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Kraftwerk geht Ende Februar in Betrieb

Die Bauarbeiten an der Wasserkraftanlage „Eixendorf II“ schreiten zügig voran. Die Witterung begünstigte die Bauarbeiten.
Von Ralf Gohlke

Der Stahlbetontrog, der demnächst das komplette Kraftwerksmodul aufnehmen soll, ist fast fertig.
Der Stahlbetontrog, der demnächst das komplette Kraftwerksmodul aufnehmen soll, ist fast fertig. Foto: R.Gohlke

Neunburg. Die Bauarbeiten an der Wasserkraftanlage „Eixendorf II“ schreiten zügig voran. Bis auf die Außenverkleidung aus Lärchenholz ist das Betriebsgebäude unmittelbar am Wanderweg nach Hillstett bereits fertiggestellt. Gleiches gilt für einen Großteil der Betonarbeiten am künftigen Kraftwerkskanal neben der Sperrmauer, der das „bewegliche Kraftwerk“ aufnehmen wird. Begünstigt waren die Bauarbeiten unter anderem dadurch, dass es während der gesamten Bauphase nur zwei Starkregenereignisse gegeben hatte, die zu einer höheren Wasserführung in der Vorsperre gesorgt hatten. „Bis jetzt stehen die Zeichen günstig, dass der Kraftwerksblock bis Mitte Januar eingehoben werden kann und wir ab Ende Februar den regulären Betrieb aufnehmen können“, erklärte Dipl. Ing. Josef Keckl, Geschäftsführer der Bayerischen Landeskraftwerke auf Nachfrage der Mittelbayerischen Zeitung.

Frost behindert Bauarbeiten nicht

„Auf der Baustelle herrschen derzeit Minusgrade, aber die Arbeiten werden dadurch nicht behindert“, verdeutlicht der Projektleiter, Dipl. Ing. Jochen Zehender vor Ort. So konnte in den vergangenen Wochen der Bau des Kraftwerkskanals am Einschnitt in die Vorsperrenmauer zügig vorangetrieben werden.

Gerade sind die restlichen Vorbereitungen für die Betonierung des Auslaufs zum Stausee hin, weitgehend abgeschlossen worden. Nur wenige Teile der Schalung fehlen noch, bevor der nächste Beton verbaut werden kann. „Der Frost macht dem Beton nichts aus, weil er sich beim Härtungsprozess selbst erwärmt“, informiert Zehender. Zudem werde er vor dem Einbau leicht vorgewärmt. Daher sei auch die Verwendung von Frostschutzmitteln nicht erforderlich.

Ein Beitrag zur Fisch-Sicherheit

Projektleiter Dipl. Ing. Jochen Zehender erläutert den Stand der Baumaßnahmen am Wasserkraftwerk Eixendorf II an der Vorsperre.
Projektleiter Dipl. Ing. Jochen Zehender erläutert den Stand der Baumaßnahmen am Wasserkraftwerk Eixendorf II an der Vorsperre. Foto: ggo

Dem Werkstoff ausreichend Zeit zum Aushärten zu geben, sei ein wichtiger Aspekt für die spätere Haltbarkeit und Stabilität. Ein dickes Lob erhält dafür die Firma HABAU aus Österreich, welche sich im EU-weiten Ausschreibungsverfahren als wirtschaftlichster Bieter erwiesen hatte.

Gut erkennbar sind in den rund 1,10 Meter dicken Wänden bereits die Aussparungen für die Aufnahme der Drehlager für das gesamte Krafthaus einschließlich der Kaplan-Turbine und des Generators. Die Kaplan-Turbine ähnelt laut Zehender einer Schiffsschraube, dessen Flügel zudem verstellbar seien. Ihr Vorteil liege darin, dass dadurch auf Schwankungen in der Wasserzufuhr optimal reagiert werden könne.

Ein wichtiger Hinweis erging von Jochen Zehender auch zu den positiven Aspekten für die Ökologie, die sich aus der Wahl dieses Kraftwerkstyps ergaben. „Durch die bewegliche Lagerung des Krafthauses können Fische die Anlage sowohl unter- wie überschwimmen“, ergänzt der Bauleiter. Der Abstand der „Rechenzähne“ betrage maximal zwei Zentimeter, womit ein weiterer Beitrag zur Fisch-Sicherheit geleistet werde.

