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Bestattung

343 Unterschriften gegen Naturfriedhof

Trotz des Protests nimmt das Projekt in Stefling bei Nittenau die nächste Hürde. Eine Ingenieurin entkräftete die Einwände.
Von Thomas Rieke

In Stefling, Stadt Nittenau, ist auf einem rund 22 Hektar großen Gelände ein Naturfriedhof geplant. Trotz umfangreicher Aufklärungsarbeit gibt es noch immer viele Skeptiker.
In Stefling, Stadt Nittenau, ist auf einem rund 22 Hektar großen Gelände ein Naturfriedhof geplant. Trotz umfangreicher Aufklärungsarbeit gibt es noch immer viele Skeptiker. Foto: dpa

Nittenau.Zum wiederholten Male beschäftigte der in Stefling geplante Naturfriedhof den Nittenauer Stadtrat. Claudia Scharnagl vom Ingenieurbüro U.T.E. sowie Forstexperte Alois Schambeck berichteten am Dienstag den Mandatsträgern ausführlich, welche Einwände und Anregungen während der ersten Auslegung von Anliegern, Verbänden und Fachbehörden eingegangen waren – und wie diese zu bewerten seien. Ob Brandgefahr, Angst vor Wertminderung des eigenen Besitzes oder Sorge, der Friedhof könnte zu einem regelrechten Bestattungstourismus führen – Scharnagl wusste diese und eine Reihe weiterer Bedenken zu entkräften.

In diesem Zusammenhang erwähnte Bürgermeister Karl Bley jedoch, dass kurz vor der Sitzung, aber nach der Auslegungsfrist (und damit zu spät) ein Bündel von Unterschriften gegen das Projekt im Rathaus abgegeben wurde. Exakt 343 Bürger haben sich auf Initiative von Elisabeth Stangl (Bund-Naturschutz-Ortsgruppe) gegen die neue Form der Bestattung ausgesprochen. Bley erklärte, dies seien 4,91 Prozent der wahlberechtigten Nittenauer – und damit nicht einmal halb so viele, wie für ein Bürgerbegehren notwendig wären.

Benjamin Boml von den Freien Wähler relativierte diese Aussage. Bei genauerer Betrachtung der Unterschriftenlisten falle auf, dass allein 83 Bürger aus Stefling unterschrieben hätten, und dies sei doch ein beachtlicher Teil der 325 Dorfbewohner. Außerdem hätten nicht weniger als vier Geistliche die Protestnote unterstützt.

Stadtrat Willi Sturm (CSU) warf die Grundsatzfrage auf, „wieso sich die Stadt den Naturfriedhof als Träger überhaupt antut“. Es bestehe dafür doch überhaupt keine Notwendigkeit. Schließlich könne die Stadt auf ihrem traditionellen Friedhof Urnenwände anbieten, und notfalls könnte sie dort für „Menschen, die meinen, unter einem Baum werden sie selig“, Pflanzungen vornehmen.

Sturm hatte Anfang des Jahres bei einem Aufstellungsbeschluss noch für den Naturfriedhof gestimmt – diese Entscheidung bezeichnete er jetzt als „den größten Fehler, den ich je gemacht habe“. Über 20 Hektar intakter Wald würden „zweckentfremdet“.

Bürgermeister Bley riet Sturm dazu, Emotionen außen vor zu lassen und sich sachlich auf das Bebauungsplanverfahren zu konzentrieren. Am Dienstag ging es „nur“ um die Würdigung der Einwände. Grundsätzlich sei es so, dass das Bestattungswesen einem Wandel unterworfen sei und die Nachfrage nach Grabstellen auch auf einem Naturfriedhof stetig wachse, aus verschiedenen Gründen. Claudia Scharnagl bestätigte „regionales Interesse“ am Friedhof in Stefling; dieses sei sogar größer als erwartet. Trotzdem seien für die Anlieger keine Beeinträchtigungen zu erwarten.

Schließlich wurde gegen vier Stimmen beschlossen, die Anregungen und Hinweise zur Kenntnis zu nehmen. Der Planer wurde beauftragt, die Vorschläge in die Planung einzuarbeiten. Nach der Änderung wird es eine erneute Auslegung geben.

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Seit Ende des Jahres 2013 beschäftigt sich der Stadtrat Nittenau mit dem geplanten Naturfriedhof in Stefling. Das Projekt ist aber vielen Anliegern ein Dorn im Auge. Braucht es dieses alternative Bestattungsangebot in Nittenau?

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