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Ehrenamt

„Personal-Alarm“ bei der Feuerwehr

Tagsüber können immer weniger Aktive ausrücken. Die Feuerwehren im Städtedreieck suchen deshalb mit den Kommunen Lösungen.
Von André Baumgarten und Josef Schaller

Sechs der 17 Feuerwehren im Städtedreieck haben ihre Einsatzbereitschaft tagsüber abgemeldet – auch Burglengenfeld hat die Pläne bereits angepasst.
Sechs der 17 Feuerwehren im Städtedreieck haben ihre Einsatzbereitschaft tagsüber abgemeldet – auch Burglengenfeld hat die Pläne bereits angepasst. Foto: Baumgarten

Burglengenfeld. Die Tagesalarmsicherheit der Burglengenfelder Feuerwehr ist nicht mehr gegeben. Das stellte Kommandant Hubert Glaubitz bei der Jahresversammlung am Dreikönigstag klar. Es gab in den vergangenen Monaten bereits mehrere Einsätze, bei denen „der Kommandowagen mit allen Einsatzplänen im Feuerwehrhaus stehen geblieben ist, damit wenigsten ein Löschgruppenfahrzeug voll besetzt ausrücken konnte“.

Burglengenfeld ist allerdings kein Einzelfall – immer weniger Menschen arbeiten vor Ort, viele pendeln nach Regensburg. Sechs der 17 Feuerwehren im Städtedreieck haben laut Kreisbrandmeister Markus Dechant die Einsatzbereitschaft tagsüber abgemeldet. Bereits im November 2014 musste auch die Tages-Einsatzstärke von Burglengenfeld auf acht Kräfte heruntergesetzt werden, ergänzte Glaubitz. „15 bis 17 Aktive wären im Ernstfall mindestens nötig; eigentlich aber Zugstärke mit 21 Aktiven.“

Erst auf Unterstützung warten

Das birgt immense Probleme: Ohne einen zweiten Sicherungstrupp dürfe die Feuerwehr beispielsweise bei einem Brand keinen Innenangriff unter Atemschutz starten – mit einer Ausnahme: „Wenn Personen gefährdet wären.“ Das ist der Grund, warum die Alarmierungspläne bei der Integrierten Leitstelle (ILS) längst angepasst wurden. Seitdem rücken bei Einsätzen am Tag immer wieder auch Feuerwehren aus den Nachbarstädten an.

„Es ist so nicht ausgeschlossen, dass ein Sachschaden dadurch größer wird, weil alles länger dauert“, sagt Glaubitz. Das sieht auch der zuständige Kreisbrandmeister so: „Im Ernstfall können durchaus Probleme entstehen, wenn wegen einer langen Anfahrt vor Ort nötige Einsatzmittel nicht zeitnah verfügbar sind“, sagte Markus Dechant.

78 Aktive hat die Burglengenfelder Feuerwehr – da die meisten auswärts arbeiten, stehen bei Einsätzen tagsüber nur acht zur Verfügung.
78 Aktive hat die Burglengenfelder Feuerwehr – da die meisten auswärts arbeiten, stehen bei Einsätzen tagsüber nur acht zur Verfügung. Foto: Baumgarten

Noch Ende 2014 gab es deshalb in Burglengenfeld ein erstes Gespräch der Feuerwehr mit der Landkreisführung und Bürgermeister Thomas Gesche. Neben der Erfassung aktuellster Fakten der Aktiven sollte bei Neueinstellungen Augenmerk auf Bereitschaft zum Feuerwehrdienst gelegt werden. Zudem sollte mit den Stadtwerken Burglengenfeld (SWB) geklärt werden, ob nicht Mitarbeiter des Bauhofes mit ausrücken könnten. Dann geschah laut Glaubitz‘ Worten aber „erst einmal gar nichts“. Erst Ende 2015 kam Bewegung in die Sache …

„Mir ist aber nicht wohl, wenn es tagsüber Alarm gibt.“

Kommandant Hubert Glaubitz

Nachdem dann auch das Landratsamt eingeschaltet war: Die Ehrenamtlichen der Burglengenfelder Wehr rückten „zu dritt und ohne Wasser zu einem Brand aus, um zumindest Einsatzpläne und ortskundige Kräfte da zu haben“, wie Glaubitz sagte. An der Feuerwache wartete ein vierter Mann, um notfalls mit einem Sonderfahrzeug nachrücken zu können. Weitere Feuerwehren seien damals jedoch auf der Anfahrt gewesen. „Mir ist aber nicht wohl, wenn es tagsüber Alarm gibt“, betonte der Kommandant.

