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Bestattungen

Naturfriedhof hat den kirchlichen Segen

Für Schlosswald-Chef Kölbl geht in Stefling ein Traum in Erfüllung. Auch von der Geistlichkeit wird er jetzt akzeptiert.
Von Thomas Rieke

  • Bestatter Wilfried Lang (rechts) erklärt Besuchern des Naturfriedhofs, wie eine Bestattung im Steflinger Wald vor sich geht. Foto: Rieke
  • Bürgermeister Karl Bley bei seiner Eröffnungsrede Foto: Rieke

Nittenau. Jürgen Kölbl steht neben einer groß gewachsenen Fichte, die sich kaum von den anderen Bäumen ringsum unterscheidet. Doch an einer Stelle ist eine kleine Metalltafel mit einer Nummer (68) und einem Scancode angeschraubt. Kölbl zückt sein Smartphone, drückt auf den Kameraauslöser – und weiß in wenigen Sekunden Details: Rund um diesen Baum dürfen bis zu neun Urnen in den Boden versenkt werden, die Kosten belaufen sich auf...

Der Geschäftsführer der Schlosswald GmbH hat mit Unterstützung der Grafen Ferdinand und Carl von Drechsel und der Stadt Nittenau bei Stefling den ersten Naturfriedhof im Raum Schwandorf realisiert. Bei der feierlichen Segnung am Donnerstag gab er den zahlreichen Gästen die Möglichkeit, sich vor Ort über die neue, freilich auch nicht ganz unumstrittene Bestattungsmöglichkeit zu informieren.

Auf einem 22 Hektar großen Gelände kann man sich im Schatten schlanker Baumriesen oder moosbewachsener Granitfindlinge eine letzte Ruhestätte reservieren. Die Asche der Verstorbenen wird in reinen Holzurnen beerdigt. Ein satellitengestütztes Navisystem garantiert, dass die Grabstätten im Gewirr des Ökosystems Wald nie „verloren“ gehen. Mit anderen Worten: Natur pur und Hightech wurden ideal kombiniert.

Evi und Rainer Blommer eröffneten mit „Bach“ die Feierstunde, zu der die Stadt neben Privatpersonen, die sich für den Naturfriedhof interessieren, auch Vertreter aus Bruck und Bodenwöhr, Steinberg und Bernhardswald geladen hatte. Außerdem nahmen Repräsentanten jener Institutionen teil, die am Bebauungsplanverfahren maßgeblich beteiligt waren.

Bürgermeister Karl Bley betonte in seiner Rede erneut, wie stark sich die Friedhofskultur in den letzten Jahrzehnten gewandelt habe – aus verschiedensten Gründen. Und er verschwieg auch nicht, wie groß die Skepsis in Teilen der Bevölkerung war, nachdem die Idee vom „Naturfriedhof“ erstmals die Runde machte. Folglich habe es vieler Gespräche bedurft, um die Bedenken zu entkräften und das Vorhaben auf den Weg zu bringen. Stellvertretender Landrat Jakob Scharf zeigte sich von dem „würdevollen Ambiente“, welches der Schlosswald biete, beeindruckt und bezeichnete das Angebot als „Bereicherung für den Landkreis“ und „Zeichen der Toleranz“. Die Natur selbst gestaltet den Friedhof – was könne es Besseres geben?, meinte er. Es sei nur bedauerlich, dass jene, die sich hier bestatten ließen, die wunderbare Aussicht selbst nicht genießen könnten.

Pfarrer Adolf Schöls von der katholischen Pfarrei Marä Geburt konstatierte, die Bestattungskultur verändere sich wie die Gesellschaft insgesamt. Der traditionelle Glaube sei am „Verdunsten“, dabei sei doch der Glaube an Jesus die Botschaft, die dem Menschen Mut machen sollte. „Der Tod ist nicht das Ende“ – dies zu vermitteln, sei auch am Naturfriedhof Aufgabe eines Geistlichen. Sein Kollege von der evangelischen Gemeinde, Reiner Eppelein, wurde in seiner kritischen Haltung gegenüber neuen Bestattungsformen deutlicher. Der Trend zur Individualisierung drücke sich auch darin aus, dass der Mensch heute die Wahl zwischen zwanzig verschiedenen Varianten, sich beisetzen zu lassen, habe. Ob jede auch mit dem christlichen Glauben vereinbar sei, stehe auf einem anderen Blatt.

Ihn persönlich, so der Priester weiter, schmerze es bis heute, keinen festen Ort zu haben, an dem er um seinen vor Jahren in den USA verstorbenen Bruder trauern könne. Friedhöfe sind für Eppelein nicht nur Stätten des Erinnerns, sondern auch Örtlichkeiten, an denen die Endlichkeit des Lebens und die christliche Erwartung der Auferstehung bekräftigt werden. Wenn dies auch im Schlosswald der Fall sei, „dann ist es gut“.

Jürgen Kölbl erklärte noch einmal, weshalb der Naturfriedhof für ihn eine Herzensangelegenheit ist. Vor knapp vier Jahren verlor er auf tragische Weise seinen Vater – und erfuhr aber viel zu spät, dass er sich eine letzte Ruhestätte in der Natur gewünscht hätte. Dieser Umstand habe ihm als Sohn keine Ruhe mehr gelassen. Bis zum Erreichen des Ziels sei es ein steiniger Weg gewesen, der viel Ausdauer erforderte. „Dieser Wald aber gibt den Besuchern die Ruhe, die nötig ist, um sich zu erinnern. „Wir werden alles tun, um unserer Verantwortung gerecht zu werden.“

Graf Ferdinand von Drechysel hat keine Zweifel, dass der Friedhof seinen Zweck erfüllt, seien doch Bäume an sich besondere Sinnbilder. Sogar beim zwischenzeitlich verstorbenen Altbischof Manfred Müller habe er sich über das Projekt ausgetauscht – und sei auf offene Ohren gestoßen. Positive sei auch die Reaktion in weiten Teilen der Bevölkerung. Tatsächlich rekrutierte sich ein wesentlicher Teil der Festbesucher aus Personen, die ernsthaftes Interesse am Naturfriedhof haben – oder einen Angehörigen hier schon bestatten ließen.

Segnung des Naturfriedhofs bei Stefling

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