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Gesundheit

Nittenauer nutzen gesunde Angebote nicht

Nur einige Bürger kamen zur Präsentation „Gesundes Nittenau“. Abgefragt wurden die Wünsche von Senioren und Familien.
Von Renate Ahrens

Aktionen der Vereine wie die Kids Games werden gut angenommen. Eltern wünschen sich noch mehr Angebote wie Kinderturnkurse. Foto: Renate Ahrens
Aktionen der Vereine wie die Kids Games werden gut angenommen. Eltern wünschen sich noch mehr Angebote wie Kinderturnkurse. Foto: Renate Ahrens

NITTENAU.Er sei „erschüttert“ über die mangelnde Beteiligung, sagt der Nittenauer Ulrich Klein. Er blickt auf die vielen leeren Stühle in der Aula der Mittelschule und schüttelt den Kopf. Zur Präsentation der Ergebnisse der Fragebogenaktion „Gesundes Nittenau“ war nicht einmal eine Hand voll Bürger erschienen. „Alle können heute in die erste Reihe“, kommentierte Bürgermeister Karl Bley, wunderte sich aber ebenfalls: „Bei den Bürgerversammlungen ist es genauso – vor 17 Jahren zu meinem Amtsbeginn kamen 150 Leute, heute sind es nur noch 15. Haben die Menschen keine Anliegen und Sorgen mehr?“

Wünsche gegen Wirklichkeit

Gesundes Kochen und regionale und gesunde Einkaufsmöglichkeiten standen bei den Familien ganz oben auf der Wunschliste. Die Senioren gaben auf den Fragebögen als Priorität Kurse für gesundes Kochen und für bestimmte Erkrankungen sowie Kräuterwanderungen an. Foto: tre
Gesundes Kochen und regionale und gesunde Einkaufsmöglichkeiten standen bei den Familien ganz oben auf der Wunschliste. Die Senioren gaben auf den Fragebögen als Priorität Kurse für gesundes Kochen und für bestimmte Erkrankungen sowie Kräuterwanderungen an. Foto: tre

Anhand der eingegangenen und inzwischen ausgewerteten Unterlagen gäbe es in Nittenau aber durchaus Bedarf an gesundheitsfördernden Kursen. Im Sommer hatten alle Bürger der Stadt Fragebögen erhalten, bei denen Wünsche und Bedürfnisse an Gesundheitsangeboten abgefragt wurden. Dieses Projekt führt die Stadt Nittenau in Zusammenarbeit mit der AOK, dem Seniorenbeirat, dem Volksbildungswerk und der Universität Regensburg durch. Zwei Zielgruppen wolle man ansprechen, erklärte Boris Metz vom Institut für Präventivmedizin der Uni: Senioren ab 65 Jahre und Familien mit Kindern unter sechs Jahre. Katharina Elsing von der Stadt Nittenau ist die Projektleiterin.

Das Thema Gesundheit hat die Stadt bereits seit längerer Zeit in ihren Zielkatalog aufgenommen. Vor einem Jahr ernannte die AOK Nittenau zur „Gesunden Kommune“. Nachhaltig soll die Gesundheit gestärkt werden. Dazu müsse man, so die AOK, entsprechende Lebensbedingungen gestalten und Anstöße für einen gesundheitsfördernden Lebensstil geben. Konkret wolle man „bedarfsgerechte Angebote für die Bevölkerung schneidern“, hatten zu Projektbeginn die Verantwortlichen erklärt.

Kurse für Yoga, Pilates, Tai Chi und zum Stressabbau würden gerne Familien belegen. Senioren wünschen sich Gedächtnis-, Entspannungs- und Konzentrationstraining, dazu Seniorentreffpunkte oder bessere Verkehrsanbindungen. Foto: tre
Kurse für Yoga, Pilates, Tai Chi und zum Stressabbau würden gerne Familien belegen. Senioren wünschen sich Gedächtnis-, Entspannungs- und Konzentrationstraining, dazu Seniorentreffpunkte oder bessere Verkehrsanbindungen. Foto: tre

