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Bildung

Mit Online-Quiz Lernerfolg abfragen

Dank WLAN geht die Neunburger Realschule im Unterricht neue Wege. Smartphones und Tablets sind dabei von zentraler Bedeutung.
Von Ralf Gohlke

Diese Realschüler checken nicht gerade ihre „Whatsapp“-Nachrichten sondern beschäftigen sich intensiv mit Reichskanzler Bismark.
Diese Realschüler checken nicht gerade ihre „Whatsapp“-Nachrichten sondern beschäftigen sich intensiv mit Reichskanzler Bismark. Foto: R. Gohlke

Neunburg.Im November 2016 startete die staatliche Gregor-von-Scherr-Realschule zusammen mit dem Landratsamt Schwandorf ihr eigenes, freies WLAN. Seither werden auch die sich daraus ergebenden Möglichkeiten für moderne Unterrichtsmethoden immer intensiver genutzt. Den Schwerpunkt dazu bildet des System BYOD (bring your own device). Damit können die Schüler mit ihren eigenen Smartphones oder Tablets, unabhängig von der IT-Ausstattung der Schule, in jedem Klassenzimmer auf alle wichtigen Netzwerke zugreifen. Im Rahmen eines Pressegespräches demonstrierten die Pädagogen Ferdinand Stipberger und Christian-Rudolf Bauer am Beispiel des Mathematik- und des Geschichtsunterrichts die ernormen Anwendungsmöglichkeiten, die daraus resultieren. Auch für eventuell mögliche Lücken in der Datensicherheit wurden Lösungen gefunden.

Mit dem Smartphone an die Tafel

Rektorin Diana Schmidberger, Bürgermeister Martin Birner und Landrat Thomas Ebeling waren ebenfalls im schuleigenen WLAN eingeloggt.
Rektorin Diana Schmidberger, Bürgermeister Martin Birner und Landrat Thomas Ebeling waren ebenfalls im schuleigenen WLAN eingeloggt. Foto: ggo

Am Anfang des Unterrichts erhalten die Schülerinnen und Schüler die für die jeweilige Stunde notwendigen Zugangsdaten über einen sogenannten QR-Code oder in Form einer normalen http-Adresse für das Internet. Es mutet für etwas reifere Menschen, die Schule noch unter ganz anderen Voraussetzungen erlebt haben, schon etwas ungewohnt an, wenn die Schüler aufstehen und mit gezückten Smartphone gen Tafel marschieren, um den QR-Code abzufotografieren. In einem „Voucher“ müssen sie ihren realen Namen und weitere Daten eintragen. „Damit lässt sich zweifelsfrei überprüfen, ob von dem jeweiligen Absender Aktivitäten ausgeführt wurden, welche die Sicherheit gefährdeten oder in anderer Hinsicht nicht in Ordnung waren“, informierte Rektorin Diana Schmidberger.

Der QR-Code wird von den Schülern abfotografiert, um die Internet-Zugangsdaten für die Unterrichtsstunde zu bekommen.
Der QR-Code wird von den Schülern abfotografiert, um die Internet-Zugangsdaten für die Unterrichtsstunde zu bekommen. Foto: ggo

Im Geschichtsunterricht von Christian-Rudolf Bauer nutzten die Schülerinnen und Schüler ihre Mobiltelefone, um gezielt im Internet nach Daten zum Thema „Imperialismus“ zu suchen. Schwerpunkte waren Reichskanzler Otto von Bismark und der Deutsche Kolonialismus. Das Wissen, dass sich die Schüler so individuell angeeignet hatten, überprüfte Bauer mit einem Online-Quiz. Dabei wurde sehr schnell deutlich, an welchen Stellen es zusätzlicher Informationen bedurfte.

