MyMz
Anzeige

Junge Truppe packt bei „EMMA“ an

20 Helfer bewältigen mittlerweile den Besucheransturm im Neunburger Kleiderladen. Auch zwei Syrer helfen mit.
Von Ralf Gohlke

Die beiden Syrer Hamza (zweiter von links) und Feras (rechts) helfen tatkräftig mit und unterstützen bei Verständigungsproblemen.
Die beiden Syrer Hamza (zweiter von links) und Feras (rechts) helfen tatkräftig mit und unterstützen bei Verständigungsproblemen. Foto: ggo

Neunburg.„Wir sind alle einfach nur happy“, strahlt Elke Reinhart als Initiatorin und ehrenamtliche Chefin des Kleiderladens „EMMA“ in der ehemaligen Bäckerei Bauer in der Neunburger Vorstadt. Seit der Eröffnung am 5. Oktober „brummt der Laden“ zu den Öffnungszeiten jeweils montags und freitags zwischen 16.30 Uhr und 18 Uhr. Anfangs bildeten sich sogar richtige Schlangen vor dem Eingangsbereich, bis endlich die Türen geöffnet wurden.

Der ehrenamtliche Helferstamm, der sich sowohl um die Annahme von Bekleidung, Schuhen, Spielzeug und ähnlichem annimmt, ist inzwischen auf rund 20 Personen angewachsen, männlich wie weiblich. Fünf der Damen haben mittlerweile die Schlüsselgewalt über den Laden und verwalten akribisch die Kasse. Ein bisschen stolz ist Elke Reinhart darauf, dass den beiden Syrern Hamza und Feras das Klima im Umfeld des Ladens anscheinend so gut gefallen hat, dass sie spontan ihre Mithilfe angeboten haben. Sie hätten sogar auf die ihnen zustehende „Entschädigung“ von etwas über einem Euro verzichtet, aber Reinhart hat dafür Sorge getragen, dass der ihnen gewährt wird.

Aus Bäckerei wird Kleiderladen

Dass der Laden einmal eine Bäckerei war, ist ihm inzwischen nicht mehr anzusehen. Dazu hat letztendlich auch Unternehmerin Myriam Becher beigetragen, die viel von der im eigenen Modehaus nicht mehr benötigten Ausstattung an Regalen und Kleiderständern für die Einrichtung spendiert hat. Zudem hat sie ebenfalls viel Spaß daran, während der Öffnungszeiten mit im Geschäft zu sein. „Hier entwickeln sich schnell neue und gute Bekanntschaften und mich überrascht jedes Mal wieder das angenehme Klima an Hilfsbereitschaft, das hier herrscht“, schwärmt sie.

Der Neunburger Kleiderladen „EMMA“ wird bestens angenommen.
Der Neunburger Kleiderladen „EMMA“ wird bestens angenommen. Foto: ggo

Im Gespräch mit der Mittelbayerischen Zeitung weist Elke Reinhart auf den durchaus erfreulichen Umstand hin, dass es sich bei den ehrenamtlichen Helfern um eine relativ junge Mannschaft „zwischen 16 und 65“ handelt. Vom Besuch eines Seminars für Rotkreuz-Einrichtungen dieser Art in Berlin weiß sie, dass „ein Altersschnitt über 80“ in ähnlichen Kleiderläden durchaus der Normalität entspräche. Für sie steht aber auch fest: „Das ganze Projekt lebt und stirbt mit dem Ehrenamt und seinen Helfern.“

Was sie auch positiv erwähnt ist, dass bei „EMMA“ gute und hochwertige Waren angeboten werden können. Damit werde der Laden seinem Slogan „Einfach Mode mehrfach anzieh’n!“, für den die Abkürzung EMMA steht, durchaus gerecht. Das liege unter anderem daran, dass die angelieferten Artikel großzügig aussortiert werden könnten. Artikel, die sich nicht mehr für den Verkauf eignen würden, gingen zur weiteren Verwertung in die Altkleidersammlung des Roten Kreuze, das zugleich Träger der Neunburger Einrichtung ist. Deshalb kann sie auch die eine oder andere „Neiddebatte“ nur schwer nachvollziehen.

Es gebe halt Menschen, deren Bedürftigkeit anerkannt werden müsse und die anderen, die hier auch mal ein modisches Schnäppchen machen könnten und dafür eben voll bezahlen müssten. „Die rund zehn Prozent Vollzahler brauchen wir dringend, um unsere laufenden Kosten wie Strom, Wasser und Heizung bestreiten zu können“, betont Reinhart.

Viele Neunburger stöbern im Laden

Umso mehr freut es sie, dass immer mehr Neunburger den Weg in den Laden finden. „Viele von ihnen haben nicht nur Spaß daran, uns ihre Sachen zu bringen sondern durchaus auch am Stöbern“. Da stünden dann auf einmal durchaus gut situierte Neunburger Bürger neben der alleinerziehenden Mutter, die ihre Tafel-Berechtigung oder den SAD-Pass in der Hand hält. Oder Asylbewerber, die auf der Suche nach Winterbekleidung sind. Daraus ergäben sich viele Möglichkeiten des gegenseitigen Kennenlernens und des Abbaues von Berührungsängsten. Einige kämen sogar schon allein aus diesem Grund.

Da spielen dann auf einmal auch die Sprachschwierigkeiten, die zwangsläufig bei den Asylbewerbern noch vorhanden sind, auf einmal keine so große Rolle mehr. Da werden die letzten Brocken Englisch aus frühen Schultagen zusammengekratzt und wo gar nichts mehr hilft, mit Händen und Füßen gestikuliert. Sogar Elke Reinhart nutzt die Gelegenheit, bei Hamza einige arabische Begriffe aufzuschnappen, was zwar nicht einfach ist, aber beiden einen Riesenspaß macht. Der sagt deshalb auf deutsch: „Elke ist wie große Schwester“. Schon jetzt freut sich das Team auf den nächsten verkaufsoffenen Sonntag, dann soll im Hof ein kleines Fest gefeiert werden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht