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Architektur

Moderne Architektur steht im Fokus

Die Architektenkammer hat die Netzleitstelle für die Architektouren 2016 als Beispiel aktueller Baukultur ausgewählt.

Der Anbau der Netzleitstelle im Bärnhof kann nach vorheriger Anmeldung am Sonntag besichtigt werden.
Der Anbau der Netzleitstelle im Bärnhof kann nach vorheriger Anmeldung am Sonntag besichtigt werden. Foto: Architekturbüro Steidl

Neunburg.Nur wenige Bürger wissen,, wo Bayerns Strom gesteuert wird und wo ein Signal aufleuchtet, egal ob in Aschaffenburg, Nürnberg, München oder Berchtesgaden der Strom ausfällt. Seit 2007 geschieht dies in der Mittelspannungsnetzleitstelle in Neunburg. Wenn bei Sonnenaufgang die ersten Strahlen über die Baumwipfel fallen und der Morgentau langsam an den Grashalmen hinabperlt, erhält man keine Vorahnung, dass hier das Herz eines gigantischen Stromnetzes liegt. Verborgen im Wald liegt die Mittelspannungsnetzleitstelle des Bayernwerkes. Hier achten 53 Mitarbeiter nicht nur darauf, dass das bayerische Stromnetz die gleiche Spannung hält, sondern kontrollieren auch das Erdgasnetz für Ost- und Nordbayern. Fällt zwischen Aschaffenburg und Berchtesgaden der Strom aus, so blinkt in Neunburg ein Signal.

Seit rund 30 Jahren spielt das Areal eine große Rolle in unserer Energiezukunft. Hier stand einst die weltweit größte Solar-Wasserstoff-Pilot-Anlage, entworfen und umgesetzt unter der Federführung von Architekt Michael Steidl im Jahre 1987 und umgebaut und erweitert in eine Netzleitstelle, im Jahr 2007. Aufgrund der mit der Energiewende einhergehender größerer Rechenaufwand musste nun die Netzleitstelle erweitert werden.

Das Architekturbüro Steidl dockte das aufgeständerte Erweiterungsvolumen am Gebäudebestand des ehemaligen Besucher- und Informationszentrums an und nimmt dabei dessen Formensprache in sachlicher Einfachheit auf. „Die gelben Fensterrahmen haben wir als einheitliche Farbcodierung des Gesamtkomplexes übernommen und von der Fassade bis in die Details des Innenraums übertragen“, so Innenarchitektin Barbara Steidl. Um den Akzent auf die Farbe Gelb zu unterstreichen, habe man diese an der Fassade nur mit den schwarzen Metallkassetten und -elementen kombiniert. Im Gegensatz zur dunklen Fassade dominieren im Innenraum Weiß und Grau und dem Farbschema folgend sind hier auch dezente gelbe Elemente in den Details zu sehen.

Der Kubus erhält durch sein Herauskommen aus dem Bestand eine klare Richtung, welche nicht nur an den schmalen Öffnungen der Seitenfassaden ablesbar ist, sondern besonders an der Platzierung des Konferenzraums am Ende des Baukörpers mit einer gänzlich aufgeglasten Fassade. Diese schafft ein einzigartiges Panorama über 10 000 Photovoltaikmodule - Ein richtungsweisender Blick in die Zukunft der Energieproduktion.

Die Vorfertigung der frei über die gesamte Gebäudebreite gespannten Holzelemente ermöglichte eine kurze Bauzeit von fünf Monaten. Nachdem die Stahlbetonplattform gegossen wurde, brauchte es nur zwei Tage, um die vorgefertigten Holzmodule aufzurichten. Dieser Rohbau wurde mit einer vorgehängten Fassade aus schwarzen Metallkassetten verkleidet. Schließlich erfolgte der Innenausbau mit Trockenestrich und Bürotrennwänden. Die Räume der Erweiterung sind mit einer Akustikluftkühldecke aus perforierten Metallplatten ausgestattet. Vorgewärmte oder gekühlte Frischluft diffundiert an der Oberseite der mit Vlies belegten Metallkassetten. Die verbrauchte Raumluft steigt nach oben und wird über Lüftungsschlitze abgesaugt. In den Mäandern des Trockenestrichs befindet sich zur Unterstützung der Beheizung des Gebäudes eine Fußbodenheizung. Eine behagliche Raumtemperatur mit gutem Raumklima ist die Folge.

Das Projekt wurde von einer Jury der Bayerischen Architektenkammer für die Architektouren 2016 ausgewählt, die eine Leistungsschau der bayerischen Baukultur bilden, um Menschen die Möglichkeit zu geben, einen Blick hinter sonst verschlossene Türen zu werfen und an informativen Gesprächen um zeitgenössische Architektur teilzunehmen. Termin für die Besichtigung ist Sonntag um 10 Uhr. Eine Anmeldung ist unter at@architekturbuero-steidl.de erforderlich.

Aktuelle Nachrichten aus dem Raum Neunburg vorm Wald lesen Sie hier.

Netzleitstelle Neunburg

  • Architekt:

    Architekturbüro Steidl

  • Entwurfsteam:

    Michael Steidl sen., Andreas Steidl, Barbara Steidl, Johannes Peter Steidl, Werner Höpfl, Andrea Köppl, Sandra Rohrmüller

  • Bauherr:

    Stadtwerke Neunburg

  • Besonderheiten:

    Leitstelle für Bayerns Stromnetz, Holzmodulbauweise, Konferenzraum mit Panoramaausblick über 10 000 Photovoltaikmodule, Hochsicherheitsbereich

  • Nutzfläche:

    153 Quadratmeter

  • Projektjahr:

    2015

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