Beim „flipped Classroom“ oder „umgedrehter Unterricht“, einer Unterrichtsmethode in der die Hausaufgaben und die Stoffvermittlung insofern vertauscht werden, als die Lerninhalte zu Hause von den Schülern erarbeitet werden und die Anwendung in der Schule geschieht, erklärte Ferdinand Stipberger in Mathematik die Anwendung von Winkelfunktionen. Auch hier kam ein Online-Quiz zur Überprüfung des Lernerfolgs zum Einsatz. Der Schüler mit dem Netznamen „Kartoffelpudding“ hatte die meisten richtigen Antworten. „Mit keiner anderen Lehrmethode lässt sich der Lernerfolg für die gesamte Klasse so effizient und schnell darstellen“, betonte Stipberger.

Die Vernetzung bietet zum Beispiel auch die Möglichkeit, dass der Lehrer Hausaufgaben „online“ einsehen oder die Schüler Fragen dazu stellen können, so Stipberger.

Eigene Geräte sind up to date

„Das Kollegium tauscht sich seit der Einführung deutlich mehr darüber aus, wie die neuen Möglichkeiten zu nutzen sind“, betont die Rektorin. Dies gelte gleichermaßen für die anzuwendende Technik als auch die pädagogischen Inhalte. So wurde in dem Pressegespräch deutlich, das natürlich auch die Lehrer im Umgang mit den neuen Medien geschult werden müssten.

„Eins ist aber auch klar, es wird für alle Schüler schwieriger, sich durchzumogeln“.

Rektorin Diana Schmidberger

„Der Unterricht verändert sich dadurch völlig, das kostet die Lehrkräfte viel Zeit, für die sie nicht entschädigt werden“, betonte dazu Konrektor Bernd Bischoff, zugleich in seiner Funktion als Bezirksvorsitzender des Bayerischen Realschullehrerverbands. „Tafel und Kreide werden wir aber deswegen nicht völlig ablegen“, unterstrich Rektorin Diana Schmidberger. Allerdings sei es mit den neuen Medien möglich, die Schüler dort abzuholen, wo sie inzwischen ohnehin zu Hause wären. Das wertvolle daran sei, dass viel mehr untereinander über die Lerninhalte gesprochen werde. Von diesem Austausch profitiere jeder.

Die Schulleiterin begründete den Schritt in diese Richtung unter anderem mit ökonomischen Gründen. Es sei kaum möglich, alle 600 Schüler mit einem Laptop auszustatten, der ohnehin in drei bis fünf Jahren veraltet sei. Mit ihren eigenen Geräten wären sie dagegen so gut wie immer auf dem neuesten Stand der Technik. „Eins ist aber auch klar, es wird für alle Schüler schwieriger, sich durchzumogeln“.

Sehr positiv bewerteten Landrat Thomas Ebeling und Bürgermeister Martin Birner den Vorstoß an der Realschule. „Wir stehen hier noch sehr am Anfang“, sagte der Landrat, war sich aber sicher, dass mit fortschreitender Standardisierung vieles einfacher werde.

Das BYOD-System

  • Definition:

    Die Abkürzung steht für „Bring Your Own Device (BYOD)“ und ist die Bezeichnung dafür, private mobile Endgeräte wie Laptops, Tablets oder Smartphones wie im Fall der Realschule Neunburg in das Netzwerk der Schule zu integrieren.

  • Organisation:

    Darunter verstanden werden auch Organisationsrichtlinien zur Regelung der Nutzung für schulische Zwecke, insbesondere für den Zugriff auf die jeweiligen Netzwerkdienste und das Verarbeiten und Speichern von Daten.

  • Vorteil:

    Statt der Beschaffung schuleigener Geräte, sollen die oft privat bereits verfügbaren Geräte der Lernenden auch für schulische Zwecke genutzt werden.

  • Risiko:

    Im Bereich der Schule ist der Einsatz von BYOD hinsichtlich der Prüfungsmodalitäten problematisch und erfordert die Überarbeitung von Prüfungsrichtlinien. Wenn Schüler ihre mobilen Endgeräte, auf denen sich sämtliche Unterlagen inklusive Tafelbilder befinden, mit in eine Prüfung nehmen können, brauchen sie dort nur noch abzuschreiben bzw. zu kopieren und einzufügen.

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