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Bildung

Der Dialekt gewinnt an Bedeutung

Neunburger Realschüler haben die Vielfalt und die Eigenheiten der in der Region gesprochenen Mundarten erfasst.
Von Tanja Kraus

  • Zur Einstimmung auf den kurzweiligen Abend trugen die Schüler der Schulband das Lied „Wejderawöll“ vor. Foto: gkt
  • Auch Rektorin Diana Schmidberger und Landrat Thomas Ebeling waren wie viele andere Gäste in Tracht erschienen. Foto: gkt

neunburg.Etwas Prägnanteres als der Dialekt steht kaum für Tradition. Man kann ihn durchaus für eine Fremdsprache halten, ist man nicht ein klein wenig mit Bayern verbunden. Die Gregor-von-Scherr-Schule ist eine von fünf Bildungseinrichtungen in Bayern und von diesen die einzige Realschule, die im Schuljahr 2015/16 den Zuschlag für ein Dialektprojekt im Rahmen der Sparte „MundART WERTvoll“ des von Ministerpräsident Horst Seehofer im Jahr 2010 initiierten „Wertebündnisses Bayern“ erhielt.

Zur Abschlusspräsentation des Dialektprojekts „Lebendige Mundart – dargestellt in einem illustrierten Sachgruppenwörterbuch“ begrüßte Schulleiterin Diana Schmidberger neben Landrat Thomas Ebeling auch Ingrid Ritt, Assistentin der Geschäftsführung Wertebündnis Bayern.

Die Schüler der AG Dialekt unter Leitung von FOL Maria Schießl hatten sich intensiv mit den Varietäten des Bairischen auseinandergesetzt und ein illustriertes Sachgruppenwörterbuch geschaffen, welches im Oktober im Maximilianeum in München vorgestellt wird und zukünftig Lehrkräften als Unterrichtsmaterial dient.

Alle Texte zum Mitlesen

Zur Einstimmung auf den kurzweiligen Abend trugen die Schüler der Schulband das Lied „Wejderawöll“ vor. Um auch dialektunkundigen Gästen das bessere Verständnis zu erleichtern, wurden alle Texte des Abends auf zwei Leinwänden gezeigt. Eine Mundartadaption von Eric Claptons „Tears in Heaven“, vorgetragen durch Marina Kalb mit „Wenne de im Himmel seech“, überzeugte die Zuhörer, ja, auch die bairische Version steht dem Original in nichts nach!

Um die geografischen Unterscheidungen der Dialekte in der Region darzustellen, nahmen die Schüler Karten von Manfred Renn und Werner König zu Hilfe. Die Schulregion liegt dabei im Nordmittelbairischen und erstreckt sich von Schönsee im Norden bis nach Nittenau im Süden und weist neben den grundsätzlichen Gemeinsamkeiten zum Teil deutliche Dialektunterschiede auf. Am markantesten zeigt sich dies in Muschenried. Auf humorvolle Weise wurden die Eigenheiten in einem Gedicht „Baierin und der Bauer“ durch Veronika Götz hervorgehoben.

Besonders viel Mühe haben sich die Schüler mit der Sachgruppe der Hausnamen gegeben. Um die vielen gleichlautenden Namen zu unterscheiden, gibt es die ortsüblichen Hausnamen. Am Beispiel von drei Herren aus Oberviechtach, die alle Hans Roßmann heißen, wurde die Unterscheidung dargestellt: Da wird aus den gleichlautenden Namen der Büldhauer-Hans, Girtlwewer-Hans und der Waisgawer-Hans. Auch die ortseigenen Zuordnungen wurden erarbeitet, verbunden mit Vornamen, Berufsbezeichnung und auch Ortsbezeichnung.

Anhand der „Gschicht vom Suppmkaschper“ wurde auf die Personencharakterisierung eingegangen und auch der selbstentworfene „Dialekt-Säppl“ mit korrekten Bezeichnungen der Körperteile durfte nicht fehlen. „Viel’ Steine gab’s und wenig Brot“, mit dieser charakteristischen Darstellung der ärmlichen Lebensverhältnisse der früheren Oberpfalz erklärt sich die einfache, aber auch deftig-herzhafte Küche der Region. Viel Milch-, Mehl-, Eier- und Kartoffelspeisen sind heute noch beliebt, Fleisch gab es wenig, dafür aber einen großen Variantenreichtum der Rezepte. Die Schüler hatten in einem Kochkurs diese Rezepte ausprobiert, und auch sie finden einen Platz im Sachgruppenwörterbuch. Zum Thema Pflanzen und Tiere haben die Schüler Domino- und Memoryspiele entworfen, um Dialektkundige und -unkundige zu beschäftigen und Wissen aufzufrischen.

Lang anhaltender Applaus

Das Brauchtum verbindet mehrere Sparten: Das Kalenderjahr mit seinen Arbeiten, die Kirchentage und auch die Bräuche innerhalb der Musik sind Themen, die in keiner Arbeit über den Dialekt Bayerns fehlen dürfen. Gerade hier zeigen sich die dialektischen Unterschiede zum Rest Deutschlands, denn wer weiß schon außerhalb Bayerns, was „Biefen“ sind, der „Prangertag“ oder „Gstanzln“? Ein eigenes Lied konnten die Schüler mit dem Liedermacher Hubert Treml, der den ganzen Abend musikalisch begleitete, verfassen: Anlehnend an die bekannte Rede des Bürgerrechtlers Martin Luther King „I have a Dream“ wurde deutlich, dass sich der Dialekt auch für tiefgründige Themen eignet. Mit „I ho an Dram“ zeigte der Schulchor die gelungene Auswahl der Musikgattung, der Melodie und die gute Zusammenarbeit mit den Lehrern Michael Zimmerer und Ulrich Huf. Der lang anhaltende Applaus bestätigte die Projektarbeit und ihr Anliegen: „Dialektpflege bedeutet nicht das Anbeten der Asche, sondern das Weitertragen der Glut!“

Aktuelle Nachrichten aus dem Raum Neunburg lesen Sie hier.

Projekt „Lebendige Mundart“

  • Zielsetzung

    : Auf wissenschaftliche, kulturhistorische, sprachkreative, kulinarische, spielerische und musikalische Art und Weise die Merkmale und Unterschiede des heimischen Dialekts in Lautung und Wortschatz für ein Sachgruppenwörterbuch herauszuarbeiten.

  • Beteiligte Schüler:

    AG „Dialekt“, Schulchor, Schulband, Schüler der Jahrgangsstufen 5/6/7/9

  • Lehrkräfte:

    Ulrich Huf, Marion Schärtl, Michael Zimmerer

  • Musikalische Unterstützung

    : Dr. Hubert Treml, Liedermacher

  • Themen:

    Dialektgeografie, Hausnamen, Personencharakterisierung, Ernährung, Tiere und Pflanzen, Brauchtum, Musik.

  • Partnerschulen im Wertebündnis:

    Grundschule Füssen-Schwangau, Ortenburg-Gymnasium Oberviechtach, Karl-von-Closen-Gymnasium Eggenfelden, Neues Gymnasium Nürnberg, Gymnasium Neutraubling (gkt)

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