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Natur

Leckerbissen und Plage zugleich

Die Zahl der Eintagsfliegen in Nittenau hält sich in Grenzen. Für Fische sind sie gefundenes Fressen, für Bürger nervtötend.
Von Renate Ahrens

Das Ende ist nahe, wenn die Eintagsfliegen aus dem Wasser steigen.
Das Ende ist nahe, wenn die Eintagsfliegen aus dem Wasser steigen. Foto: gz

Nittenau.Es ist ein Naturschauspiel, an das sich die Nittenauer längst gewöhnt haben: Jedes Jahr im August erscheinen die Eintagsfliegen entlang des Regens, tanzen um die Straßenlaternen und sorgen manchmal für Verkehrsbehinderungen. Seit ein paar Jahren wird deshalb sogar die Straßenbeleuchtung in einigen Straßenzügen abgeschaltet.

Dabei sei dieses Phänomen eigentlich ein Zeichen für einen gesunden Fluss und längst keine neuzeitliche Erscheinung, erklärt Georg Adam, biologisch-technischer Assistent am Wasserwirtschaftsamt Weiden. Eintagsfliegen bevorzugen saubere oder gering verschmutzte Gewässer. Bereits der Botaniker Jacob Christian Schäffer wies Mitte des 18. Jahrhunderts in seinen Schriften darauf hin, dass diese Larven und Fliegen als Fischköder und sogar als Schweinefutter dienten.

Heuer gibt es nur wenige Insekten

Heuer sind es nur wenige Eintagsfliegen, die man an der Regentalbrücke beobachten kann, und die Stadtverwaltung ist froh darüber. „Natürlich sind die Insekten eine Gefahr für den Straßenverkehr, wenn sie in Massen auftreten“, erklärt Reinhard Fohringer vom Bauamt. Allerdings, so räumt er ein, sei es auch interessant, die Fische am Fluss zu beobachten, denen dann wie im Schlaraffenland die Larven buchstäblich ins Maul fliegen.

Im flugfähigen, erwachsenen Stadium leben die Eintagsfliegen tatsächlich nur einen Tag. Sie nehmen in dieser Zeit keine Nahrung auf, sondern widmen sich ausschließlich der Fortpflanzung. Entlang des Angerstegs bleiben die Insekten in den Spinnennetzen hängen.
Im flugfähigen, erwachsenen Stadium leben die Eintagsfliegen tatsächlich nur einen Tag. Sie nehmen in dieser Zeit keine Nahrung auf, sondern widmen sich ausschließlich der Fortpflanzung. Entlang des Angerstegs bleiben die Insekten in den Spinnennetzen hängen. Foto: Ahrens

„Heuer hätten wir wegen des feuchten Wetters allerdings mit sehr viel mehr Eintagsfliegen gerechnet.“ Doch gerade feuchtes Wetter möge dieses Insekt gar nicht, erklärt Georg Adam. Die Larven der Ephoron Virgo, wie ihr genauer Name lautet, brauchen eine längere Periode mit über 20 Grad als Stimulus, um schlüpfen zu können. Die Lufttemperaturen stehen also in direktem Zusammenhang mit der Flugaktivität. Erst jetzt, wo es wieder wärmer geworden ist, sind also überhaupt Fliegen aufgetreten. Es gab aber auch andere Zeiten. „Die Eintagsfliege war schon vom Aussterben bedroht, manche Arten standen sogar auf der roten Liste“, sagt Adam. In Rhein und Main wären sie sogar ganz verschwunden gewesen. Die Bestände hätten sich aufgrund der verbesserten Umweltbedingungen aber seit den 1990er Jahren wieder regeneriert.

„Diese Insekten schlüpfen am Abend, paaren sich, legen die Eier und sind am nächsten Tag tot.“

Georg Adam vom Wasserwirtschaftsamt Weiden

Übrigens ist die Ephoron Virgo tatsächlich eine Eintagsfliege. „Diese Insekten schlüpfen am Abend, paaren sich, legen die Eier und sind am nächsten Tag tot“, erklärt Adam. Die Hauptflugzeit ist von 10. bis 31. August, je nach Wetterlage. Die Larve dieser Art lebt zwei Jahre im Wasser oder auch im Kiesbett, bevor sie schlüpft, so der Experte.

Lästig für die Anwohner und Verkehrsteilnehmer ist aber, dass der „Weißwurm“, wie er auch im Sprachgebrauch heißt, oft massenhaft tot auf den Straßen und Wegen liegt und sie verunreinigt. In manchen Orten, wie in Schwarzenfeld, musste man sogar schon Brücken sperren und Warnschilder aufstellen. Künstliches Licht zieht sie nämlich an und sorgt für große Verwirrung bei den Insekten.

Dichte Schwärme um die Laternen

Sie bilden nach der Paarung dichte Schwärme rund um die Straßenlaternen und statt die mit Tausenden von Eiern gefüllten Eipakete ins Wasser abzuwerfen, landen sie oft auf der Straße und vertrocknen. Das ist ein großer Verlust für die Population dieser Tiere. Manche Gemeinden hätten deshalb unter den Brücken 1000 Watt starke Halogenstrahler angebracht, um die Fliegen dorthin zu locken, erklärt Alois Neft, 1. Vorsitzender des Fischereivereins Nittenau (ein Kurzinterview mit Alois Neft lesen Sie hier!). Dann fallen sie nach der Paarung sofort tot ins Wasser. „Das funktioniert zum Beispiel in Walderbach sehr gut.“ Für Fische sind die toten Fliegen natürlich eine Delikatesse.

Ein paar Stunden Leben

  • Fluginsekten:

    Die Eintagsfliegen sind die ursprünglichsten unter den Fluginsekten. Mit knapp über 3000 Arten in 42 Familien und mehr als 400 Gattungen gehören sie zu den artenärmeren Ordnungen der Insekten. Von diesen Arten leben in Europa etwa 300, in Mitteleuropa mehr als 100.

  • Größe:

    Die Tiere erreichen eine Körpergröße von 3 bis 38 Millimeter und eine Flügelspannweite von maximal 80 Millimeter. Die größte europäische Art ist die Theiß-Eintagsfliege, die samt Hinterleibsanhängen bis zu 120 Millimeter lang werden kann.

  • Der Name:

    Eintagsfliegen sind ganz besondere Insekten. Ihr Leben an der Luft dauert nur wenige Stunden. In dieser kurzen Zeit müssen sie eine Menge erledigen, wie etwa, sich einen Partner zu suchen. Da bleibt nicht mal genug Zeit zum Fressen. Allerdings tragen die Tiere ihren Namen nicht ganz zu Recht. Denn vor ihrem Leben als Fliege haben sie als Larve bereits einige Jahre unter Wasser verbracht. (Quelle: wikipedia)

Wer glaubt, dass das für Angler jetzt die beste Zeit ist, täuscht sich. Theoretisch könnte man die Fische einfach mit dem Kescher herausholen, so viele versammeln sich unter der Brücke, darunter auch große Waller. Aber das ist nicht erlaubt, die Angler dürfen nur mit der Angelrute mit Haken und Köder fischen.

In Nittenau ist noch bis 31. August die Beleuchtung ganzer Straßenzüge und Bereiche ausgeschaltet, zum Beispiel an den Brücken, am Angersteg, am Kirchplatz und sogar in manchen Ortsteilen wie in Entermainsbach oder Stefling. Manchmal bleiben nur einzelne Leuchten dunkel.

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