Bei einem Alarm am Tag bleiben die Fahrzeuge in Burglengenfeld teils stehen – es gibt nicht genügend Einsatzkräfte.
Bei einem Alarm am Tag bleiben die Fahrzeuge in Burglengenfeld teils stehen – es gibt nicht genügend Einsatzkräfte. Foto: Baumgarten

Wie Bürgermeister Thomas Gesche in einem MZ-Gespräch erklärte, hat sich beim städtischen Bauhof bereits eine „zweistellige Zahl an Mitarbeitern“ gemeldet, die zum Ausrücken während der Arbeitszeit bereit wären. Details müssten laut der Auskunft von Fritz Kolb, bei der Stadt zuständig für das Feuerwehrwesen, jedoch noch geklärt werden. Die Feuerwehrführung begrüßt das einhellig: „Das sind Feuerwehrleute, die in Umlandfeuerwehren aktiv sind“, betonte Glaubitz.

Wie Kolb weiter sagte, gibt es positive Signale von Arbeitgebern in der Stadt: Das Zementwerk habe Unterstützung zugesichert. Angefragt worden sei auch Netto; ein Gespräch bei Läpple stehe noch aus, so Glaubitz. So könnten Aktive anderer Feuerwehren in Burglengenfeld tagsüber mit ausrücken. „Damit wäre die Alarmsicherheit gegeben“, sagte Kolb zuversichtlich. Diese müssten nur an Fahrzeugen und Geräten geschult werden.

„Nur tagsüber ein Problem“

Kreisbrandmeister Markus Dechant bereitet die angespannte Personallage bei Einsätzen tagsüber Sorgen.
Kreisbrandmeister Markus Dechant bereitet die angespannte Personallage bei Einsätzen tagsüber Sorgen. Foto: Baumgarten

Kreisbrandmeister Markus Dechant betont, dass „dies wirklich nur tagsüber ein Problem ist“. Die Nachwuchsarbeit laufe bestens, nur arbeiten immer mehr Menschen auswärts. Das Thema sinkender Einsatzstärken am Tag sei in den Kommunen „anfangs etwas zu stiefmütterlich behandelt“ worden. Verstärkt zum Problem wurde es, als weitere Feuerwehren im Städtedreieck schließlich ihre Tagesbereitschaft abgemeldet hatten.

Ansatzpunkt ist für Dechant daher ein aktueller Feuerwehrbedarfsplan. „Was brauchen wir überhaupt, wann und in welchem Umfang – am besten für das gesamte Städtedreieck.“ In Auftrag gegeben wurde ein solcher nach seiner Kenntnis bislang nicht.

Wie funktioniert ein Alarm?

  • Einsatzmittel:

    Im Ernstfall ruft die ILS bei einem Brand oder Unfall festgelegte Einsatzmittel nahe zum Ort ab. „Jedes Einsatzmittel ist dort mit Personal hinterlegt“, erklärt Kreisbrandmeister Markus Dechant. Ohne Personal seien diese Mittel nicht verfügbar, dann wird eine andere, weiter vom Einsatzort entfernt gelegene Feuerwehr alarmiert.

  • Anpassungen:

    Aufgrund der Personalsituation wurden die Einsatzpläne bereits geändert – „zumindest kurzfristig ist das machbar“, ergänzt Dechant. Findet sich nicht bald eine gute Lösung, müssten eventuell hauptamtliche Kräfte eingestellt werden. „Das kann und darf man nicht ausschließen – es ist wirklich akuter Handlungsbedarf.“ (ba)

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