In der Zielgruppe der Familien habe man, so erläuterte Metz, von den 360 an die Haushalte versandten Fragebögen 106 zurückerhalten (Rücklaufquote: 30 Prozent), bei den Senioren gingen 207 von 1861 ein (elf Prozent). Damit gebe es genügend Daten, um in die richtige Richtung zu gehen, versicherte Metz. Dabei gelte die Konzentration den drei Kernpunkten Bewegung, Ernährung und Entspannung. Sowohl die Familien, deren Durchschnittsalter bei 35 Jahren liegt, als auch die Senioren (74 Jahre) gaben dazu als hinderlichsten Faktor an, „kein passendes Angebot“ zu finden. Das war für die Anwesenden nicht nachzuvollziehen. „Es gibt doch eine ganze Menge – ob Ernährungsangebote, Tai Chi oder auch Kräuterwanderungen und Spielenachmittage“, wunderte sich Bley.

Familien wünschen sich mehr Angebote bei Gymnastik, Fitness und Rückenschule. Die Senioren würden gerne Gymnastik, Spaziergänge in der Gruppe, Schwimmen, Wassergymnastik und Kurse zu Alltagsfitness machen. Foto: tre
Familien wünschen sich mehr Angebote bei Gymnastik, Fitness und Rückenschule. Die Senioren würden gerne Gymnastik, Spaziergänge in der Gruppe, Schwimmen, Wassergymnastik und Kurse zu Alltagsfitness machen. Foto: tre

Genau solche Angebote seien laut Fragebögen erwünscht. Ulrich Klein stimmte ihm zu und verwies auf die Kurse „Alltagsfitness“, die sowohl im vergangenen Jahr als auch heuer wegen mangelnder Teilnehmer abgesagt werden mussten. „Vieles wird eingefordert, dabei gibt es das schon“, so Klein. Vielleicht liege es manchmal auch an den Kosten, mutmaßt Reinhold Rieger. „Das Kaffeeseminar hätte 24 Euro gekostet – gekommen ist keiner.“ Und die Spielenachmittage würden in Gaststätten stattfinden, erklärt der Senior. Nicht jeder könne sich die zwei Tassen Kaffee leisten, die man dabei verzehre. Vielleicht könnte man diese Veranstaltungen in städtischen Gebäuden oder im Pfarrheim abhalten, schlug Resi Frimberger vor. Die Boccia-Bahn sei beispielsweise kostenlos – werde aber auch nicht genutzt, fügte Bley an. Oft fehle es auch an Verkehrsmitteln, um zu den Veranstaltungen zu gelangen.

Die Kinderbetreuung, die sich viele Familien zusätzlich zu den Kursen wünschen, sei ebenfalls nicht kostenlos, gab man zu bedenken. Der Seniorenbeirat sollte mehr Initiative ergreifen und die Angebote besser zu kommunizieren, schlug Rieger vor.

Die leichtere Aufgabe

Die Kosten für das Projekt „Gesundes Nittenau“ belaufen sich auf rund 32 000 Euro, wovon die Stadt allerdings nur 3500 Euro selbst schultern muss, also zehn Prozent. Foto: tre
Die Kosten für das Projekt „Gesundes Nittenau“ belaufen sich auf rund 32 000 Euro, wovon die Stadt allerdings nur 3500 Euro selbst schultern muss, also zehn Prozent. Foto: tre

Projektleiterin Katharina Elsing konnte dem Ganzen etwas Positives abgewinnen: „Es ist doch gut, dass viel vorhanden ist und es nur das Problem gibt, dass zu wenig wahrgenommen werden.“ Dies zu lenken, sei eine leichtere Aufgabe, als neue Kurse ins Leben zu rufen. „Man darf nicht die Schuld bei denen suchen, die sie anbieten.“

Als nächsten Schritt erfolge die Bewilligung der Fördergelder durch die AOK und die Abstimmung im Stadtrat über das Projekt. Dann würden sich Steuerungskommitees „von Bürgern für Bürger“ bilden. Denn die Nittenauer, so Elsing, müssten sich durchaus einbringen.

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