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Interesse an Begegnungen ist groß

Seit einem Jahr wird an dem Netzwerk zur Hilfe von Flüchtlingen gesponnen: Mit Erfolg, wie Bürgermeister Birner feststellt.
Von Ralf Gohlke

Bei einem Experiment im „Café International“ stellte sich heraus, dass deutsche Brotsorten durchaus eine Herausforderung sein können.
Bei einem Experiment im „Café International“ stellte sich heraus, dass deutsche Brotsorten durchaus eine Herausforderung sein können. Foto: R. Gohlke

Neunburg. Gut ein Jahr ist es jetzt her, dass in der Unterkunft in der ehemaligen Pfalzgraf-Johann-Kaserne rund 150 Asylbewerber aus vielen Krisenregionen in Europa und Nordafrika zumindest vorübergehend eine Bleibe gefunden haben, die ihnen und zum Teil auch ihren Familien Sicherheit bietet. Dennoch bedürfen sie über die Unterkunft hinaus der Unterstützung für ein Leben in einem fremden Land, mit einer für sie fremden Kultur und vor allem einer, in der Regel unverständlichen Sprache. Bei der großen Zahl der Bewohner stand von vornherein fest, dass die professionelle und hauptamtliche Unterstützung nicht ausreichen würde. Das lehrten auch die Erfahrungen aus anderen Regionen.

Schnell installierte sich daher in der Stadt Neunburg der „Arbeitskreis Asyl“, dessen Aufgabe es sein sollte, die ehrenamtliche Hilfe anzuregen und vor allem zu koordinieren.

EMMA-Laden als echter Treffpunkt

Als „Schnittstelle“ zwischen der haupt- und der ehrenamtlichen Arbeit fungiert die Sozialberaterin der Asylberatungsstelle der Caritas, Andreea Bercea. Sie vermittelt die Anliegen und Hilfeersuchen der Bewohner und leitet sie an die ehrenamtlichen Helfer und Unterstützer weiter. „Das ehrenamtliche Engagement in Neunburg ist sehr gut“, zieht sie auf Nachfrage unserer Zeitung eine erste, durchweg positive Bilanz. Besonders hebt sie dabei die katholische Pfarrei St. Georg hervor, die mit ihrem „Café International“ einen enormen Beitrag leiste. Gleiches galt aber auch für die Vereine, die immer wieder Freizeitangebote offerierten, oder den „EMMA-Laden, der sich zunehmend zu einem echten Treffpunkt zwischen den Neunburgern und den Bewohnern entwickle.

Arbeitskreis Asyl in Neunburg

  • Zusammensetzung:

    Unter Leitung von Bürgermeister Martin Birner oder 2. Bürgermeisterin Margit Reichl besteht das Gremium aus Vertretern der Verwaltung, der Kirchen, der Leiter der Schulen und Kindergärten, des Sozialen Netzwerks, des Islamischen Kulturkreises, der Polizei, einiger Vereine, des Stadtrates und der Caritas-Sozialberatung.

  • Zusammenkünfte:

    In der Regel tagt das Gremium vierteljährlich. Bei besonderen Projekten, die nicht alle betreffen, können auch kurzfristig Sitzungen anberaumt werden.

  • Aufgabenstellung:

    Der Arbeitskreis Asyl unterstützt die Arbeit der hauptamtlich mit der Betreuung der Asylbewerber Beschäftigten. Dazu sucht er ehrenamtliche Helfer für bestimmte Aufgabenfelder, zum Beispiel Sprachpaten, Freizeitgestaltung, Einführung in die heimische Kultur und koordiniert deren Arbeit.

  • Teilnahme:

    Eine feste Hierarchie oder einen Mitgliedsstatus gibt es in dem Gremium nicht. Jeder, der seine Fähigkeiten einbringen möchte, ist jederzeit gern gesehen.