Jochen Zehender weist in dem Zusammenhang auch darauf hin, dass der Betrieb mit einem „Fischmonitoring“ durch die Technische Universität München begleitet werde.

Zudem sei das hier verwendete Modell der Firma HSI sogar zur Woche der Umwelt 2016 auf Einladung des Bundespräsidenten Joachim Gauck in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, im Park von Schloss Bellevue präsentiert worden. Es habe den Sprung in die engere Auswahl aus immerhin rund 2000 Bewerbern geschafft, erklärte der Projektleiter.

In Hillstett gehe es nun vordringlich darum, die Anlage fertig zu stellen. Was nur noch auf seine Außenverkleidung aus Lärchenholz und die technische Einrichtung warte, sei das Betriebsgebäude. Dieses sei in Absprache mit der Naturschutzbehörde beim Landratsamt Cham etwas weiter in Richtung Neunburg versetzt worden. Von dort werde die gesamte Anlage vollautomatisch gesteuert.

F.EE liefert die Steuerung

„Es hat uns übrigens gefreut, dass mit der Firma F.EE auch ein Neunburger Unternehmen beteiligt werden konnte“, sagte Zehender. F.EE zeichne verantwortlich für die elektronische Steuerungs- und Elektrotechnik samt Schaltschränken. Neben dem Gebäude platziert ist die Trafostation, über welche die Einspeisung des erzeugten Stroms ins Verteilernetz erfolgt.

Der Projektleiter ist zuversichtlich, dass bis spätestens Ende Januar 2017 das Krafthaus in die Betonwanne eingehoben werden könne. Dazu sei allerdings noch der Bau eines Stellplatzes für einen Autokran notwendig. Der müsse dann das rund 20 Tonnen schwere Objekt millimetergenau platzieren. Sobald dann alle Kabelverbindungen hergestellt seien, gehe es an den rund vier Wochen dauernden Probetrieb.

Im gleichen Zeitraum geht der Rückbau der Baustelleneinrichtungen und die Angleichung des Geländes an die ökologischen Gewässerstrukturen gemäß der vorgesehenen Planung vonstatten. Dabei würden zum Beispiel auch die Betonreste aus der Vorsperrenmauer, die jetzt noch auf dem Grund des Stausees lagern, wieder entfernt. Im Weiteren gehörten auch die ökologischen Ausgleichsmaßnahmen, wie etwa Anpflanzungen am Wanderweg dazu.

„Was den Bau des geplanten Fischaufstiegs betrifft, liegt der im Verantwortungsbereich des Wasserwirtschaftsamts“, stellte Jochen Zehender fest. Wo es allerdings Berührungspunkte gebe, wäre Unterstützung durchaus denkbar.

Die Wasserkraftanlage

  • Bauherr:

    Bayerische Landeskraftwerke GmbH, Nürnberg

  • Planung/Bauoberleitung:

    Lahmeyer Hydroprojekt GmbH, München

  • Bauausführung:

    HABAU Hoch- und Tiefbaugesellschaft m.b.H., Perg/Österreich

  • Maschinentechnik:

    HSI Hydro Engineering GmbH, Trier

  • Elektro- und Steuerungstechnik:

    F.EE GmbH, Neunburg vorm Wald

  • Bauzeit:

    September 2016 bis voraussichtlich Februar 2017

  • Technik:

    Die Wasserkraftanlage ist als sogenanntes „bewegliches Kraftwerk“ geplant. Bei diesem Kraftwerkstyp ist das gesamte Krafthaus mit Turbine und Generator beweglich gelagert und kann planmäßig ober- und unterströmt werden.

  • Komponenten:

    Bewegliches Kraftwerksmodul mit halbrundem Rechen und Unterwasserrechenreinigungsanlage, Abschwemmklappe, Turbine und Generator in einem Stahlbetontrog mit Drehlagerung und Hubzylinder sowie Revisionsverschlüsse im Ober-und Unterwasser, Steuerung: Alle Steuereinheiten sind in einem hochwassersicheren Betriebsgebäude am benachbarten Wanderweg untergebracht.

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