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Investition

Klarheit für Stadt Nittenau und Investor

Umstrittenes Wohnbauprojekt an der Thanner Straße: Der Stadtrat will mit Hilfe eines Bebauungsplans Transparenz schaffen.
von Cornelia Lorenz

Auf dem Gelände der alten Geflügelschlachterei will der Investor einen großen Wohnkomplex bauen. Ein vorhabenbezogener Bebauungsplan soll nach dem Willen des Stadtrats der nächste Schritt sein.Foto: Lorenz
Auf dem Gelände der alten Geflügelschlachterei will der Investor einen großen Wohnkomplex bauen. Ein vorhabenbezogener Bebauungsplan soll nach dem Willen des Stadtrats der nächste Schritt sein.Foto: Lorenz

Nittenau.Klarheit für den Investor und die Stadt – das wünschen sich die Nittenauer Stadträte für das knapp 25000 Quadratmeter große Areal der ehemaligen Geflügelschlachterei an der Thanner Straße. 96 Wohnungen für Senioren und vier Achtfamilienhäuser sollen hier entstehen – eine Dimension, die einige Mitglieder im Gremium in den vergangenen Wochen schwer schlucken ließ. Bei der Sitzung am Montagabend verständigten sich die Räte auf den nächsten Schritt: Ein vorhabenbezogener Bebauungsplan für das Gelände muss her. „Dann hören wir von den Fachstellen, wo es hakt“, argumentierte Albert Meierhofer (CSU).

So könnte die Bebauung auf dem Areal an der Thanner Straße später einmal aussehen. Foto: Frankerl
So könnte die Bebauung auf dem Areal an der Thanner Straße später einmal aussehen. Foto: Frankerl

Investorin Rosemarie Fechter, der das Gelände gehört und die hier alte Gebäudeteile in ein Asylbewerberheim mit derzeit rund 150 Bewohner umbauen ließ, will auf dem Areal in Bergham erneut groß investieren: 56 barrierefreie Wohnungen für Senioren „im besten Alter“ will Fechter hier in einem Teil des geplanten H-förmigen Gebäudekomplexes unterbringen. Die Bewohner sollen eine angenehme Infrastruktur nutzen können: Den „Best Agern“, die noch fit sind, aber sich keine teuren Mieten leisten können, sollen den Plänen zufolge ein Wellnessbereich und ein Dachgarten mit Glaspavillon zur Verfügung stehen. Ein Restaurant mit Café soll das Angebot für die Bewohner der Anlage abrunden. Alle Wohnungen sind von der geplanten Tiefgarage aus zu erreichen – die Investorin hat sich mittlerweile von den großen oberirdischen Stellflächen an der Wohnanlage verabschiedet.

Doch nicht nur Senioren, die noch ganz unabhängig leben können und wollen, werden hier den Plänen zufolge ein Zuhause finden: Über einen Zwischenbau angebunden wird eine zweite Wohnanlage mit 40 Appartements. Hier besteht die Möglichkeit zur Tagespflege von Senioren. Parallel soll im Erdgeschoss eine Kinderbetreuungseinrichtung ihren Platz finden. Im Zwischenbau selbst sollen den Plänen zufolge ein Schwimmbad, ein Fitnesscenter sowie ein Hausmeister-Service untergebracht werden.

Dimensionen bringen für Nittenau Probleme mit sich

Dazu kommen außerdem noch ein Technik- und Verwaltungsgebäude sowie vier Achtfamilienhäuser, die speziell für Familien gedacht sind. „Diese Dimensionen machen mir Kopfzerbrechen“, sagte Dr. Roland Gebhard (FW) und sprach damit Bedenken aus, die einige andere Stadträte bereits in früheren Sitzungen geäußert hatten. Auch Meierhofer wies darauf hin, dass die Größenordnung des Projekts für die Stadt durchaus Probleme mit sich bringen könne – schließlich bedeute es an der Thanner Straße eine große Zahl neuer Bewohner. Der CSU-Mann verwies auf die zusätzliche Belastung des Kanals und der Straßen – und auch auf die Frage, wer dort später für den Winterdienst zuständig sei. Das alles seien Themen, die man im Vorfeld bedenken solle. „Wir müssen hier Klarheit für den Bauwerber und die Stadt schaffen“, sagte er.

Bürger in den Prozess mit einbeziehen

Ein vorhabenbezogener Bebauungsplan sei deshalb die beste Lösung. Die Pläne des Investors müssten öffentlich ausgelegt werden, was für die Transparenz des Projekts förderlich sei. „Dann haben auch die Bürger die Möglichkeit, alles zu überwachen“, sagte Meierhofer. Das sah im Lauf der Diskussion auch CSU-Fraktionssprecher Thomas Hochmuth so. „Das ist die beste Variante, um dem Bauwerber zu zeigen, was wir wollen – und er muss sich darauf festlegen, was er will“, sagte er.

Veränderungen an der Thanner Straße

  • Rückblick:

    2015 hat die Firma FeBau aus Hohenwarth das Areal der ehemaligen Geflügelschlachterei an der Thanner Straße erworben. „Das sind 25000 Quadratmeter beste Wohnfläche, echte Filetstücke“, hatte Roland Fechter, der Sohn von Investorin Rosemarie Fechter, den Stadträten im Februar erklärt. Teile der Schlachterei sind bereits in ein Asylbewerberwohnheim umgebaut worden.

  • Verwirrung:

    Die ersten Skizzen des Wohnbauprojekts hatten bei den Mitgliedern des Bauausschusses für Irritationen gesorgt. In den Erläuterungen war noch von „sozial-betreutem Wohnen“ die Rede gewesen. Diesen Begriff hatte Roland Fechter dann im Stadtrat näher erläutert und erklärt, dass die Anlage überwiegend für Senioren mit und ohne Betreuungsbedarf gedacht sei.

Am Ende verständigten sich die Stadträte mit zwei Gegenstimmen auf dieses Vorgehen. Bereits in der nächsten Stadtratssitzung kann das Gremium – wenn der Investor mitzieht – den formellen Aufstellungsbeschluss für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan fassen. Für die Stadt sei so ein Bebauungsplan allerdings nicht nur vorteilhaft, sagte Bürgermeister Karl Bley (SPD). „Dann könnte unter Umständen auch genehmigungsfrei gebaut werden – das muss uns bewusst sein“, sagte er.

Jürgen Kuprat (SPD) Foto: smx/Archiv
Jürgen Kuprat (SPD) Foto: smx/Archiv

Die Stadträte waren damit einverstanden, diesen Weg zu gehen, um die Fachstellen in den Prozess mit einzubinden. Jürgen Kuprat (SPD) betonte, dass ein derartiges Projekt für Nittenau wichtig sei. „Wir haben in dieser Stadt akuten Wohnraummangel. Eigentlich müssten wir dem Investor den roten Teppich ausrollen“, sagte er.

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