Seit Beginn – im Frühjahr 2015 – verzeichnete sie zudem eine deutliche Steigerung der Zusammenarbeit. „Das liegt vor allem an der Herkunft der Asylbewerber“, ist sie sicher. Diese sei der Grund dafür, dass ein längerfristiges Bleiberecht wahrscheinlicher werde und damit auch die Angebote eher längerfristig ausgelegt werden könnten. Derzeit liege die durchschnittliche Belegung bei rund 120 Asylbewerbern aus unterschiedlichen Herkunftsländern mit einer unterschiedlich großen Anzahl von Kindern, die hier die Schulen und Kindergärten besuchen. Jüngste Sprosse seien zwei Babys, die am Wochenende zur Welt gekommen seien.

„Ich sehe, dass sich das Netzwerk rund um den Arbeitskreis Asyl seit über einem Jahr hervorragend entwickelt.“

Bürgermeister Martin Birner

„Ich sehe, dass sich das Netzwerk rund um den Arbeitskreis Asyl seit über einem Jahr hervorragend entwickelt“, betont auch Bürgermeister Martin Birner im persönlichen Gespräch. Er bezieht sich dabei unter anderem auf die Frühjahrssitzung, bei der Bilanz gezogen und neue Projekte angestoßen wurden.

Zur Lösung eines der größten Probleme, der gesetzlich verordneten Tatenlosigkeit bis zur Entscheidung über den Asyl-Status, konnten bereits zwölf Bewohner in Ein-Euro-Jobs vermittelt werden. Allein acht davon im Bereich der Unterkunft. Ein anerkannter Bewerber konnte in Absprache mit der Agentur für Arbeit sogar bereits eine feste Anstellung in der Gastronomie finden. Geplant seien weitere Gespräche mit den Unternehmen. Ein Problem sei dagegen noch, für Bewohner mit Anerkennung eine Wohnung zu finden. Diesbezüglich bat der Bürgermeister um entsprechende Angebote.

„Willkommen-Seite“ ist geplant

Martin Birner sieht das Sprachproblem ebenfalls als die größte Herausforderung, der sich der Arbeitskreis besonders annehme. Zwölf Kurse mit zehn ehrenamtlichen Lehrern konnten mittlerweile neben den professionellen Sprachkursen zusätzlich angeboten werden. Es konnte aber auch schon ein Übersetzer für arabisch gefunden werden. Ebenfalls als ehrenamtliches Zusatzangebot laufe die Mutter-Kind-Hilfe, neben der Schwangeren-Hilfe der Caritas.

Deutschkurse sind nach wie vor wichtigster Teil der Arbeit.
Deutschkurse sind nach wie vor wichtigster Teil der Arbeit. Foto: R. Gohlke

Weitgehend eigenständig seien die Asylbewerber inzwischen, was Arztbesuche oder Kontoeröffnungen betreffe, wo anfangs auch unterstützt werden mussten. Gut angenommen werde ein „Nähservice“ in der Unterkunft, der in Zukunft so gestaltet werden solle, dass er eigenständig laufe. Geplant sei unter anderem auf der städtischen Homepage eine „Willkommen-Seite“ einzurichten und auch der Bau eines Bushäuschens an der Zufahrt zur Unterkunft sei angeregt worden.

„60 bis 70 Besucher im Café International finde ich beeindruckend“, sagte Birner. Gezeigt habe sich, das dort schon viele engere Kontakte und Freundschaften entstanden seien. Bei Kaffee und Kuchen würde an den Tischen deutsch gelernt, gespielt oder würden auch schon mal Formulare ausgefüllt. Dieses Miteinander entwickle sich zunehmend auch im Kleiderladen „EMMA“, als echtem Treffpunkt. „Das Ziel unseres Netzwerkes muss es sein, die Menschen aus ihrer Anonymität heraus zu holen“, betonte Martin Birner zusammenfassend. Schließlich mache es einen Unterschied, ob man sich auf der Straße gegenseitig freundlich begrüße, oder nur aneinander vorbei laufe.

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