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Ehrenamt

Den Tod als Teil des Lebens sehen

Die Sterbe- und Trauerbegleiter der Hospizinitiative Nittenau geben Trost. Ziel ist ein lebenswertes Leben bis zuletzt.
Von Renate Ahrens

Hospizbegleiter stehen Sterbenden auf ihrem letzen Weg bei. Foto: Peter Förster/dpa-Zentralbild/dpa
Hospizbegleiter stehen Sterbenden auf ihrem letzen Weg bei. Foto: Peter Förster/dpa-Zentralbild/dpa

Nittenau.Das Wort „Hospiz“ benutzt Elisabeth Gotthardt nicht gern, wenn sie zum ersten Mal an das Bett eines Todkranken kommt – es sei leider immer noch zu negativ behaftet, erklärt die Burglengenfelderin. Sie komme vom Besuchsdienst, sagt sie dann freundlich. Vor 24 Jahren hat die 67-jährige ehemalige Bankangestellte tatsächlich im Rahmen des ehrenamtlichen Besuchsdienstes im Krankenhaus Burglengenfeld angefangen. „Als meine Eltern starben, merkte ich, dass ich mehr tun wollte und ließ mich zur Hospizbegleiterin ausbilden.“

Oft sind es eigene Erfahrungen mit dem Sterben, die Menschen veranlassen, Hospizbegleiter zu werden, sagt auch Manuela Singer-Bartos von der Hospizinitiative der Caritas-Sozialstationen in Nittenau.

Einfach da sein und zuhören

In Kursen lernen die Begleiter, damit umzugehen. Denn wenn jemand die niederschmetternde Diagnose einer schweren Krankheit erhält oder ein Angehöriger dem Tode nahe ist, herrsche Redebedarf, weiß Elisabeth Gotthardt. „Oft sind wir einfach nur da und hören zu.“ Manchmal könne man nicht mehr tun. Doch das sei schon sehr wertvoll und gebe Trost, würden ihr Angehörige und Betroffene sagen. Oft sei sie auch in der Rolle der Vermittlerin – schließlich sei es für Betroffene schwer, über den nahen Tod zu sprechen, und man wolle sich gegenseitig nicht belasten.

Die Mitglieder der Hospizinitiative arbeiten ehrenamtlich. Foto: Ahrens
Die Mitglieder der Hospizinitiative arbeiten ehrenamtlich. Foto: Ahrens

Und doch wäre es so wichtig, noch Unausgesprochenes zum Thema zu machen. „Manchmal gelingt es, manchmal nicht“, sagt Gotthardt schlicht. Sich selbst müsse sie dabei zurücknehmen, auch das lerne man in den Kursen. Bei dieser schweren Aufgabe helfe ihr der Glaube, sagt Gotthardt – vor dem eigenen Tod habe sie keine Angst.

Noch immer sind Tod und Trauer ein Tabuthema. Bei jeder Betreuung müsse sie langsam Vertrauen aufbauen, sagt Elisabeth Gotthardt. Eines der Anliegen der Hospizbewegung ist auch, den Tod verstärkt in das öffentliche und persönliche Bewusstsein zu holen – und das Sterben als natürlichen Abschnitt des Lebens zu akzeptieren, erklärt Singer-Bartos. Dann könne diese letzte Lebensphase sogar als Bereicherung erlebt werden. In den 20 Jahren des Bestehens der Hospizinitiative Nittenau seien die Menschen durchaus schon für dieses Thema sensibilisiert worden, ist sich Julius Schmatz, erster Vorsitzender der Initiative, sicher. Aktionen wie „Hospiz macht Schule“ oder Trauerspaziergänge tragen außerdem dazu bei.

Seit 20 Jahren werden Betroffene betreut

  • Einsatzgebiet:

    Die Hospizinitiative Nittenau der Caritas-Sozialstation ist für den ganzen Landkreis Schwandorf zuständig. Sie besteht seit 20 Jahren.

  • Mitarbeiter:

    In Nittenau sind zwei hauptamtliche Koordinatorinnen beschäftigt. Ende des Jahres 2018 standen 89 ehrenamtliche Hospizbegleiter und Hospizbegleiterinnen zur Verfügung.

  • Kinder:

    Sechs der Frauen haben eine abgeschlossene Ausbildung zur Kinderhospizbegleiterin sowie vier eine Ausbildung zum Trauerbegleiter für Erwachsene, eine auch für Kinder und Jugendliche.

  • Spenden:

    Die Betreuung ist kostenlos, wird aber nicht in voller Höhe von den Krankenkassen gefördert. Die Initiative ist auf Spenden angewiesen: IBAN DE91 7509 0000 0043 226395

Schon viele Menschen hat Elisabeth Gotthardt begleitet. Immer versucht sie, sich persönlich von dem Sterbenden zu verabschieden, entweder an seinem Totenbett oder bei der Beerdigung. Das sei ihr wichtig, um abschließen zu können und für den nächsten Patienten bereit zu sein.

Vier Vormittage in der Woche verbringt sie ehrenamtlich im Krankenhaus Burglengenfeld. Insgesamt 55 Sterbebegleitungen wurden im Jahr 2018 von der Hospizinitiative abgeschlossen, außerdem 13 Trauerbegleitungen – und diese Zahl steige stetig.

Eine dieser Trauerbegleiterinnen ist Christine Meseth-Voß. Die pensionierte Sonderschullehrerin wurde bereits während ihres Berufes oft mit dem Sterben konfrontiert. „Das Thema Tod war immer wichtig für mich“, sagt die 63-Jährige, die auch eine Ausbildung zur Kindertrauerbegleiterin hat. Jede Betreuung sei anders, auch durch die verschiedenen Trauerphasen, die man durchlaufe. „Ich hole die Menschen da ab, wo sie gerade stehen.“

Begleitung für Angehörige

Die Familie eines Hinterbliebenen gerate nach nach dem Tod eines Mitglieds aus dem Gefüge, und oft kämen dabei auch Familienkonflikte zu Tage. Die Trauerbegleiterin wolle auch nach dem Tod noch die Gelegenheit geben, „Ungesagtes zu sagen“ – und Antworten zu bekommen. „Ich frage dann zum Beispiel: Was hätte er wohl gesagt?“ Oft werde Trauer als Schwäche interpretiert. „Ich gebe den Menschen die Möglichkeit, echt zu trauern. Sie dürfen auch weinen oder schreien.“

„Wir überlegen auch: Was tut dem Trauernden gerade gut?“

Christine Meseth-Voß

Nicht immer sei das einfach, sagt Meseth-Voß. „Ich will ihnen das Gefühl geben, ihre Trauer ist nicht zu peinlich oder zu belastend. Ich bin da – ich bin jemand, der hält das aus.“ Ziel sei es, die Trauer im Leben des Hinterbliebenen zu integrieren. Der Verstorbene soll einen neuen Platz und der Trauernde einen neuen Weg finden. Gemeinsam bespricht man zum Beispiel, wie ein Fest ablaufen könne, zu dem der Hinterbliebene erstmals allein hingehe. „Wir überlegen auch: Was tut dem Trauernden gerade gut?“

Die Angehörigen würden sehr von den Begleitungen profitieren, erlebt Singer-Bartos immer wieder. Diese Hilfe der Ehrenamtlichen ist kostenlos, und sie wünscht sich, dass sie noch mehr Menschen in Anspruch nehmen würden.

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