispiel Hausaufgabenhilfe und Sprachunterricht für Flüchtlingskinder als Beitrag zur Integration. Natürlich seien Geld- oder Sachspenden immer willkommen.

Dringend gesucht würden außerdem ehrenamtliche Helfer im Landkreis Schwandorf, speziell aus Nittenau und Umgebung, zum Beispiel als Fahrer, als Betreuer für Vereinspatenschaft oder für Deutschunterricht. Auch mit einer Mitgliedschaft unterstützt man den Verein.

Über alle aktuellen Entwicklungen in der Coronakrise halten wir Sie in unserem Newsblog auf dem Laufenden.

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