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Energie

Die Netzleitstelle wird erweitert

Die neuen Energieformen erfordern einen erhöhten Bedarf an Netzberechnungen. Dafür sind neue Büros in Neunburg notwendig.
Von Ralf Gohlke

  • Die Netzleitstelle der Bayernwerk AG in Neunburg wird erweitert. Der Bauausschuss hat dazu das gemeindliche Einvernehmen erteilt. Foto: R. Gohlke
  • Die Einweihung 2007 bot die letzte Möglichkeit für die Öffentlichkeit, einen Blick in die hochgesicherte Schaltzentrale zu werfen. Foto: Archiv/Gohlke
  • Der Anbau an die Netzleitstelle erhält ein sehr modernes Aussehen. Entwurf: Büro Steidl

Neunburg.Acht Jahre nach der Inbetriebnahme der Mittelspannungs-Netzleitstelle am „Bärnhof“ in Neunburg plant jetzt die Bayernwerk AG eine große Erweiterung. Antragsteller für den geplanten Anbau sind die Stadtwerke als Eigentümer der Immobilie, die Ende der 80er Jahre bis zum Jahr 2000 unter dem Begriff „Solar-Wasserstoff-Anlage“ einen Bekanntheitsgrad weit über die Landesgrenzen hinaus erlangte. Bis 1999 besuchten rund 130 000 Interessierte aus über 100 Ländern das angegliederte Ausstellungs- und Informationszentrum, das einen Einblick in die umfassende Forschungsarbeit zur Nutzung von Wasserstoff als Energieträger vermittelte.

Während die Stadtwerke Neunburg und der Wasserlieferzweckverband Nord-Ost-Gruppe aus ihren viel zu engen Räumlichkeiten in der Wassergasse in die nach Ende des Projektes freiwerdenden Labor-, Büro- und Werkstatträume umzogen, baute die Bayernwerke AG, damals noch unter dem Namen E.ON Bayern, das Informationszentrum zu einer der seinerzeit schon modernsten Netzleitstellen um. Seinerzeit umfasste der Aufgabenbereich der Leitstelle mit ihren derzeit rund 50 Mitarbeitern die Überwachung und Steuerung von 44 000 Kilometern Mittelspannungsfreileitungen, 800 ferngesteuerte Umspannwerke und Schalthäuser, 44 000 Ortsnetzstationen, 6500 Kilometer Gasleitungen und 800 Gasdruckregelanlagen. Ständig wurden rund 14 000 Messwerte und 30 000 Schalterstellungsmeldungen an die Leitstelle übertragen und im Prozessrechner verarbeitet. Inzwischen sind es 48 000 Kilometer Mittelspannungsnetz und rund 48 000 Trafostationen sowie weitere 5000 Kilometer Gasnetz.

„Aus der Sicht der Stadt ist die geplante Erweiterung besonders erfreulich“, betonte Bürgermeister Martin Birner bei der öffentlichen Sitzung des Bauausschusses. Er sah darin ein deutliches Bekenntnis der Bayernwerk AG zum Standort Neunburg. Verbunden sei damit selbstverständlich eine Verlängerung des bestehenden Mietvertrages. „Alle Investitionen und Maßnahmen bedeuten in ihrer Summen eine Absicherung und eine enorme Aufwertung für den Standort Neunburg“. Einstimmig erteilte der Bauausschuss dem Vorhaben das gemeindliche Einvernehmen.

Maximilian Zängl, Pressesprecher der Bayernwerke AG Regensburg teilte auf Nachfrage der Mittelbayerischen Zeitung mit, dass die Erweiterung in erster Linie Büroräume und einen Besprechungsraum umfassen werde. „Die neuen Energieformen, insbesondere die Photovoltaik, erfordern einen erhöhten Bedarf an Netzberechnungen, die hier erfolgen sollen“, erklärt Zängl den Hauptgrund für die Erweiterung. Die Umsetzung sollte „sobald als möglich“ erfolgen.

Mit der Planung des Anbaues wurde erneut das Neunburger Architektur Steidl beauftragt, welches das gesamte Areal seit Baubeginn überplant hat. Auch bei dem jüngsten Entwurf für die Erweiterung setzt Michael Steidl auf einen fast futuristisch anmutenden Baukörper.

Historie des Standortes

  • Solar-Wasserstoff-Anlage:

    Ursprünglich war das Forschungsprojekt bereits Ende September 1986 in Zusammenarbeit mit der 1983 gegründeten Ludwig Bölkow-Stiftung geplant. Erst 1989 nahm die „Solar Wasserstoff Bayern GmbH“ eine Tochter der Bayernwerk AG, später E.ON-Bayern, den Betrieb in Neunburg auf. Beteiligte Firmen waren zudem BMW (10 %), Linde AG (10 %), Siemens (10 %) und MBB beziehungsweise ab 1989 DASA bis 1994.

  • Zielsetzung:

    die Vision einer CO²-freien Energieversorgung durch Solarenergie. Die damit erzeugte Spannung wurde zur Trennung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff genutzt. Das Projekt endete 2000.

  • Netzleitstelle:

    Im Juli 2007 begann nach dem Umbau des ehemaligen Informationszentrums mit einem Volumen von rund 11,5 Millionen Euro die Testphase für die seinerzeit bundesweit modernste Anlage zur Steuerung des Mittelspannungsnetzes von E.ON Bayern. 42 Mitarbeiter nahmen damals den Betrieb auf, am 27. September 2007 erfolgte die offizielle Einweihung. Den „Normalbetrieb“ nahm die Netzleitstelle im Oktober 2007 auf.

  • Büro-, Labor- und Werkstattgebäude:

    Die Stadtwerke und Nord-Ostgruppe bezogen 2001 die sanierten die Gebäude und übernahmen die Solaranlage zur Stromerzeugung. 2003 wurde dort die 100-Jahr-Feier ausgerichtet.

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