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Beruf

Die Vorzimmerdame auf Fotojagd

Renate Koller ist Sekretärin des Nittenauer Bürgermeisters und erfüllt sich einen Traum: Sie lichtet Pferde und Hunde ab.
Von Cornelia Lorenz

Renate Koller legt beim Fotografieren der Tiere viel Wert auf die richtige Perspektive – und geht dafür auch ins Wasser, so wie hier mit Pferden und Reitern im Regen. Foto: Koller
Renate Koller legt beim Fotografieren der Tiere viel Wert auf die richtige Perspektive – und geht dafür auch ins Wasser, so wie hier mit Pferden und Reitern im Regen. Foto: Koller

Nittenau.Auf der Suche nach der perfekten Perspektive ist Renate Koller nicht zimperlich: Wenn es sein muss, geht die 54-Jährige für ein Tierfoto mit ihrer Spiegelreflexkamera auch voll bekleidet ins kalte Wasser. Fotografieren ist Kollers große Leidenschaft – und die lebt die Vorzimmerdame von Bürgermeister Karl Bley nach der Büroarbeit aus: Als Outdoor-Fotografin ist sie in der Region unterwegs, um Pferde, Hunde und ihre Besitzer abzulichten – und erfüllt sich damit einen Traum, der ihr schon lang im Kopf herumspukte. „Ich will nicht bis zur Rente warten, bis ich ihn ausleben kann“, sagt sie.

 Am liebsten fotografiert Renate Koller besondere Pferde in ihrer ursprünglichen Umgebung. Sie träumt davon, Islandponys in ihrer Heimat zu fotografieren. Foto: Koller
Am liebsten fotografiert Renate Koller besondere Pferde in ihrer ursprünglichen Umgebung. Sie träumt davon, Islandponys in ihrer Heimat zu fotografieren. Foto: Koller

Ihre Liebe zur Fotografie hat Koller früh entdeckt. „Schon seit ich denken kann, bin ich fasziniert von schönen Bildern. Es sind so wertvolle Erinnerungen, die schwarz auf weiß erhalten bleiben“, schwärmt sie. Doch nach dem Schulabschluss schlug Koller, die in Fischbach aufgewachsen ist und in Reuting lebt, beruflich zunächst einen ganz anderen Weg ein: Sie absolvierte eine Ausbildung zur Bürokauffrau.

Neustart als Stewardess bei der Lufthansa

Nach einigen Jahren im Job wagte Koller eine Kehrtwende, absolvierte ein Jahr als Au-Pair-Mädchen in Boston, lernte auf Sprachschulen in Madrid und Malaga Spanisch – und bewarb sich bei der Lufthansa als Stewardess. Drei Tage lang dauerten die Bewerbungsgespräche. „Keiner hat es mir damals zugetraut, aber ich habe es geschafft“, erinnert sich Koller schmunzelnd. Fünf Jahre lang war sie wegen ihrer Spanischkenntnisse vor allem auf Langstreckenflügen nach Südamerika unterwegs. Dort wuchs ihr Interesse an der Fotografie immer mehr – der Zuckerhut und die Christusstatue bei Rio de Janeiro gehörten damals zu ihren liebsten Motiven.

Die ersten Tierfotos entstanden, als Renate Koller ihre Tochter Kristina auf Reitturnieren fotografierte.
Die ersten Tierfotos entstanden, als Renate Koller ihre Tochter Kristina auf Reitturnieren fotografierte.

Als Koller eine Familie gründete und ihre zwei Kinder bekam, wechselte sie zurück auf den Boden und zur Büroarbeit – und fand im Vorzimmer des Nittenauer Bürgermeisters eine dauerhafte Aufgabe, die ihr bis heute viel Freude macht. Doch ihre großes Hobby, das Fotografieren, hat sie nicht losgelassen – und brach immer stärker durch, als ihre Tochter Kristina den Reitsport für sich entdeckte. „Als sie auf Turnieren unterwegs war, wollte ich solche Momente natürlich festhalten“, sagt Koller. Bald kaufte sie sich deshalb ihre erste Spiegelreflexkamera. „Da fing die Leidenschaft so richtig an“, erinnert sie sich. In einem Fotokurs informierte sich Koller über die richtige Technik, lernte die Grundlagen über Blende und Verschlusszeiten verstehen – und musste sich nicht mehr auf den Automatik-Modus ihrer Kamera verlassen.

Renate Koller ist ein großer Tierfreund. Sie und ihr Mann haben zuhause in Reuting Pferde und außerdem ihre zwei Hunde Ghandi und Mojo. Die beiden Rhodesian-Ridgeback-Rüden sind für Koller in Sachen Fotografie zwei perfekte Übungsobjekte.
Renate Koller ist ein großer Tierfreund. Sie und ihr Mann haben zuhause in Reuting Pferde und außerdem ihre zwei Hunde Ghandi und Mojo. Die beiden Rhodesian-Ridgeback-Rüden sind für Koller in Sachen Fotografie zwei perfekte Übungsobjekte.

Dass sie sich auf Tierfotografie spezialisieren würde, war für Koller von Anfang an klar. „Ich liebe Pferde und Hunde. Wenn man zu dem, was man fotografiert, eine große Liebe hat, dann kann man diese Emotionen auch auf dem Foto sehen“, ist sie überzeugt. Mit ihren Kunden trifft sie sich unter freiem Himmel – egal ob im Garten, am Strand oder auf der Pferdekoppel. Koller richtet sich nach den Wünschen der Kunden – und bringt viel Zeit mit. „Man braucht manchmal viel Geduld, aber das ist so, wenn man mit Tieren arbeitet“, sagt sie.

Mit verschiedenen Tricks, Geräuschen oder Leckerlis bringt sie Hunde und Pferde dazu, sich für das gewünschte Foto freiwillig ideal zu präsentieren. Von übertriebenen Posen hält sie nichts. „Mit meinen Bildern möchte ich die Natürlichkeit, Harmonie, die Eleganz und die Power der Tiere einfangen“, sagt sie. Wichtig ist ihr außerdem, den Charakter eines Tieres zu zeigen. „Einen lustigen Hund würde ich ungern schlafend auf der Couch fotografieren“, sagt sie.

Besondere Momente mit der Kamera festhalten

Renate Koller bei einem Shooting in der Wüste
Renate Koller bei einem Shooting in der Wüste

Auf diese Weise gelingt es Koller, ganz besondere Momente festzuhalten. Ein Hund, der seinem Ball nachjagt, ein kleiner Junge, der sein Pony mit einer Karotte füttert, ein Reiter, der mit seinem Pferd durchs flache, aufspritzende Wasser galoppiert – das sind Szenen, an die Tierbesitzer mit Kollers Fotos ganz besondere Erinnerungen erhalten. Auch ihr selbst gehen manche Shootings nahe – zum Beispiel, wenn sie einen alten Hund fotografiert, der am Ende seines Lebens angekommen ist. Für dessen Herrchen vor dem nahenden Abschied ein Erinnerungsstück zu schaffen, ist Koller eine Herzensangelegenheit.

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