MyMz
Anzeige

Kunst

Experimentierfreudig und stilsicher

Eine Ausstellung im Schwarzachtaler Heimatmuseum zeigt einen repräsentativen Querschnitt des Oeuvres von Michaela Krinner.
Von Ralf Gohlke

  • Es gibt viel zu entdecken bei der Sonderausstellung zum 100-Jährigen der Malerin Michaela Krinner im Schwarzachtaler Heimatmuseum. Fotos: ggo
  • Ingeborg Viertl, Burga Männer und Evi Schmid (von links) umrahmten als „Die Klanghölzer“ die Eröffnung.
  • „Time to say goodbye“ nannte Manuela Krinner ihr Selbstporträt in Öl, das sie mit 91 Jahren schuf.
  • Bürgermeister Martin Birner, Hannelore Bohm vom Museumsverein Laufen und Museumsleiter Theo Männer (von links) neben einem späten Selbstporträt

Neunburg. „65 Jahre ihres Lebens hat sie nicht in Neunburg gewohnt, trotzdem betrachtete sie die alte Pfalzgrafenstadt als ihre Heimat“, betonte Museumsleiter Theo Männer am Sonntag bei der festlichen Eröffnung der Sonderausstellung „100 Jahre Michaela Krinner – Ein Leben für die Malerei“. Ein Beweis dafür sind unter anderem die zahlreichen Bilder der Künstlerin im Privatbesitz vieler Neunburger, die zum Teil nicht einmal im offiziellen Werkverzeichnis der vielseitigen Malerin zu finden sind. Sie ergänzen als Leihgaben die Ausstellung, die beeindruckend die innige Verbindung zu ihrer Kunst und gleichzeitig die enorme Wandlungsfähigkeit ihres künstlerischen Schaffens durch eine Vielzahl von Techniken verdeutlicht.

Dank an Leihgeber und Sponsoren

Der Bedeutung der Malerin für Neunburg und dem Anlass entsprechend, fand die Ausstellungseröffnung diesmal nicht in der gewohnten „Enge“ des Museums sondern im historischen Schlosssaal statt. „Die Klanghölzer“ (Ingeborg Viertl, Burga Männer und Evi Schmid) stimmten musikalisch darauf ein, bevor Bürgermeister Martin Birner eine Reihe von Gästen namentlich willkommen hieß. Darunter waren neben den anwesenden Leihgebern auch Hannelore Bohm, Vorsitzende des Museumsvereins Laufen (Berchtesgadener Land), die sich dem künstlerischen Erbe von Michaela Krinner in besonderer Weise angenommen hat. Nicht unerwähnt ließ er auch die Sponsoren, die geholfen haben, die Sonderausstellung zu finanzieren. Darunter waren neben der Sparkasse im Landkreis Schwandorf mit Gertrud Stadlbauer, Barbara Mayer, Dr. Friedl Brych, Dr. Peter Deml sowie Herbert und Theo Männer auch eine Reihe von privaten Unterstützern zu finden.

Theo Männer stellte in seinen einführenden Worten fest, seinerzeit sogar Schüler von Michaela Krinner gewesen zu sein. Ausführlich schilderte ihren Lebensweg, der in ihrer Geburtsstadt Waldmünchen begann, wo sie am 19. September 1915 das Licht der Welt erblickte und im Anschluss die ersten 16 Jahre ihres Lebens verbrachte. Die Verbindung nach Neunburg entstand durch ihre Mutter, die aus der Brauerdynastie Frank stammte. Michaela Krinner wurde durch den frühen Tod ihres Vaters mit noch nicht einmal einem Jahr Halbwaise. 1931 holte ihr Onkel Michael Frank die Familie nach Neunburg, wo sie zunächst in der Ambergerstraße und später in der Ledererstraße wohnten. Mit Bestnoten, außer in „Mathe“, absolvierte Krinner ihre Ausbildung zur Lehrerin in der Bildungsanstalt der Ursulinerinnen in Straubing und erhielt 1937 das Reifezeugnis. Rötz, Amberg und Schönsee waren laut Männer Stationen, in denen sie während der Kriegszeiten als Referendarin eingesetzt war. Mit dem „Kriegsexamen“ in der Tasche wurde sie 1942 endgültig zur Lehrerin und wirkte fortan als Zeichenlehrerin an der Lehrerbildungsanstalt in Polling bei Weilheim.

