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Investition

Radweg: Nittenau hofft auf Geldsegen

Fast 300 000 Euro kostet die Verlängerung zwischen Bruck und Nittenau. Unterstützung könnte aus dem Finanzausgleich kommen.
Von Thomas Rieke

Parallel zur Brucker Straße gibt es auf einem Teilstück schon jetzt eine schmale Trasse, die als kombinierter Rad- und Fußgängerweg gekennzeichnet ist. Die Lösung ist aber aus der Sicht der Stadtspitze völlig unbefriedigend, zumal den Weg nur erreicht, wer sich über die Kreuzung mit der Walderbacher Straße wagt.
Parallel zur Brucker Straße gibt es auf einem Teilstück schon jetzt eine schmale Trasse, die als kombinierter Rad- und Fußgängerweg gekennzeichnet ist. Die Lösung ist aber aus der Sicht der Stadtspitze völlig unbefriedigend, zumal den Weg nur erreicht, wer sich über die Kreuzung mit der Walderbacher Straße wagt. Foto: Rieke

Nittenau.Als Fahrradfahrer, der sich seinen Weg durch die Innenstadt auf der Hauptverkehrsader bahnt, gewinnt man schnell den Eindruck, die Fortbewegung durch Tritte in die Pedale sei in Nittenau nicht besonders erwünscht. Immer hat man das Gefühl, dass die Fahrbahn zu schmal ist, immer treibt einen die Sorge, man könnte zum Hindernis für Autolenker werden, die einem mit wachsender Ungeduld verfolgen. Ausweichen auf Gehwege? Erstens nicht rechtens und zweitens wegen geparkter Fahrzeuge oder hoher Bordsteine (bei den Brücken) oft nur schwer möglich.

Tatsächlich reklamieren auch die Grünen, dass die Situation für Radler speziell im Altstadtbereich unbefriedigend ist. Auf Anfrage der MZ kritisierte Ortsvorsitzender Christoph König, bei der Gestaltung des Marktplatzes und der Regelung der Verkehrsführung durch die City seien wichtige Anregungen in den Wind geschlagen worden; durch einen Einbahnverkehr sollten nach Vorstellung der Umweltschutzpartei damals alle Verkehrsteilnehmer, vor aber allem Fußgänger und Radler mehr Bewegungsfreiheit erhalten.

Bley fühlt sich zu unrecht attackiert

Solche Überlegungen hält Bürgermeister Karl Bley auch heute noch für wirklichkeitsfremd. Anlieger anderer Straßen wären dadurch noch stärker belastet worden, sagt er. Außerdem hätte sich die übergeordnete Fachstelle quergestellt. „Wenn sich eine realistische Möglichkeit ergibt, Radlern und Fußgängern zu mehr Platz zu verhelfen, bin ich dabei!“, versichert der Rathauschef. Wer das Gegenteil behaupte, tue ihm unrecht.

Der Radweg nach Bruck soll auf der parallel zum Fuchsensteig verlaufenden ehemaligen Bahntrasse verlängert werden. Foto: Rieke
Der Radweg nach Bruck soll auf der parallel zum Fuchsensteig verlaufenden ehemaligen Bahntrasse verlängert werden. Foto: Rieke

Tatsächlich gibt es vielfältige Bemühungen der Stadt, das Radwegenetz deutlich zu verbessern. Bley, der selbst täglich auf dem Drahtesel in die Arbeit reitet, hat es sich mit seinem Amtsantritt zum Ziel gesetzt, Nittenau fahrradfreundlicher zu machen. In so manchem Bereich ist dies bereits gelungen. So wurde zwischen Bruck und Nittenau entlang der Staatsstraße ein Weg für „Biker“ angelegt; bei der Finanzierung half der Staat mit sage und schreibe 80 Prozent kräftig mit. Doch der Weg führt nicht bis ins Zentrum, sondern endet in der Brucker Straße auf Höhe des Annahaidwegs. Rund 450 Meter fehlen also noch.

Logisch, dass sich Bley und auch viele weitere Mandatsträger im Nittenauer Rat mit dem Status quo nicht zufriedengeben wollten. Deshalb hatten sie bei den Haushaltsberatungen für 2015, trotz der vielzitierten angespannten Finanzlage, die Vervollständigung des Radwegs auf der ehemaligen Bahntrasse bis zum Forsthaus an der Walderbacher Straße beschlossen. Rund 170000 Euro wurden dafür bereitgestellt; die Gesamtkosten belaufen sich freilich auf fast 300000 Euro.

Eigenanteil sinkt auf 131 000 Euro

Doch dann wurde das Projekt doch wieder zurückgestellt. Einer von zwei wesentlichen Gründen ist, dass sich immer konkreter eine Möglichkeit abzeichnete, doch noch an Fördergelder heranzukommen.

Für das noch fehlende Teilstück des Radwegs kann zwar, anders als für den bereits angelegten, kein Zuschuss aus dem sogenannten Sonderbaulast-Topf gewährt werden; das war klar. Nach geduldigen „Abstimmungsgesprächen“ mit der Bezirksregierung hat sich laut Bley jedoch eine „neue Tür“ aufgetan: Nun wird aus dem Finanzausgleich (FAG) eine Unterstützung von immerhin 60 Prozent in Aussicht gestellt. Weil von der Gesamtsumme 274 000 Euro zuschusswürdig sind, sinkt der Anteil, den die Stadt unterm Strich selbst zu tragen hat, jetzt auf 131000 Euro. In der jüngsten Ratssitzung wurde beschlossen, den entsprechenden Zuwendungsantrag einzureichen. Salopp formuliert bedeutet das: Nittenau könnte die Verlängerung des Radwegs halb geschenkt bekommen. Baubeginn sollte 2016 sein.

Bürgermeister Bley sieht in der Maßnahme freilich auch nur eine Etappe von mehreren, die er noch zurücklegen möchte. „Wir sind, was den Ausbau der Radwege betrifft, lange nicht am Ende“, sagt er und lenkt den Blick auf die Kreisstraße SAD 15. Von der Brücke der Nord-West-Umgehung über den Bleicher und den Thanner Kreisel bis nach Lichtenhaid soll ein Radweg entstehen. Der Freistaat soll erneut kräftig bei der Finanzierung helfen, um die Maßnahme „spätestens 2017“ (Bley) zu realisieren.

Ebenfalls auf der Agenda steht ein Gemeinde- und Landkreisgrenzen kreuzender Radweg entlang der Staatsstraße 2149 von Muckenbach nach Reichenbach. Dafür gibt es freilich noch keinen genaueren Zeitplan. Immerhin sei aber der gemeinsame Wunsch längst formuliert.

Weitere Radwegwünsche

  • Verlängerung

    Beim aktuellen Förderantrag geht es um die Verlängerung des Radwegs Nittenau – Bruck. Zur Vollendung fehlen noch 450 Meter. Die Trasse verläuft auf dem ehemaligen Bahndamm. Das Projekt ist mit ca. 300 000 Euro veranschlagt; wird der in Aussicht gestellte Zuschuss genehmigt, bleibt an der Stadt ein Kostenanteil von 131 000 Euro hängen. Der Grunderwerb ist längst erledigt. Mit der Maßnahme wird der Radweg an die Walderbacher Straße angebunden.

  • Meinung bilden

    Diskutiert wird derzeit über eine Veränderung der Regentalstraße, um eine Bushaltebucht einzurichten, vor allem aber einen Radweg anzulegen. Nach MZ-Informationen ist nichts entschieden. Dasselbe gilt für die neue „große“ Regenbrücke. Auch hier läuft der Meinungsbildungsprozess. Laut Bürgermeister ist es denkbar, dass ein Extra-Weg für Radler angehängt wird; vielleicht gibt es aber auch nur die billigere Lösung in Form von Fahrbahnmarkierungen. (ht)

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