Gleichzeitig nahm sie ein Studium bei Professor Anton Marxmüller an der Kunstakademie München auf und kehrte kurz vor Kriegsende nach Neunburg zurück. „Da an der Knabenschule aufgrund des Krieges und der Entnazifizierung Lehrermangel herrschte, wurde Michaela als Lehrerin angestellt“, schilderte Männer. Neben den vielen Fächern, die sie unterrichten durfte, hätten ihr Zeichnen und Theaterspielen am meisten Freude bereitet. Als talentierte Lehrerin habe ihre Schüler so begeistert habe, dass daraus Freundschaften entstanden seien, die bis zu ihrem Tod 2006 bestanden hätten.

Schülerin von Oskar Kokoschka

Ihrer Kunst trug sie im Weiteren Rechnung durch Studien bei dem Postimpressionisten Prof. Walter Dolch in Amberg. Nach einer kurzen Phase als Lehrerin an der hiesigen Mädchenschule, in der einige Porträts junger Neunburgerinnen entstanden, verließ sie 1951 die Pfalzgrafenstadt, um in Helmbrechts und Murnau zu unterrichten. Dabei lernte sie den Sohn des Malers Max Beckmann kennen, der ihr dringend empfahl, die Sommerakademie von Oskar Kokoschka in Salzburg zu besuchen. Drei Semester besuchte sie in den Jahren 1956 bis 1958 diese „Schule des Sehens“, die ihre künstlerische Auffassung massiv verändert habe. Kokoschka gab seiner „lieben, renitenten Schülerin“ (Zitat) die entscheidenden Impulse für ihren ganz eigenen und persönlichen Stil.

Theo Männer streift den weiteren Werdegang Krinners, der unter anderem geprägt gewesen sei von ihrem Umzug nach Tutzing in das legendäre „Midgard-Haus“ und einem vierjährigen „Intermezzo“ an einer internationalen Schule in Fontainebleau bei Paris. Erneut habe sich ihr Stil gewandelt, in dessen Formensprache nun geometrische Elemente einflossen sowohl in den Porträt als auch in der Landschaftsmalerei. Noch 32 Jahre sollte schließlich ihr letzter Lebensabschnitt dauern, der 1974 mit ihrem Umzug nach Laufen an der Salzach begann, wo sie bis zu ihrem Lebensende künstlerisch weiter arbeitete, nachdem sie 1978 mit dem Lehrer-Beruf abgeschlossen hatte. In den 70er Jahren seien Tusche und Federzeichnungen Schwerpunkt ihres Schaffens gewesen, in den 80er Jahren hielt sie die Eindrücke ihrer Reisen in Mittelmeerländer künstlerisch fest und experimentierte mit Grafiken und freier Abstraktion. „Es sind aber die realen Dinge des Lebens, die mich begeistern“ soll sie immer betonte haben.

Krinner-Ausstellung

  • Leihgeber:

    Museum Laufen e.V., Schwarzachtaler Heimatmuseum Neunburg, Theo Männer, Dr. Friedrich Brych, Barbara Mayer, Gertrud Stadlbauer, Ludwig Meixner, Christl Sieß, Karl-Heinz Probst und Rudi Schmid

  • Öffnungszeiten:

    18. und 25. Oktober 14 bis 16 Uhr; 1. November Allerheiligen 10 bis 12 Uhr; Burgadvent 11. Dezember 18 bis 20 Uhr, 12. Dezember 17 bis 20 Uhr, 13. Dezember 14 bis 20 Uhr; 27. Dezember und 3. Januar von 14 bis 16 Uhr

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht